Von links: Paol Groß, Karla Janssen und Carolin Stüdemann stehen hinter einem Tisch
  • Carolin Stüdemann mit Karla Janssen (M.) und Paol Groß in der Produktionsstätte von „Gaia“
  • Foto: Jan-David Korporal

Mit Bienenwachstüchern gegen die Plastikflut im Haushalt

Die MOPO stellt gemeinsam mit „Viva con Agua“-Geschäftsführerin Carolin Stüdemann in der Serie „Auf ein Wasser mit …“ Unternehmer:innen und Vordenker:innen vor, die eine bessere Welt schaffen. Heute spricht Carolin mit Karla Janssen und Paol Groß von „Gaia“, die mit ihren Produkten der Plastikwelle im Haushalt entgegentreten wollen. Um den Menschen besser verständlich zu machen, welche Probleme die Plastikflut bringt, bieten sie zudem regelmäßig Workshops an. Denn jede kleine Veränderung ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Carolin: Hey, wie schön, euch beide mitten im Herzen eurer Produktion zu treffen. Ihr habt euch bei „Gaia“ vorgenommen, etwas gegen die Plastikflut im Alltag zu unternehmen. Gab es eine Schlüsselszene, die zur Gründung geführt hat, nach dem Motto: „Jetzt reicht’s!“?

Karla Janssen: Unser Mitgründer Lucas war für einen längeren Zeitraum in Indien unterwegs und hat die Bienenwachstuch-Idee mit nach Hause gebracht. Da wir alle viel unterwegs waren und an vielen Orten Unmengen von Müll in der Natur und in den Gewässern gesehen haben, waren wir natürlich mit an Bord, als es hieß, dass die Bienenwachstücher eine gute Alternative zur Frischhaltefolie aus Plastik sind. Frischhaltefolie ist nämlich genau so eine Art Plastik, die total unnötig ist, weil sie nur kurz genutzt wird, aber sehr lange in der Umwelt rumliegt, bis sie zu Mikroplastik zerfällt. Deshalb haben wir hier in Hamburg unsere eigene Produktion aufgebaut.

Viva con Agua
Auf ein Wasser mit: Die Interview-Reihe von Viva con Agua und MOPO

Was sind die Vorteile der Bienenwachstücher im Vergleich zu herkömmlichen Lebensmittelverpackungen?

Paol Groß: Sie können lange wiederverwendet werden. Man nutzt dann zum Beispiel keine Alu- oder Plastikfolie mehr, die anschließend im Müll landet, um eine Schüssel abzudecken oder ein Sandwich einzupacken. Stattdessen nimmt man ein Bienenwachstuch, das nach der Nutzung einfach unter Wasser gereinigt und immer wieder verwendet werden kann. Brot zum Beispiel bleibt im Bienenwachstuch länger frisch, weil sich kein Kondenswasser bildet wie im Plastikbeutel und es nicht so schnell austrocknet wie in der Papiertüte.

Bei der Plastik-Vermeidung sprecht ihr insbesondere von Mikroplastik. Nicht zu sehen und doch fast überall in der Umwelt zu finden. Was sind eure Ansätze dagegen?

Karla Janssen: Mikroplastik entsteht, wenn Plastik zerfällt oder zu Mikroplastik gemacht wird. Unsere Mission ist es, Alternativen zu Plastik- und Mikroplastik anzubieten, damit weniger davon in die Umwelt gerät. Denn wie wir wissen, ist zu viel Plastik im Umlauf – in den Ozeanen und Gewässern, in der Umwelt, in Lebensmitteln, dem Wasserkreislauf und sogar in der Luft. Wir konsumieren Plastik, ohne es zu merken. Dieses lagert sich in unseren Körpern und in denen anderer Lebewesen ein, was wiederum zu gesundheitlichen Schäden führen kann. Mit unseren plastikfreien Produkten wollen wir es unseren Mitmenschen erleichtern, auf Plastikalternativen umzusteigen, die auch noch schöner aussehen.

Eure Produkte sind vor allem Alternativen für Küchen- und Haushaltsprodukte. Wie kam es dazu?

Karla Janssen: Weil das Bienenwachstuch das erste Produkt war, haben wir uns zuallererst die Küche vorgenommen, die wir von Plastik befreien wollen. Wir ersetzen zum Beispiel Plastikschwämme durch Naturschwämme aus Kokos- oder Kürbisfasern. Beim Nutzen von Plastikschwämmen kann Mikroplastik in den Wasserkreislauf geraten, was bei Naturschwämmen nicht der Fall ist. Außerdem kann man die Schwämme anschließend auf einem Kompost entsorgen statt auf der Deponie, wo sie zerfallen. Wir bieten außerdem Spülseife am Stück an, die wiederum die Plastikverpackung einspart, oder DIY-Nussmilchbeutel, mit denen man sich den Pflanzendrink ganz einfach selbst herstellen kann und keine schwer recycelbare Milchverpackung mehr kaufen muss – und außerdem viele weitere Produkte. Die Küche hat den höchsten Anteil an Plastikprodukten, deswegen hatte sie Priorität. Wir wollen aber nach und nach den Rest der Wohnung angehen.

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Vor Kurzem habt ihr einen gemeinnützigen Verein gegründet: „gaia hive e.V.“. Was ist das Ziel des Vereins?

Paol Groß: Wir haben mit „Gaia“ von Anfang an Nachhaltigkeits-Workshops in Schulen und Unternehmen gegeben, und das machen wir bis heute. Ziel der Vereinsgründung ist, dass wir die Bildungsarbeit an den Verein übergeben, um den Verkauf der Produkte von der Bildungsarbeit trennen zu können. Wichtig ist uns, unsere Mitmenschen darin zu empowern, dass jede noch so kleine Veränderung im Alltag zählt, so wie jedes nicht genutzte Stück Frischhaltefolie. In der Summe ergeben diese vielen kleinen Stücke einen Riesenhaufen Plastikmüll, der nicht in der Umwelt landet. Im Fokus soll dabei immer die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen stehen. Kinder sind wichtige Influencer und können das Handeln ihrer Eltern, Großeltern und Geschwister beeinflussen. Außerdem sind die jungen Generationen am stärksten von der Umweltpolitik betroffen, weshalb wir uns gemeinsam für eine nachhaltigere Zukunft einsetzen wollen.

„Fairschenken“ ist das Dezember-Motto von „Gaia“

Wie finanziert sich der Verein? Wird ein fester Teil der Gewinne in die Projektarbeit eingebunden?

Paol Groß: Zehn Prozent unserer Gewinne leiten wir an Projekte und NGOs weiter. So haben wir mit dem Verkauf der Bienenwachstücher schon eine Menge Spenden für tolle Projekte sammeln können. Diese Spenden sollen zukünftig unter anderem auch an unseren Verein gehen, damit wir eigene Projekte langfristig begleiten können. Für konkrete Projekte und ein festes Vereinsteam sind wir zudem zukünftig auf Förderungen und Spenden angewiesen.

Der „Black Friday“ war ja neulich schon, Weihnachten steht vor der Tür – und damit die konsumreichste Zeit des Jahres. Gibt es etwas, was ihr den Leser:innen noch mitgeben möchtet?

Karla Janssen: Jeder Kauf ist eine Art Wahlzettel, die Nachfrage bestimmt das Angebot. Den Wandel, den es braucht, schaffen wir nur gemeinsam! Deshalb ist unser Dezember-Motto: „fairschenken“ und kleine nachhaltige Unternehmen unterstützen, die es ohnehin gerade nicht leicht haben.

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