Leder-Schüler-Haus, Hotel, Visualisierung

Eine Visualisierung des geplanten Hotelkomplexes im ehemaligen „Leder-Schüler-Haus“. Foto: bloomimages GmbH

Gebäude von legendärem Hamburger Architekten nicht zu retten – Abriss geplant

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Es wurde von einer Hamburger Architekten-Legende entworfen und hat als Nachtclub ganze Generationen geprägt: Das „Leder-Schüler-Haus“ in Hammerbrook trägt jede Menge Geschichte in sich. 2021 kam ein Gutachten zu dem Schluss: das namhafte Gebäude ist nicht mehr zu retten. Jetzt gibt es weitere konkrete Pläne, was aus dem denkmalgeschützten Bauwerk werden soll: ein imposanter Hotelkomplex einer großen Kette.

Fritz Höger, der u.a. mit dem Bau des Chile-Hauses weltweite Bekanntheit erlangen konnte, war Architekt des „Leder-Schüler-Hauses“ an der Ecke Heidenkampsweg/Nordkanalstraße. Als Högers Backstein-Bau 1928 im damals dichtbesiedelten Arbeiterviertel Hammerbrook fertiggestellt wurde, war er eine kleine Sensation.

Kritiker lobten das zehnstöckige Hochhaus, fühlten sich an Wolkenkratzer in Chicago oder gar New York erinnert. Auftraggeber war die 1838 in Hamburg gegründete Firma Leder Schüler, die noch bis in die 1980er Jahre diverse Geschäfte und Lokalitäten in Hamburger Stadtteilen hatte.

Nachtclub „Front“ als sicherer Ort für Schwule

Darunter auch das legendäre „Front“ im Untergeschoss des „Leder-Schüler-Hauses“. Von Ende der 80er bis 1997 pulsierte hier die House-Szene. Wie wichtig der Laden musikalisch war, zeigt sich auch daran, wer dort auftrat. Frankie Knuckles, der amerikanische „Godfather of House“ und Grammy-Preisträger war da und legte einst im Untergeschoss des „Leder-Schüler-Hauses“ auf. Außerdem war das „Front“ für Schwule ein sicherer Ort, um sich frei zu fühlen.

Das „Leder-Schüler-Haus” auf einem Foto der 70er Jahre. Die Wirkung des zehnstöckigen Hochhauses wurde durch die damaligen Neubauten stark geschmälert. Archiv
Leder-Schüler-Haus
Das „Leder-Schüler-Haus” auf einem Foto der 70er Jahre. Die Wirkung des zehnstöckigen Hochhauses wurde durch die damaligen Neubauten stark geschmälert.

Leider fehlte den Eigentümern dann das Geld für eine regelmäßige Instandhaltung. 2016 musste ein Gerüst angebracht werden, damit Passanten nicht von herabfallenden Fassadenteilen getroffen werden.

2019 kaufte die Münchner Reiß-Gruppe zusammen mit dem Projektentwickler PEG Hamburg die Immobilie. Aber was ist mit dem Denkmalschutz? Ein 2021 in Auftrag gegebenes Gutachten zeigte, dass das Gebäude nicht zu retten ist – verrottete Holzpfähle in feuchtem Untergrund und verrostete Teile des Stahlskelettbaus machten eine Sanierung unmöglich, wenn der Status als Denkmal erhalten werden sollte.

Elfstöckiger Hotelkomplex von „Scandic Hotels“

Jetzt ergeben sich neue Entwicklungen für das geschichtsträchtige Gebäude: Die Reiß & Co. Gruppe und die PEG haben als Joint Venture einen langfristigen Mietvertrag mit der „Scandic Hotels Group“ für eine Neubauentwicklung unterzeichnet. Die Kette ist in der Hansestadt nicht unbekannt: Das „Scandic Hamburg Emporio“ ziert bereits den Dammtorwall 19.

Im Hinterhof herrscht eine Atmosphäre fast wie in der New Yorker Bronx. Florian Quandt
Leder-Schüler-Haus
Im Hinterhof herrscht eine Atmosphäre fast wie in der New Yorker Bronx.

Die Abbrucharbeiten unweit vom Berliner Tor sollen im ersten Quartal 2026 in Gang gesetzt werden. Das Ziel: Ein bis zu elfstöckiger Hotelkomplex mit ca. 430 Zimmern, inklusive gastronomischen Angeboten und Rooftop-Bar. Daneben soll ein bis zu achtgeschossiges Bürogebäude mit ca. 9000 Quadratmetern Mietfläche, Dachgarten und weitläufigen Gemeinschaftsflächen im Staffelgeschoss realisiert werden.

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Das Erdgeschoss soll außerdem durch eine „Community Stage“ ergänzt werden, die u.a. für Vorträge und Unterhaltungsveranstaltungen genutzt werden kann. Die Fertigstellung dieser Giga-Projekte ist für 2030 geplant. Beim Bau soll außerdem auf Nachhaltigkeitskriterien geachtet werden.

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