Dennis Kwong serviert eine Pekingente im „Dim Sum Haus“ – dem ältesten China-Restaurant der Stadt. Es wird seit 1964 in dritter Generation betrieben.
Dennis Kwong serviert eine Pekingente im „Dim Sum Haus“ – dem ältesten China-Restaurant der Stadt. Es wird seit 1964 in dritter Generation betrieben.
  • Dennis Kwong serviert eine Pekingente im „Dim Sum Haus“ – dem laut eigenen Angaben ältesten China-Restaurant der Stadt. Es wird seit 1964 in dritter Generation betrieben.
  • Foto: dpa

Jubiläum süß-sauer – so lange gibt es schon China-Restaurants in Hamburg

1923 war nicht nur das Jahr der Hyper-Inflation. Damals ging in Deutschland auch etwas los, was bis heute viele köstlich finden. Vor 100 Jahren wurde hier das erste China-Restaurant eröffnet. Die ersten chinesischen Restaurants in Hamburg richteten sich an chinesische Crews der Dampfschiffe. Das wohl älteste seiner Art in Hamburg existiert seit den Sechzigerjahren.

Wirtschaft am Boden, Staat pleite: Das Jahr 1923 gilt bis heute als Schicksalsjahr der jungen Weimarer Republik. Die angeworfene Notenpresse ließ die Inflation explodieren. Ein Brötchen beim Bäcker? Kostete bis zu 25 Milliarden Mark. Doch es passierte in jenem Jahr natürlich nicht nur Katastrophales, sondern auch Kulinarisches. „1923 eröffnete das erste chinesische Restaurant in Berlin in der Kantstraße 130b.“ So schreibt es etwa die Bundeszentrale für politische Bildung in einem Aufsatz über Berlin. „Es wurde vom ehemaligen Koch der Gesandtschaft betrieben und hieß ,Tientsin‘.“

„In den 20ern war ein Lokal mit außereuropäischer Küche absolut ungewöhnlich“, sagt der Hamburger Historiker Lars Amenda, der sich seit Jahrzehnten mit chinesischer Migrationsgeschichte beschäftigt. „Das Berliner ,Tientsin‘ ab 1923 war wohl das erste China-Restaurant in Deutschland, das sich auch an die deutsche Bevölkerung richtete und zum Beispiel junge Intellektuelle und Bohemians anzog.“

Chinesen verkauften schon 1920 auf St. Pauli kantonesisches Essen

In Hamburg sei es zwar ein bisschen eher losgegangen, doch diese Geschichte liege ziemlich im Dunkeln. „Der Polizeibehörde fiel dort schon um 1920 auf, dass Chinesen aus englischen Hafenstädten nach St. Pauli kommen und Lokale und Geschäfte eröffnen mit kantonesischem Essen, weil viele Seeleute aus Hongkong waren. Es gibt aber kaum Infos über diese ganz frühen Stätten.“ Über den Schiffslinienverkehr dürften die Zutaten für die Küchen gut organisiert gewesen sein, etwa Sojasauce, Gewürze, getrockneter Fisch und Tofu.

Dim Sum, gedämpfte Teigtaschen, in einem Bambuskorb: eine chinesische Spezialität dpa
Dim Sum, gedämpfte Teigtaschen, in einem Bambuskorb: eine chinesische Spezialität
Dim Sum, gedämpfte Teigtaschen, in einem Bambuskorb: eine chinesische Spezialität

Als Beleg eines frühen China-Restaurants gebe es von 1921 eine Annonce in einem Hamburg-Führer, sagt Amenda. Inhalt: „Peking – Chop-Suey-Restaurant – first and only Chinese Restaurant in Germany – Jazz music“. Das Restaurant soll in der Straße Fuhlentwiete (Nummer 27) in der Innenstadt gewesen sein. „Es ist jedoch erstaunlich, dass dazu überhaupt keine weiteren Berichte zu finden sind. Vielleicht hat es auch nie eröffnet oder ganz schnell wieder zugemacht.“ Die ersten chinesischen Restaurants in Hamburg richteten sich jedenfalls nicht an Deutsche, sondern an chinesische Crews der Dampfschiffe. Es gab auch chinesisch aufgemachte Unterhaltungslokale mit Tanz und Vortänzerinnen.

In Hamburg existiert seit 1964 am Hauptbahnhof das „Dim Sum Haus“

In der Nazi-Zeit und im Krieg hatte es dann internationale Küche wieder schwerer. Aber sie war keineswegs vollkommen verbannt, wie Amenda weiß. „In dem Film ,Große Freiheit Nr. 7‘ von 1944 gibt es eine längere Szene in einem nachgestellten Lokal namens ,Shanghai‘, die für den Film sogar recht wichtig ist, weil da Hannes Kröger alias Hans Albers den Entschluss fällt, wieder zur See zu fahren. Und da dient das China-Lokal als symbolische Umgebung für die Internationalität der Schifffahrt.“

Das könnte Sie auch interessieren: Die besten Asia-Restaurants Hamburgs: Hier geht der „Bok“-Chef selbst gern essen

In der Nachkriegszeit galten China-Restaurants in der jungen Bundesrepublik dann rasch als Zeichen von großer weiter Welt. Seit 1964 existiert am Hamburger Hauptbahnhof das „Dim Sum Haus“, das nach eigenen Angaben „älteste China-Restaurant“ der Stadt. Chinesische Restaurants liegen bei den Erwachsenen in Deutschland laut repräsentativer Yougov-Umfrage auf Platz drei beim Ausländisch-Essengehen – hinter Italienern und Griechen. (mp/dpa)

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp