• Rainer K. war der erste Präsident der „Hells Angels". Dies war das offizielle Polizeifoto. 
  • Foto: Polizei Hamburg

MOPO-Serie „Paten von St. Pauli“: Wie die „Hells Angels“ den Kiez zur Hölle machten

In den 70er, 80er und 90er Jahren sorgten die „Hells Angels“ in Teilen Hamburgs für Angst und Schrecken. Die MOPO lässt in der Serie „Paulis Paten“ zwielichtige Kiez-Größen aufleben, legendäre Fehden Revue passieren und zeigt seltene Fotos. An dieser Stelle werfen wir einen Blick zurück auf die ersten Gewalttaten einiger Rocker.

Öltriefende Harley-Davidson-Motorräder sind in Gaststätten in etwa so beliebt wie sabbernde Kampfhunde. Doch als zwei „Hells Angels“ an einem warmen Sommertag 1983 ins „Pickenpack“ am Schulterblatt knatterten, sagte der Wirt kein Wort. Kein Wunder: Seit Monaten hatten die „Höllen-Engel“ diesen Teil St. Paulis, heute Sternschanze, mit brutalsten Mitteln terrorisiert.

Paten von St. Pauli: Wie die „Hells Angels“ den Kiez zur Hölle machten

So zwang im „Pickenpack“ der fast zwei Meter große „Angel“ Klaus-Peter G. eine Frau, ihm die Stiefel zu lecken. Kumpane warfen mit Essen, erbrachen sich am Tresen, verprügelten sogar einen hohen Richter. Der damalige „Pickenpack“-Chef: „Die rustikalen Auftritte führten zu einer gewissen Appetitlosigkeit bei den Gästen.“

Hans-Joachim Z. Hells Angels

Hans-Joachim Z. wurde auch „Steinbeißer“ genannt. 

Foto:

Polizei Hamburg

Schon seit den 70er Jahren hatte die Rockerbande in Hamburg ihr Unwesen getrieben. 1971 war der damals 22 Jahre alte Rainer K. in die USA gereist, hatte nach langen Verhandlungen von den 1948 in Kalifornien gegründeten „Ur-Angels“ die Erlaubnis erhalten, ein Hamburger „Charter“ zu gründen.

Kirchenhelfer in Hamburg von „Hells Angels“ erstochen

Am 14. April 1973 dann die erste spektakuläre Gewalttat: Weil er angeblich den „Hupenring“ eines „Angel“-Autos gestohlen hatte, wurde der Kirchenhelfer Dieter K. (20) von den „Angels“ in der Eimsbütteler Apostelkirche erstochen. 1980 wurde auf Sylt ein Disco-Chef von mehreren „Hells Angels“ regelrecht abgeschlachtet.

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Wer so was auf dem Kerbholz hat, braucht bei verängstigten Kiez-Wirten nur die Hand aufzuhalten. Das taten die „Angels“ dann 1982 und 1983 ausgiebig, kassierten bis zu 10.000 Mark „Wegbleibgebühr“ jeden Monat. Ihr Motto: „When in doubt, knock them out“ (Im Zweifel zuschlagen).

Peter G. Hells Angels (1)

Peter G., damaliger „Sergeant at Arms“ der Hamburger „Hells Angels“, auf einem Polizeifoto.

Foto:

Polizei Hamburg

Hamburg: Innensenator sagte „Hells Angels“ den Kampf an

Anwälte, die die „Höllen-Engel“ in großer Zahl beschäftigen, bestritten empört solche Methoden. Es würde sich bei ihren Mandanten nicht um Rocker, sondern um „Persönlichkeiten, bei denen das Motorrad im Lebensmittelpunkt steht“, handeln. Der damalige Innensenator Alfons Pawelczyk (SPD) teilte diese Auffassung nicht, blies zur Jagd auf die „Hells Angels“.

Video: Schüsse auf den „Hells-Angels“-Boss im Sommer 2018

Am 11. August 1983 rückten 500 Polizisten ins Schanzenviertel ein und stürmten das „Angels Place“ an der Schanzenstraße, das „Vereinslokal“ der Erpresser. Doch die Erleichterung auf dem Kiez , wo sich die „Hells Angels“ auch als Betreiber von Bordellen etabliert hatten, hielt nicht lange an. Nach einem „Deal“ mit der Justiz gab es 1986 für 13 angeklagte Höllenengel wegen diverser Delikte nur Strafen zwischen sechs Monaten und sieben Jahren auf Bewährung. Die saßen Hardcore-„Angel“ wie „Vereinschef“ Mario A., „Vollstrecker“ Klaus-Peter G. oder „Presi“ K. auf einer Backe ab.

Hells Angels Prozess 1984 in Hamburg

November 1984: Der Prozess gegen die Mitglieder der „Hells Angels vor dem Hamburger Landgericht sorgt für großes Interesse bei Presse und Zuschauern. 

Foto:

dpa

„Hells Angels“ wurden von der Innenbehörde verboten

Einzig bleibende Wirkung des Mammutverfahrens: Die Hamburger „Hells Angels“ und ihr Symbol, der geflügelte Totenkopf, wurden von der Innenbehörde verboten. Begründung: „Die ,Hells Angels‘ haben Angst und Schrecken verbreitet.“ Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte 1988 das Verbot.

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Die „Rot-Weißen“, wie die „Hells Angels“ auf Grund ihrer Vereinsfarben auch genannt werden, kümmerte das wenig. Sie bauten auf St. Pauli ihr Imperium neu auf, Drogen- und Waffenhandel kamen hinzu. Die Polizei, entsetzt über das Comeback, rüstete wieder zu einem Schlag: Im Jahr 2000 war es so weit.

Lesen Sie morgen Teil 2: „Paten von St. Pauli“– das Comeback der „Hells Angels“

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