Querdenkerin
  • Eine Querdenkerin bei einer Demo: Impfverweigerer sind schuld, dass die Pandemie nicht vorüber geht.
  • Foto: imago images

Die falsche Solidarität mit den Impfverweigerern

Die Pandemie? In Dänemark ist sie ab heute vorbei. Genau 1,5 Jahre nach Einführung der ersten Corona-Maßnahmen werden diese restlos beendet. Wie unsere Nachbarn das geschafft haben? Impfen, impfen, impfen. Deutschland und Hamburg dagegen werden auch diesen Winter wieder in der Pandemie festsitzen. Weil wir mit den falschen Leuten solidarisch sind. Was wir brauchen: mehr Druck.

Während in Dänemark ab heute alle Freiheiten zurück sind, geht durch Hamburg ein Riss. Und er wird stetig größer. Immer mehr Bars, Restaurants, Clubs oder Theater entscheiden sich für 2G, Zutritt nur für Geimpfte und Genesene. Viele finden das nicht gut. Ungeimpfte werden „ausgegrenzt“, heißt es dann. Oder: „Wir dürfen uns nicht spalten lassen. Wir müssen auch jetzt solidarisch sein“. 

Dänemark beendet alle Corona-Maßnahmen dank hoher Impfquote

So ein Quatsch. Mittlerweile ist ja klar: Corona geht nicht weg. Außer durch impfen. Wer solidarisch mit denen sein will, die nicht geimpft werden können, muss sich impfen lassen. Wer Normalität für alle haben will, muss sich impfen lassen. So wie in Dänemark. Unsere Nachbarn waren von Anfang an schneller mit der Spritze. Entsprechend wurde alles schneller gelockert. Schon bei der EM wunderte sich halb Europa, wieso die Dänen fast wie früher feiern, während woanders noch alles dicht war.

Dänen drängen sich vor einem Nachtclub
Kopenhagen: Dänen drängen sich vor einem Nachtclub – die Corona-Regeln gelten seit Freitag nicht mehr.

Und jetzt? Wird Covid-19 nicht mehr als „gesellschaftskritische Krankheit“ kategorisiert. Denn das Land steht bei den Impfquoten ganz oben. Mehr als 96 Prozent der über 60-Jährigen sind geimpft. Das sind die mit dem größten Risiko für eine schwere Erkrankung. Auf die Gesamtbevölkerung bezogen sind es 73 Prozent, Tendenz weiter steigend.

Jüngere liegen monatelang an einer Beatmungsmaschine

In Deutschland sind nur 83 Prozent der ü-60 sind vollständig geimpft. Bei den 18-59-Jährigen sind es zwei von drei, insgesamt sind es knapp 62 Prozent. In Hamburg liegen wir zwar ein paar Prozentpunkte drüber, aber die dänischen Werte werden wir absehbar nicht erreichen. Es finden kaum noch Erstimpfungen statt.

Den Zahlensalat einmal übersetzt: Allein vier Millionen Ü-60-Jährige sind in Deutschland nicht geimpft. Glaubt man führenden Virologen, wird sich aufgrund der aggressiven Delta-Variante so ziemlich jeder von ihnen in diesem Winter anstecken, ganz zu schweigen von den zig Millionen jüngeren, die, so erklären es Intensivmediziner, mittlerweile die Intensivstationen belasten. Aus einem simplen Grund: Sie sterben nicht, liegen aber teils monatelang an einer Beatmungsmaschine.


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Nun könnte man sagen: Ist doch deren Problem. Ja, aber leider nur zum Teil. Fluten im Winter die Ungeimpften die Intensivstationen, bleibt für normale Patienten kein Platz. Und allen droht ein neuer Lockdown, um ausgerechnet die Ungeimpften zu schützen. Eine Aufhebung aller Maßnahmen wie in Dänemark ist vollends illusorisch – vor allem für die Ungeimpften werden weiter strenge Kontaktbeschränkungen nötig sein. 

Dass eine hohe Impfquote auch die schützt, die sich nicht impfen lassen können, zeigt die Inzidenz in Dänemark: Die war über weite Strecken der Pandemie höher als in Deutschland. Jetzt aber ist sie deutlich niedriger.

Solidarität mit Ungeimpften? Nein, es braucht Druck!

Wer jetzt noch meint, wir müssten ausgerechnet mit Ungeimpften solidarisch sein, hat das Konzept meiner Meinung nach falsch verstanden. Es ist eine Minderheit, die dafür verantwortlich ist, dass wir weiter in einer Pandemie stecken. Und dass Menschen, die sich nicht impfen lassen können, gefährdet werden.

Diese Menschen brauchen unsere Solidarität, genau wie das Klinikpersonal, das kaum einen weiteren Winter unter Überlastung durchhalten wird. Die Zeit des guten Zuredens und der freundlichen Impfangebote geht deshalb vorbei. Was wir brauchen, ist schlicht Druck. Dazu gehört: Impf- oder Testpflicht in Zügen, in allen Bars, Restaurants, Cafés, Theatern. Seit Frankreich diese eingeführt hat, wird zwar jede Woche wütend protestiert. Vor allem aber ist die Impfquote massiv nach oben geschnellt.

Am besten führen wir flächendeckend 2G wie in Hamburg ein – und zahlen Wirten und Veranstaltern noch einen Bonus, um den Ärger mit wütenden Ungeimpften zu kompensieren. Mehrere Bundesländer diskutieren das jetzt, Baden-Württemberg ist sogar einen Schritt weiter gegangen: Ab einer bestimmten Belegungsrate in den Kliniken gilt quasi überall 2G – außer in Supermärkten. Ungeimpfte sind dann komplett vom Leben ausgeschlossen. 

In den USA wird sogar die Impfpflicht für Millionen Bürger eingeführt

Auch in anderen Teilen der Welt schwindet das Verständnis für Impf-Muffel und -Verweigerer. „Unsere Geduld ist am Ende“, droht US-Präsident Biden und holt den Knüppel raus: Impfpflicht in größeren Unternehmen und Behörden, Pflegeheimen und Kliniken und drakonische Maßnahmen bei Verstößen gegen die Maskenpflicht. Der Grund: In einigen US-Staaten sind die Kliniken bereits jetzt wieder an der Kapazitätsgrenze, die Wirtschaft gerät wieder in einen Sinkflug. Auch in der Schweiz füllen sich die Kliniken rapide, gerade erst wurden Maßnahmen massiv verschärft. Beide Länder haben eine noch niedrigere Impfquote als Deutschland. 

Impfen oder nicht ist eben keine rein persönliche Entscheidung, wie viele meinen. Es ist eine gesellschaftliche Notwendigkeit, um aus der Pandemie zu kommen. Solidarität mit Impf-Verweigerern ist schlicht unsolidarisch.

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