In diesem Fahrstuhl war die 32-Jährige mehrere Minuten gefangen.
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  • Foto: Florian Quandt
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„Todesangst“: Hamburgerin steckt im Fahrstuhl fest – der läuft mit Wasser voll

Der Vorfall ereignet sich am 6. September 2018 in einem Hochhaus am „Alten Güterbahnhof“ in Barmbek. Nona A. (32) wohnt im ersten Obergeschoss. Sie findet eine Mitteilung der Deutschen Post in ihrem Briefkasten: Der Nachbar im 2. Stock hat ein Paket für sie angenommen. Das Paket ist groß und schwer, weshalb sie für den Rückweg den Fahrstuhl nimmt – eine fatale Entscheidung, wie sich herausstellt.

Der Fahrstuhl bleibt stecken, das Licht geht aus. Langsam füllt sich der Aufzug mit Wasser, das Herz beginnt zu rasen – was wie eine Szene aus einem Horrorfilm klingt, ist einer Hamburgerin wirklich passiert: Das Hochhaus, in dem Nona A. zu dem Zeitpunkt lebte, wurde absichtlich geflutet. Zwei der mutmaßlichen Täter stehen nun wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung vor dem Amtsgericht St. Georg.

Nona A. (32) sagt am Donnerstag vor Gericht aus.
Nona A. (32) sagt am Donnerstag vor Gericht aus.

Hamburgerin im Fahrstuhl gefangen: „Ich hatte Todesangst“

„Als ich den Fahrstuhl betrat, habe ich gemerkt, dass es von der Decke tropft. Ich habe den Aufzug direkt gestoppt, aber es war schon zu spät. Er hatte sich bereits in Gang gesetzt. Dann ging das Licht aus“, sagt Nona A. im Gericht: „Ich hatte Todesangst. Irgendwann floss das Wasser wie bei einem Wasserfall in den Fahrstuhl hinein. Dann die ganze Elektrizität. Ich hatte Angst, dass ich einen Stromschlag bekomme.“

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Mit ihrem Smartphone macht A. etwas Licht und beginnt gegen die Türen des Aufzugs zu schlagen. Nach rund 15 Minuten hört eine Nachbarin die Geräusche, alarmiert Polizei und Feuerwehr. Nona A. wird schließlich von den Einsatzkräften befreit.

Das Wohnhaus am „Alten Güterbahnhof“ in Barmbek.
Das Wohnhaus am „Alten Güterbahnhof“ in Barmbek. Hier steckte eine Frau im Fahrtstuhl fest, der mit Wasser voll lief.


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Den beiden Angeklagten Niklas H. (30) und Bastian L. (30) wird vorgeworfen, dass sie das Wohnhaus unberechtigt betreten haben. Sie sollen im elften Stock einen Wasserhydrantenschrank aufgebrochen und den Löschwasserschlauch aufgedreht haben. Mehrere hundert Liter Wasser sind durch die Decken der Flure gedrungen und haben die Fahrstühle außer Betrieb gesetzt. In dem Wohnhaus entstand ein Schaden in Höhe von etwa 350.000 Euro. Beide Männer schweigen vor Gericht.

Schon vor der Tat sollen die Männer in der Umgebung aufgefallen sein. So sollen sie in einem Supermarkt Kunden bepöbelt und einem auf der Straße geparkten Cabrio Joghurt auf das Textil-Verdeck geschmiert haben, wie Zeugen berichten.

Mann hinter Zeitung
Angeklagter Niklas H. (30)
Bastian L. (30)
Bastian L. (30)

Mutmaßliche Täter fielen schon vorher auf

Nona A. ist aus dem Haus ausgezogen. Sie leidet bis heute unter dem traumatischen Erlebnis: „Unmittelbar nach dem Vorfall hatte ich blaue Flecken und Schwellungen,“ erklärt die Zeugin. Die Verletzungen soll sie sich bei den Schlägen gegen die Fahrstuhltür zugezogen haben: „Ich war eine Woche lang krankgeschrieben. In den ersten Nächten wurde ich immer wieder wach und hatte Angstzustände“, sagt sie. „Ich vermeide es bis heute, mit einem Fahrstuhl zu fahren“.

Der Prozess wird kommende Woche mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt, dann kann es auch ein Urteil geben.