Gymnasium
  • Etwa jedes zehnte Kind scheitert am Gymnasium – ein Grund für die Linken-Fraktion, die Stadtteilschulen mehr zu fördern.
  • Foto: picture alliance/dpa/Daniel Reinhardt

Jedes zehnte Kind scheitert in Hamburg am Gymnasium

Fast zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen in Hamburg wechseln nach der sechsten Klasse vom Gymnasium auf eine Stadtteilschule (STS) – das geht aus einer großen Anfrage der Linken an den Senat hervor. Die Fraktion sieht darin ein massives Problem und will die STS mehr unterstützen.

„Die Aufgaben der STS sind enorm und sie muss gestärkt werden“, so lautet das Fazit von Sabine Boeddinghaus, bildungspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft. Im Februar wollte die Linke um die Lage der STS im Hamburg wissen, die sich laut der Fraktion zwar zusammen mit Gymnasien als die zwei „Säulen“ des Hamburger Bildungssystem etabliert hätten, jedoch keineswegs „Gleichwertigkeit“ genießen würden.

Linke-Fraktion sieht in Stadteilschulen Erfolgsmodell mit Hilfsbedarf

Dass die beiden Schulsysteme zumindest ungleich sind, zeigen jetzt die Zahlen der Schulbehörde – denn die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen in den beiden Bildungseinrichtungen sind merklich anders. So kommen die Schüler:innen an STS mehrheitlich aus Stadtteilen mit niedrigem Sozialstatus. Knapp zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen auf STS haben außerdem einen Migrationshintergrund. In Gymnasien sind es hingegen knapp 41 Prozent.

Sabine Boeddinghaus
Die bildungspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion, Sabine Boeddinghaus, fordert mehr Unterstützung für Hamburgs Stadtteilschulen.

Auch in der Schule selbst zeigen sich Unterschiede: Insgesamt haben in STS mehr als doppelt so viel Kinder und Jugendliche Förderanspruch als auf dem Gymnasium. Ein Drittel der Schüler:innen erhielten an STS etwa zuletzt noch Sprachförderung, während es an Gymnasien lediglich knapp neun Prozent waren – an Grundschulen lag der Anteil noch bei mehr als 58 Prozent.


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„Die Stadtteilschulen müssen in der Regel fast zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen aufnehmen“, sagte Boeddinghaus. „Dabei erhöht sich die Zahl der zusätzlich eingerichteten Klassen kontinuierlich.“ Dieses Aussieben führe neben einer demütigenden Erfahrung dazu, dass mehr Kinder in den Stadtteilschul-Klassen seien, als das Schulgesetz vorsehe. „Diesem Druck muss die Schulbehörde begegnen“.

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Boeddinghaus forderte, dass den Gymnasien eine ebenso starke inklusive und integrative Arbeit ermöglicht werde. Dafür müssten die Abschulungen enden und die Ressourcen der Gymnasien entsprechend erhöht werden. Neue Schulen sollen nach Ansicht der Linken-Politikerin zur Entlastung der bestehenden Stadtteilschulen ausschließlich als Stadtteilschulen gegründet werden. In allen Klassen müssten die Lehrkräfte mindestens in Doppelbesetzung arbeiten und zudem die Klassen verkleinert werden.

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