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  • Ein beschmiertes Wahlplakat der SPD – in Hamburg hat der Aufruf, AfD zu wählen, nicht richtig verfangen.
  • Foto: dpa

Entsetzen über die Wahl: In Hamburg ist das Ergebnis doch super, oder?

Das Entsetzen über diese Wahl ist auch am Tag danach groß. Und ja, die Ergebnisse der Europawahl lassen einen in Teilen erschaudern. Aber nicht in Hamburg. Hier ist der Ausgang der Wahlen sogar ziemlich gut, rein objektiv aus demokratischer Sicht. Und das hat zwei Gründe.

Das Gruselige zuerst: Der ganze Osten Deutschlands ist fest in AfD-Hand – auf den Wahlkarten sieht man die alte DDR-Grenze, als hätten wir 1984 und nicht 2024. Einzig in und um Berlin gibt es ein paar Grün-Schwarze Einsprengsel. Das Lamento: riesig. Überraschend aber ist, dass so viele von diesem Ergebnis überrascht sind, es war doch lange absehbar. Und absehbar noch gruseliger wird’s dann bei den Ost-Landtagswahlen im Herbst.

In Hamburg hat die AfD nicht reüssiert

Ganz anders Hamburg: Hier sollte das Verhalten des Wahlvolks jedem aufrechten Demokraten ein feines Lächeln ins Gesicht zaubern. Erstens ist die AfD zwar in ihren üblichen Hochburgen wie Neugraben und Allermöhe stark, ansonsten aber spielt sie weiter kaum eine Rolle in der Stadt.

Auch wenn acht Prozent für die postfaschistisch Skandaltruppe bei der Europawahl ein Menetekel bleiben: Der von Gaulands Erben erhoffte Durchmarsch findet nicht statt, 92 Prozent haben eben nicht AfD gewählt. Daran ändern auch die höheren Zustimmungswert in den Bezirken Wandsbek, Bergedorf oder Harburg wenig.

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Dafür ist ein anderer Spieler zurück auf dem Feld: Die CDU hat bei der Europawahl in drei Bezirken die Nase vorn, bei der Bezirkswahl zwei – das ist, auch wenn das Gesamtergebnis eher unspektakulär bleibt, eine kleine Sensation. Bedeutet es doch: Hamburgs Politik wird wieder spannend.

Comeback der CDU: Konkurrenz belebt das Geschäft

Dank des Abschmierens der Grünen und der zumindest auf Bezirksebene stabilen Performance der lokalen SPD entwickelt sich das Ringen um die Macht in der Stadt wieder zu einem echten Dreikampf. Und Konkurrenz, das gilt in der Politik wie auf dem Wochenmarkt, belebt das Geschäft.

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Auch wenn die Erinnerung an die letzten CDU-Senate noch arg schmerzt und die SPD bei den letzten Bürgerschaftswahlen deutlich besser abschnitt als zuvor bei den Bezirks- und Europawahlen: Es erhöht selten die politische Performance, wenn Parteien sich ihrer Macht zu sicher fühlen. Nach vier roten und neun Jahren rot-grüner Regentschaft tut es dem Senat in seiner manchmal selbstgenügsamen Behäbigkeit ganz gut, wenn ein ungemütlicherer Wind durchs arg kuschelig gewordene Rathaus weht.

Anm. d. Redaktion: In einer vorherigen Version stand, dass die CDU nur einen Bezirk gewonnen hat. Die Stelle wurde nach Auszählung aller Stimmen geändert.

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