Sperrzäune führen den Verkehr während der Neugestaltung der Barcastrasse an der Baustelle vorbei.
  • Rund 400 km Fahrstreifen wurden in Hamburg 2020 und 2021 saniert. (Archivbild)
  • Foto: picture alliance/dpa/Markus Scholz

Jede sechste fällt durch: Hier sind Hamburgs Straßen besonders schlecht

Mehr als 2100 Kilometer Straße haben Kamerawagen in Hamburg abgefahren, um den Zustand der Verkehrsinfrastruktur zu überprüfen. Nun liegt der neue Zustandsbericht vor: Hamburgs Straßen sind schlechter als zwei Jahre zuvor, die Opposition kritisiert den Senat.

Der Zustand der Hamburger Straßen hat sich in den vergangenen Jahren trotz umfangreicher Sanierung leicht verschlechtert. Das geht aus dem am Dienstag vom Senat vorgelegten Straßenzustandsbericht 2020 hervor. Darin erhält die Straßeninfrastruktur der Hansestadt die Gesamtnote 2,45. Im Straßenzustandsbericht 2018 lautete die Note noch 2,37. Für den aktuellen Bericht fuhren Kamerawagen den Angaben zufolge zwischen April 2020 und April 2021 Hamburger Straßen auf einer Gesamtlänge von 2167 Kilometern ab.

42,7 Prozent der Straßen sei bei der Untersuchung ein „sehr guter“ Zustand mit Noten zwischen 1,0 und 1,49 bescheinigt worden. Weitere 26,2 Prozent erhielten demnach ein „gut“ oder ein „befriedigend“, 14,9 Prozent seien mit „ausreichend“ und 16,2 Prozent mit „mangelhaft“ bewertet worden. Note fünf für jede sechste Straße!

Der Bericht gibt auch Aufschluss über die Straßen in den einzelnen Bezirken, die keine Hauptverkehrsstraßen sind. Dabei schneidet Hamburg-Mitte am schlechtesten ab. Besonders gut sind die Straßen dagegen im Hafen, für den ebenfalls eine Auswertung erstellt wurde.

Hamburg-Mitte bildet das Schlusslicht

  • sehr gut: 26,4 Prozent (2018: 22,8 Prozent)
  • gut oder befriedigend: 22,9 Prozent (2018: 23,0 Prozent)
  • ausreichend: 19,9 Prozent (2018: 17,6 Prozent)
  • mangelhaft: 30,9 Prozent (2018: 36,6 Prozent)

Altona: Minimale Veränderungen zum Vorjahr

  • sehr gut: 39,9 Prozent (40,4 Prozent)
  • gut oder befriedigend: 23,1 Prozent (22,9 Prozent)
  • ausreichend: 12,7 Prozent (14,4 Prozent)
  • mangelhaft: 24,2 Prozent (22,3 Prozent)

Eimsbüttel: Hier haben sich die Bezirksstraßen verbessert

  • sehr gut: 41,2 Prozent (2018: 40,6 Prozent)
  • gut oder befriedigend: 24,0 Prozent (2018: 21,1 Prozent)
  • ausreichend: 14,6 Prozent (2018: 12,5 Prozent)
  • mangelhaft: 20,2 Prozent (2018: 25,7 Prozent)

Hamburg-Nord hat zweitschwächste Werte vorzuweisen

  • sehr gut: 27,6 Prozent (2018: 30,5 Prozent)
  • gut oder befriedigend: 25,1 Prozent (2018: 21,8 Prozent)
  • ausreichend: 17,1 Prozent (2018: 15,1 Prozent)
  • mangelhaft: 30,2 Prozent (2018: 32,5 Prozent)

Wandsbek: Straßen haben sich verschlechtert

  • sehr gut: 41,7 Prozent (2018: 47,1 Prozent)
  • gut oder befriedigend: 26,4 Prozent (2018: 21,1 Prozent)
  • ausreichend: 13,9 Prozent (2018: 12,9 Prozent)
  • mangelhaft: 17,9 Prozent (2018: 18,9 Prozent)

Bergedorf: Ein Viertel der Straßen ist mangelhaft

  • sehr gut: 37,4 Prozent (38,3 Prozent)
  • gut oder befriedigend: 23,8 Prozent (22,5 Prozent)
  • ausreichend: 14,0 Prozent (12,8 Prozent)
  • mangelhaft: 24,9 Prozent (26,4 Prozent)

Harburg: Strake Verbesserungen auf den Bezirksstraßen

  • sehr gut: 43,3 Prozent (2018: 35,0 Prozent)
  • gut oder befriedigend: 24,8 Prozent (2018: 28,4 Prozent)
  • ausreichend: 13,9 Prozent (2018: 15,5 Prozent)
  • mangelhaft: 17,9 Prozent (2018: 21,1 Prozent)

Hamburger Hafen: Hier sind die Straßen besonders gut

  • sehr gut: 54,4 Prozent (2018: 36,5 Prozent)
  • gut oder befriedigend: 16,2 Prozent (2018: 24,0 Prozent)
  • ausreichend: 10,5 Prozent (2018: 16,3 Prozent)
  • mangelhaft: 19,9 Prozent (2018: 23,2 Prozent)

Die Stadt bemüht sich bereits, die Missstände zu beheben. Ungeachtet der schlechteren Gesamtnote wurden dem Bericht zufolge 2020 und 2021 mit 197 beziehungsweise 196 Kilometern deutlich mehr Straßenabschnitte saniert als in den beiden Jahren zuvor. Damit hat der Senat auch sein gesetztes Ziel fast um ein Doppeltes übertroffen: In der laufenden Legislaturperiode möchte er 500 Fahrsteifenkilometer sanieren – also rechnerisch 100 km pro Jahr. Die Prognose für 2022 zeigt ebenfalls ein deutliches Überschreiten dieser Marke. Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) sprach von einer Sanierung auf Rekordniveau. Der Straßenzustandsbericht zeige aber auch: „Wir benötigen eine solch hohe Sanierungsleistung, um unsere Infrastruktur zu erhalten. Deswegen werden wir diese Strategie auch in den kommenden Jahren fortsetzen.“

Sanierungen sorgen für Stau: Kritik aus der Opposition

Von der Opposition in der Bürgerschaft hagelte es dennoch Kritik. Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Richard Seelmaecker, verwies darauf, „dass Straßen, die im Sinne der grünen Verkehrswende umgebaut werden, nicht zwangsläufig für den Autoverkehr besser nutzbar und befahrbar werden“. Häufig führten die Straßensanierungen zu Spurenreduzierung und provozierten dadurch Staus. „Erfolgreiche Straßensanierung muss in allererster Linie für einen besseren Verkehrsfluss für alle Verkehrsteilnehmer sorgen“, forderte er.

Für die Verkehrsexpertin der Linken, Heike Sudmann, hat der Senat sein selbst gesetztes Ziel verfehlt: „Er wollte den Zustand der Straßen kontinuierlich verbessern und sich nicht mit dem erreichten Niveau zufriedengeben.“ Auch aus der AfD-Fraktion kam Kritik: Dirk Nockemann warf Verkehrssenator Tjarks eine unausgewogene Politik vor. „Eine verkehrstüchtige Infrastruktur ist das Rückgrat unserer Wirtschaft“, sagte der AfD-Fraktionschef.

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Für die Hamburger FDP ist die Verkehrspolitik des Senats „versetzungsgefährdet“. „Die Qualität jeder sechsten Straße in Hamburg ist mangelhaft, die jeder dritten bestenfalls ausreichend. Der Zustand hat sich erstmalig seit sechs Jahren verschlechtert“, konstatierte die stellvertretende Landesvorsitzende Sonja Jacobsen. (dpa/mp)

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