Ottifanten-Zeichner Ully Arndt und Gunter Baarster
  • Ottifanten-Zeichner Ully Arndt (l.) und Texter Gunter Baars in dem Büro, in dem die Comics entstehen.
  • Foto: Patrick Sun

Zu Besuch: Hier kommen die Ottifanten der MOPO her!

Diese Elefanten kennt jeder in Deutschland: Sie rüsselten schon auf Plattencovern und auf Fußballtrikots, es gibt sie als kotzende Schlüsselanhänger, aus Weingummi zum Vernaschen und, und, und. 1973 hat Otto Waalkes die Ottifanten erfunden, seit 1987 erscheint in der MOPO ein täglicher Comic-Strip der munteren Rüssel-Bande. Nun bekommen die Geschichten einen tollen neuen Platz im Blatt – Anlass genug, Ihnen die Macher hinter den witzigen Bildern in der MOPO vorzustellen.

Abgekaute Bleistifte, umherfliegende Skizzen und Radiergummikrümel – all das gibt es im Zeichenstudio von Ully Arndt (60) an der Holstenstraße (Altona-Altstadt) nicht. Das Büro wirkt mit seinen lila- und petrolfarbenen Wänden, dem Flokati auf dem Holzfußboden und dem Tresen eher wie eine edel-hippe Bar, in der nur zufällig ein paar Computer herumstehen.

Ottifanten in der MOPO: Hier entstehen sie

Das ist das Reich von Ully Arndt, der mit seinen langen Locken und dem Ringel-Shirt sehr nach Künstler aussieht und wie viele Künstler eigentlich lieber im Hintergrund bleibt. Er zeichnet die Ottifanten für die MOPO. Neben ihm steht ein Mann mit verschmitztem Lächeln: Gunter Baars (59), der Texter. Die zwei kennen sich eine halbe Ewigkeit: In sehr jungen Jahren haben sie gemeinsam beim Satiremagazin „Mad“ gearbeitet, Chefredakteur war damals Herbert Feuerstein.

Wie kam das also mit den Ottifanten? „Ich bin mit meiner Zeichenmappe unter dem Arm zu Ottos Management gegangen und habe gesagt, dass ich unbedingt was mit Ottifanten machen möchte“, erinnerte sich Arndt. Ein paar Tage später war Waalkes auf seinem Anrufbeantworter – und gab sein Okay.

Gemeinsam mit Texter Gunter Baars legte er los. Die ersten Strips gab Otto noch persönlich frei, ein Wunsch seines Managements. Doch schon bald hatten die Hamburger freie Hand.

Am 1. August 1987 war es dann soweit: Der erste Ottifanten-Comic erschien in der MOPO! Zu sehen damals: eine Horde Elefanten in einem Schlauchboot. „Schnell, wir müssen lustig sein“, ruft einer. Die Truppe setzt sich Partyhüte auf und schneidet Grimassen. Dann sagt einer: „So, das sollte reichen für heute. Ab Montag mehr!“

Erster Ottifanten-Comic in der MOPO
Der erste Ottifanten-Comic in der MOPO! Er erschien am 1. August 1987.

Tausende Geschichten sind seitdem entstanden. Die Ottifanten von Arndt unterscheiden sich von Ottos Ottifanten dadurch, dass sie auf zwei Beinen gehen und Kleidung tragen. „Nur mit Vierbeinern allein kann man keine Comics machen, deshalb haben wir sie stark vermenschlicht“, sagt er.

Das Aussehen der Ottifanten in der MOPO hat sich im Laufe der Jahre weiter verändert. Besonders auffällig: die Rüssel sind heute deutlich kürzer! Das Geheimnis hinter den stummeligen Elefanten-Nasen: „Die Rüssel haben auf den Bildern so viel Platz eingenommen. Beim Reden hätten sie sich kaum gegenüber stehen können“, sagt Arndt. Also schrumpften sie.

Und was entsteht zuerst, das Bild oder der Text? Klare Antwort der beiden: der Text. Wenn Gunter Baars eine Idee hat, macht er eine Skizze und schreibt die Geschichte auf – und Ully Arndt setzt sie dann um. Anfangs wurde noch per Hand gezeichnet und getuscht, heute entsteht alles papierlos am Computer.

Skizze eines Ottifanten-Comis
Zuerst entsteht eine Skizze.

Kuriose Erlebnisse im Büro, Gekabbel mit der lieben Familie: Die Geschichten rund um die Ottifanten-Familie Bommel und Figuren wie die Zigarren rauchende Putzfrau Frau Hoppmann („Keinen Schritt auf meinen frisch gewischten Fußboden!“) sind Alltagssituationen, die jeder kennt. Wichtig bei Ottifanten-Geschichten: „Keine politischen Aussagen und kein Schweinkram!“, sagt Texter Baars.

Ottifanten-Spiel: Radio-Spot sorgte für Ärger

Aber ganz ohne Ärger ging es in den mehr als 30 Jahren natürlich nicht. Es gab mal Beschwerden über die Figur des Sensenmanns. Jemandem mit kirchlichen Hintergrund passte die Figur nicht, die Opa Bommel immer zum Mitkommen überlisten will. Der Sensenmann blieb trotzdem.

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Und 1989 gab es einen kleinen Skandal um ein Ottifanten-Spiel, dessen Radio-Werbespot Otto Waalkes eingesprochen hatte. Darin hieß es: „Mami, Mami, warum wird Papis Rüssel immer länger?“ – „Weil er immer so viel damit spielt“. In dem Spiel ging es darum, den Rüssel der Figuren wachsen zu lassen.

Für den Bayerischen Rundfunk war der Spot eine Zote, er flog aus dem Programm. Das wiederum landete in den Medien – und das Spiel verkaufte sich plötzlich wie irre. Gunter Baars und Ully Arndt lachen heute noch, wenn sie davon erzählen.

Die Ottifanten-Comics in der MOPO sind nicht die einzigen Projekte beiden. Ully Arndt steckt hinter den erfolgreichen Kinder-Hörspielen der Reihen „Die Teufelskicker“ und „Die Punkies“. Gunter Baars ist Spieleerfinder und hat schon rund 160 Spiele erfunden, sein bekanntestes ist „Der zerstreute Pharao“.

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An ihren Dickhäutern, die sie seit mehr als 30 Jahren zu Papier bringen, hängen sie aber ganz besonders. „Die Ottifanten sind ein großer Teil unseres Lebens“, sagt Ully Arndt. Und Gunter Baars meint: „Wir sind selbst wie die Ottifanten geworden. Alt und grau.“

Ihre Ottifanten ziehen ab kommender Woche um – von der täglichen MOPO in unsere dicke Samstags-Ausgabe. Dort gibt es Familie Bommel und ihre Abenteuer dann auf einer ganzen Seite. Diesen Samstag geht es mit dem XXL-Ottifanten-Spaß schon los.

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