2G-Modell Hamburgs Clubs
  • Hamburgs Clubs sind seit eineinhalb Jahren dicht. Hier die leere Bühne im Uebel&Gefährlich.
  • Foto: Hami Roshan

Clubs & 2G in Hamburg: Die unausgegorene Scheinlösung des Senats

Mit dem 2G-Modell dürfen in Hamburg ab dem Wochenende auch Musikclubs wieder öffnen – eigentlich. Denn dass sich viele Betreiber:innen mit den jetzt geplanten Regeln für eine Umsetzung des Modells entscheiden werden, ist eher unwahrscheinlich: Der Senat hat hier lediglich Scheinlösungen präsentiert.

Da wäre zum einen die Maskenpflicht, die trotz 2G weiterhin gelten soll. Mit medizinischem Mund-Nasen-Schutz eine Nacht durchtanzen? Das können sich selbst zwei Vertreterinnen der Regierungsfraktionen in Hamburg, Isabella Vértes-Schütter (SPD) und Jenny Jasberg (Grüne), nicht wirklich vorstellen, wie sie bei einer Diskussionsrunde im Uebel&Gefährlich einräumten.

2G in Hamburg: Zählt mitwippen schon als tanzen? Unklar

Dazu sollen bei Veranstaltungen „mit Tanz“ lediglich 150 Gäste in den Club dürfen – was sich für die Betreiber:innen schlicht nicht lohnen wird. Bei Veranstaltungen „ohne Tanz“ sollen es immerhin 1300 Menschen sein. Aber was „tanzen“ hier überhaupt bedeutet, ist niemandem so richtig klar. Zählt mitwippen schon? Ziemlich unklar. Stocksteif vor einer Bühne zu stehen, während oben beispielsweise eine Rockband tobt, ist jedenfalls eine schräge Vorstellung.

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Und dann wären da die Einwände der Clubszene mit Blick auf die Ungleichbehandlung von Geimpften und Nicht-Geimpften. Ausnahmeregelungen sind im 2G-Modell überhaupt nicht vorgesehen. Aus Sicht des Clubkombinats trägt das zur gesellschaftlichen Spaltung bei. Dabei hätte der Senat absehen können, dass es hier Widerstand gibt: Beispielsweise linke Techno-Clubs ticken eben naturgemäß anders als Musical-Großkonzerne.

2G in Hamburg: Senat hat versäumt, mit Clubs in den Dialog zu gehen

Trotz augenscheinlicher und absehbarer Probleme hat es Hamburgs Politik viel zu lange versäumt, mit den Clubbetreiber:innen in den Dialog zu gehen. Über das zu sprechen, was für sie und ihr Publikum tatsächlich vorstellbar und auch wirtschaftlich ist. Und für alle tragbare Lösungen zu entwickeln.

Klar, Konzerte und Partys sind in einer Pandemie nicht erste Priorität. Aber gerade in einer Metropole wie Hamburg, die auch von dieser Szene lebt, nicht egal. Der Senat hat trotzdem erst mal ein unausgegorenes Modell vorgestellt – getreu dem Motto: Haken dran, nachbessern kann man ja immer noch. Jetzt will man miteinander sprechen, immerhin. Es wird höchste Zeit.

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