Armin Laschet steht am Pult und lächelt
  • Armin Laschet (CDU) am Mittwochabend in der ARD-Wahlarena.
  • Foto: picture alliance/dpa | Axel Heimken

„Mach ihn fertig“: Linke Aktivistin aus Hamburg schulte Schülerin vor Wahlarena

Wie authentisch ist die ARD-Wahlarena? Das Format, in dem sich die Kanzlerkandidat:innen den Fragen von Wähler:innen stellen, nutzte am Mittwochabend eine Klima-Aktivistin dazu aus, CDU-Chef Armin Laschet mit ihren Vorwürfen zu konfrontieren. Zuvor war sie offenbar von der Agentur der Hamburger Linksaktivistin Emily Laquer in einem Medientraining geschult worden. Auch bei Annalena Baerbock hatte es Ärger um die Auswahl der fragenden „Bürger“ in der Wahlarena gegeben.

Nach 45 Minuten Sendezeit war es so weit: Eine 15-jährige Schülerin aus Hamburg durfte ans Mikro, sie stellte sich als Klima-Aktivistin von Fridays For Future vor und begann einen etwa einminütigen Monolog mit Vorwürfen. „Ihre Klimapolitik war in den letzten Jahren eigentlich eine Katastrophe, sie war von Fehlentscheidungen und Skandalen geprägt“, sagte sie. Viele Parteien handelten klimapolitisch ohne Plan, „die CDU und Sie insbesondere haben da besonders stark versagt.“ Moderator Andreas Cichowicz musste die Schülerin daran erinnern, eine Frage zu stellen.

ARD-Wahlarena: Hamburger Schülerin konfrontiert Armin Laschet

Politiker:innen zu konfrontieren ist Sinn dieser Sendung. Die Angriffslust der Schülerin aber sorgte für große Kritik. Denn: Sie hatte zuvor ein Talkshowtraining bei einer Aktivistinnen-Agentur (Twitter-Username: „hartaberlinks“) absolviert, um sich für den Umgang mit Medien zu schulen. „Dank des Trainings bin ich ja jetzt super vorbereitet, um ihn fertig zu machen”, schrieb die junge Klimaaktivistin auf Twitter, garniert mit einem Herzchen.

Das Problem: Gründerin der Agentur ist Emily Laquer, als Mitglied der „Interventionistischen Linken“ (IL) nimmt sie laut Hamburger Verfassungsschutz „eine exponierte Stellung innerhalb der linksextremistischen Szene“ ein.

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Ziel der IL sei es laut Verfassungsschutzbericht, „eine möglichst große Zahl nichtextremistischer Akteure zu indoktrinieren und letztendlich zu radikalisieren.“ IL strebe demnach den „revolutionären Bruch mit […] der Macht des bürgerlichen Staates“ an. Bei den G20-Krawallen distanzierte sich die IL nicht von gewalttätigen Autonomen und ist laut Verfassungsschutz „damit als linksextremistische und gewaltorientierte Organisation einzustufen.“

Emily Laquer, Sprecherin des Demobündnisses «Grenzenlose Solidarität statt G20» spricht am 07.04.2017 in Hamburg vor dem Polizeipräsidium mit Vertretern der Presse.
Emily Laquer ist medienerfahren, war 2017 Sprecherin des Demobündnisses „Grenzenlose Solidarität statt G20“ (Archivbild)

Mehrfach habe die IL bereits versucht, Fridays For Future für die eigenen Zwecke zu gewinnen. Laquer retweetete vor der ARD-Wahlarena mit Laschet die FFF-Aktivistin und schrieb: „Mach ihn fertig!“ Auch eine weitere von der „Aktivistinnen-Agentur“ geschulte Black-Lives-Matter-Aktivistin saß nach Angaben der Agentur im Publikum und konfrontierte Laschet.

„Fridays For Future“ betonte gegenüber der MOPO, dass die Schülerin sich selbst für die Wahlarena beworben habe und weder von FFF geschickt noch explizit von Laquer für die Sendung geschult worden sei.

Im Netz schlugen die Wellen hoch, rechte Blogger nahmen die Nachricht vom Talkshowtraining zum Anlass, gegen die verhasste „von Zwangsgebühren finanzierte ARD“ zu schießen, aus dem linken Lager kommt jede Menge Solidarität . Emily Laquer twittert: „Wenn Nazis haten, alles richtig gemacht“.


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Die „Aktivistinnen-Agentur“ hat sich selbst zum Ziel gesetzt, Aktivist:innen zu „empowern“ und sie zu ermutigen, vor Kameras und Mikrofone zu treten. Denn: „In der Primetime kommen soziale Bewegungen kaum vor“, schreibt die Agentur auf ihrer Website. Politiker:innen werden dagegen regelmäßig für ihre Auftritte geschult.

Wahlarena: Zwei Aktivistinnen derselben Agentur saßen im Publikum

Wieso aber gleich zwei Aktivistinnen, die bei derselben Agentur ein Medientraining nahmen, im Publikum saßen, blieb unklar. Die ARD äußerte sich dazu zunächst nicht. Auf der Webseite zur Wahlarena schreibt die ARD, dass der Großteil des Publikums mithilfe des Meinungsforschungsinstituts von infratest dimap ausgewählt werde, Interessierte sich aber auch mit einer Frage bewerben könnten.

Auch nach der Wahlarena mit Annalena Baerbock (Grüne) am 6. September hatte es Kritik gegeben, dass ein AfD-Politiker und ein Mitarbeiter des Stromerzeugers LEAG als Teil des Publikums Fragen zur Energiewende stellen konnten. Der NDR sagte dazu gegenüber dem Fachmedium „Übermedien“: „Wir wählen interessante Fragen aus. Politisches oder sonstiges Engagement sind generell kein Ausschlussfaktor, solange sie nicht über die kommunale Ebene hinausgehen.“

Anm. d. Redaktion: Auch in diesem Text stand zwischenzeitlich, dass die Schülerin für den Auftritt in der Wahlarena geschult worden sei. Tatsächlich hatte sie das Training nach Angaben von „Fridays For Future“ unabhängig von der ARD-Sendung absolviert.

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