• Feuerwehrkräfte bereiten am Allermöher See ein Schlauchboot vor.
  • Foto: C. Leimig

Hitze, Wasser, Unfälle: Darauf sollten Sie beim Baden achten

Die Corona-Zahlen sinken, die Politik gewährt mehr Freiheiten und die Temperaturen steigen: Viele genießen nun das Wetter am Wasser, baden nicht nur in der Sonne, sondern auch in Seen, Elbe und Alster. Dabei kommt es immer wieder zu schweren bis tödlichen Unfällen. Wie die Feuerwehr und der DLRG aufgestellt sind, wozu die Retter raten, warum Corona einen Einfluss auf die Schwimmfähigkeit von Kindern hat und worauf gerade Eltern unbedingt achten sollten – die MOPO gibt einen Überblick.

Der Himmel blau, die Sonne drückend heiß, der See eine verführerische Abkühlung. Ein junger Mann schwimmt am vergangenen Samstag am Allermöher See (Neuallermöhe) – ein Gewässer, das als Badeunfall-Hotspot gilt. Im Viertel wird er nur „der Todessee“ genannt.

Hamburg: Hitze, Wasser, Unfälle – darauf sollten Sie beim Baden achten

Bei künstlich angelegten Baggerseen immer problematisch: die Abbruchkante. Nach seichtem und flachem Uferwasser geht es plötzlich mehrere Meter tief gen Abgrund. Viele überschätzen sich. So auch der junge Mann, der unterging und nicht wieder auftauchte. Retter suchten den See ab, bargen letztlich in drei Metern Tiefe seine Leiche.

Die DLRG rät, nur an bewachten Badeseen zu schwimmen. Eine Übersicht der Plätze findet man auf deren Internetseite. „Wenden Sie sich, gerade an Orten, an denen Sie noch nie waren, zuerst an die Rettungsschwimmer“, so DLRG-Präsident Heiko Mählmann. „Die kennen ihr Revier und geben gerne Auskunft.“ Eltern sollten immer in Armlänge zu ihren Kindern sein und sie niemals unbeaufsichtigt baden lassen. „Das Seepferdchen-Abzeichen ist nur ein Motivationsabzeichen und bedeutet nicht, dass Ihr Kind ein sicherer Schwimmer ist.“

Heiko Mählmann ist Präsident des DLRG-Landesverbandes Hamburg.

Vorsicht geboten ist neben den künstlichen Seen auch am Meer und an Flüssen. Stichwort Ebbe und Flut. Am Elbstrand verursachen vorbeiziehende Containerschiffe zusätzlich zu den ohnehin schon starken Strömungen noch gefährliche Wellenschläge. „Oft erleben Kinder dann einen gewissen Tsunami-Effekt“, erklärt Mählmann. „Das Wasser wird durch den Container-Sog weggesogen, die Kinder laufen auf die freie Fläche. Und dann kommt die große Welle.“ Laut DRLG haben im vergangenen Jahr sechs Menschen ihr Leben im Wasser verloren.

Und was rät der DLRG-Chef bei aufkommender Gefahr? Oftmals sind Ertrinkende gar nicht zu erkennen. „Ganz selten rudern sie mit den Armen und kämpfen um ihr Leben. Meistens ist es eher ein stilles Ertrinken. Man sollte immer aufmerksam sein und genau beobachten. Und im Zweifel immer den Notruf 112 wählen.“ Fühle man sich körperlich fit, dann könne man auch selber ins Wasser zur Hilfe eilen. „Nehmen Sie aber immer ein Hilfsmittel mit, an dem sich der Ertrinkende festhalten kann, egal ob Rettungsring oder aufblasbares Gummitier. Von der Person geht auch immer eine nicht einschätzbare Gefahr fürs eigene Leben aus, weil sie sich an alles festklammert, was in Greifnähe ist.“

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Auch die Hamburger Feuerwehr bereitet sich auf die Badesaison vor. Deren Einsatzkräfte seien in der Wasserrettung ausgebildet, wie ein Sprecher der MOPO mitteilte. Darüber hinaus seien alle Löschfahrzeuge mit Rettungsleinen, Westen und Schwimmflossen ausgestattet. Andere Fahrzeuge hätten sogar Schlauchbotte parat, „die auf allen hamburgischen Gewässern eingesetzt werden können“.

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Zusätzlich befinden sich in der Feuerwehr-Flotte noch zahlreiche Klein- und Rettungsboote, alle auch entlang der Elbe und der Alster stationiert. „Um schnell Hilfe zu leisten“, so der Sprecher weiter. Feuerwehr-Taucher hielten sich rund um die Uhr bereit. Beim Absetzen eines Notrufs empfiehlt die Feuerwehr, immer eine möglichst genaue Ortsangabe zu machen. Nur so könne man auch die richtigen Kräfte alarmieren.

Hamburg: Darum können Kinder wegen Corona schlechter schwimmen

Ein großes Problem: das Coronavirus und seine Auswirkung auf die Schwimmfähigkeit der Kinder. Schon davor, so DLRG-Präsident Mählmann, hätten Kinder aus ärmeren Familien erst viel später schwimmen gelernt als Kinder aus Blankenese oder Volksdorf. Durch die Corona-Maßnahmen habe der Breitensport über ein Jahr flachgelegen. „Wenn ein Kind nicht lernt Fußball zu spielen, ist das traurig. Lernt ein Kind aber nicht das Schwimmen, kann es Leben kosten.“ Ein ganzer Jahrgang an Kindern würde in den Sommer entlassen, ohne schwimmen zu können. Die DLRG bietet in Zusammenarbeit mit der Stadt Schwimmkurse über die Sommerferien an, „um wenigstens einen Teil aufholen zu können, der durch Corona auf der Strecke blieb.“

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