„Roboter zahlen keine Steuern“: So demonstrierten die Hafenarbeiter am 11. Dezember in der City.
  • „Roboter zahlen keine Steuern“: So demonstrierten die Hafenarbeiter am 11. Dezember in der City.
  • Foto: Nina Gessner

Kritik an Hafenfusion in Hamburg: „Roboter zahlen keine Steuern“

Es soll der größte Containerverbund Europas werden: Seit Jahren verhandeln Hamburg, Bremen und Wilhelmshaven über die Fusion ihrer Häfen, um so den Umschlag zu steigern und Personalkosten zu sparen. Bei den Hafenarbeitern sorgt das für Angst. Erst von anderthalb Wochen demonstrierten sie lautstark in der City gegen die Pläne. Jetzt setzten auch die Vertrauensleute der Gewerkschaft Ver.di einen Hilferuf an die Öffentlichkeit ab.

„Vorbei an Ver.di und Beschäftigten planen HHLA und Eurogate gerade eine Fusion, die viele Hundert gut entlohnte Arbeitsplätze im Hafen gefährdet. Dieser Schritt ist ,unternehmerisch sinnvoll‘ nur für die Vorstände und Kapitalgeber der Firmen, nicht aber für die tausenden Arbeitnehmer:innen, die in den norddeutschen Häfen die Auswirkungen ausbaden müssen“, so Natale Fontana, Landesfachbereichsleiter Verkehr bei Ver.di Hamburg.

Ver.di Hamburg: Hafenfusion Gefahr für Gesamthafenbetrieb

Fontana kritisiert, dass die Verhandlungen unter Ausschluss von Gewerkschaften und Betriebsräten stattfänden. Angesichts steigender Gewinnerwartungen der Terminalbetreiber gebe es keine wirtschaftliche Notwendigkeit für die Fusion. 

Ver.di befürchtet zudem, dass es vor allem die Beschäftigten des Gesamthafenbetriebs (GHB) sind, die als erstes die Zeche zahlen müssen. Der Personaldienstleister mit knapp 100 Beschäftigten wurde vor Jahrzehnten gegründet, um Schwankungen in der Auslastung der Terminals auszugleichen. Die Gesamthafenarbeiter werden dorthin geschickt, wo viel zu tun ist.

Kritisiert die Hafenfusionspläne: Natale Fontana von Ver.di Hamburg auf der Demo am 11. Dezember.
Kritisiert die Hafenfusionspläne: Natale Fontana von Ver.di Hamburg auf der Demo am 11. Dezember.

Nach einer Fusion, so die Befürchtung, könnten die Terminalbetreiber Eurogate aus Bremen und die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) ihre Arbeiter in einem Pool zusammenfassen und je nach Auslastung verteilen, so dass der GHB überflüssig würde. Auch der Hafentarifvertrag, der aktuell für alle Hafenarbeiter gleichermaßen gilt, könnte zur Disposition stehen.

Betriebsrat von GHB Hamburg: „Es geht um Qualität!“

Matthias von Dombrowski, Betriebsrat beim GHB, kritisiert, dass beim Ranking der europäischen Häfen immer nur auf die Umschlagmenge geguckt würde und dieses zur Begründung für Umstrukturierungen und die Fusions-Pläne genommen würde. „Konkurrenz ist nicht das einzige Kriterium“, so von Dombrowski zur MOPO. „Wir liefern hier ja auch gute Qualität!“ Dabei gehe es nicht nur um eine schnelle und zuverlässige Abfertigung, sondern auch um den ökologischen Fußabdruck. Weil Hamburg den größten Eisenbahnhafen in Europa hat, erfolgt der Weitertransport hier größtenteils per Schiene und nicht per Lkw. In der Logistikkette gewinnt Nachhaltigkeit eine immer stärkere Bedeutung.

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Als schlechtes Zeichen werten der GHB-Betriebsrat und die Gewerkschaft Ver.di die Einstellung der Ausbildung zum Hafenfacharbeiter durch die HHLA. „Früher wurden pro Jahr 20 bis 60 junge Leute ausgebildet“, berichtet von Dombrowski. Und Natale Fontana ergänzt: „Es bedeutet, dass junge Leute absehbar im Hafen keine Zukunft mehr haben werden.“ Die geplante Fokussierung auf Digitalisierung und Automation verringere den Arbeitskräftebedarf. Dabei sei die Automatisierung keineswegs ein Garant für eine Steigerung der Umschlagsproduktivität.

Felix Pospiech, ebenfalls Betriebsrat beim GHB, ergänzt: „Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen. Der Hafen ist das Herzstück der Stadt und die Hafenarbeiter sind das Rückgrat dazu. Als größter Anteilseigner muss Hamburg Verantwortung für die Beschäftigten übernehmen. Wir sind auch Steuerzahler.“ Oder, wie es auf den Plakaten bei der großen Hafen-Demo am 11. Dezember stand: „Roboter zahlen keine Steuern!“

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