Geld
  • Nach einem Dämpfer während der Corona-Pandemie bekommen auch die Start-ups in Hamburg wieder Millionensummen.
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Hamburgs Start-ups bekommen wieder deutlich mehr Geld

Die Gründer in Deutschland profitieren davon, dass bei Investoren das Geld wieder lockerer sitzt. Nach einem Dämpfer während der Corona-Pandemie bekommen auch die Start-ups in Hamburg wieder Millionensummen. Der Abstand zu den bundesweiten Spitzenreitern ist aber groß.

Start-ups in Hamburg haben im vergangenen Jahr wieder deutlich mehr Geld erhalten. Die jungen Firmen warben einer neuen Studie zufolge eine Summe von 459 Millionen Euro Risikokapital ein. Das ist mehr als dreimal so viel wie im Corona-Krisenjahr 2020. Auch die Zahl der Finanzierungsrunden stieg kräftig um 76 Prozent auf 81, wie die Beratungsgesellschaft EY am Donnerstag mitteilte. Damit lag die Stadt aber noch hinter dem bisherigen Höchstwert aus dem Jahr 2018 zurück. Damals waren 548 Millionen Euro eingesammelt worden.

Hamburg: Start-ups bekamen 2021 deutlich mehr Geld von Investoren

Im bundesweiten Vergleich lag Hamburg beim Investitionsvolumen auf dem 5. Platz. Mit Abstand das meiste Geld sammelten Gründer in Berlin ein, gefolgt von Bayern. Sie lagen auch bei den großen Deals vorne. Nach Berlin flossen nach Angaben von EY 10,5 Milliarden Euro Risikokapital – damit kam die Gründerhochburg allein auf 60 Prozent Marktanteil. Nach Bayern gingen 4,4 Milliarden Euro. Vor Hamburg und mit weitem Abstand zu Berlin und Bayern folgten Baden-Württemberg (599 Millionen) und Nordrhein-Westfalen (566 Millionen).


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„Die Pandemie erweist sich immer mehr als Katalysator für einen Start-up-Finanzierungsboom“, sagt EY-Partner Thomas Prüver. Immer mehr Start-ups kämen an frisches Geld und die Summen stiegen rasant. So habe sich die Zahl großer Deals mit mehr als 100 Millionen Euro Volumen im vergangenen Jahr vervierfacht.

Berlin: Hier bekommen Start-ups das meiste Geld

Die größte Transaktion 2021 war den Angaben nach eine Geldspritze von 861 Millionen Euro für den Lebensmittellieferdienst Gorillas aus Berlin. Es folgt eine Investition von 830 Millionen Euro in den Münchner Software-Anbieter Celonis. Bayern habe sich neben Berlin als Gründerstandort etabliert. „Für die anderen Start-up-Standorte ist es hingegen schwer, da mitzuhalten“, sagte Prüver.

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Prof. Dr. Götz Wiese, wirtschafts- und digitalpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion sieht das ähnlich: „Ich freue mich über den Anstieg der Finanzierungen junger Unternehmen in Hamburg. Zur Wahrheit gehört aber auch: Hamburg hat das Wachstum der Start-ups nicht nutzen können, um an Berlin und Bayern näher heranzurücken – im Gegenteil: In Berlin wird 20-mal so viel Kapital in Start-ups gesteckt wie in Hamburg. Dabei vergrößert sich der Rückstand Hamburgs in absoluten Zahlen deutlich.“ Gerade im Bereich technologiestarker Finanzunternehmen („Fintechs“) würde Hamburg weiterhin hinterher hinken: Hier ist Berlin 30-mal so stark.

Hamburg: Digitalpolitischer Sprecher fordert bessere Strukturen für Start-ups

Hamburg muss mehr für seine Start-ups tun, fordert Wiese. „Ausgesprochen kontraproduktiv für das Wachstum in Hamburg ist es, wenn Fördermittel nicht ankommen. Auch insofern ist es ein Tiefpunkt, dass Finanzsenator Dressel nun das Projekt Fintech-Accelerator verschieben musste, weil die ausschreibungslose Auftragsvergabe an einen SPD-Genossen nach öffentlichem Protest abgeblasen wurde. Hamburg braucht hier professionelle Strukturen.“

Start-ups sind auf Investoren angewiesen, da sie anfangs keine Gewinne schreiben. Fonds und große Firmen stecken Kapital in junge Firmen in der Hoffnung, dass sich deren Geschäftsideen durchsetzen. Start-ups gelten als Innovationstreiber für die Wirtschaft. Jedoch sinkt seit Jahren die Zahl der Selbstständigen in Deutschland. Und bei der Finanzierung und Börsengängen von Start-ups liegt Deutschland weit hinter Ländern wie den USA und Großbritannien zurück.

Geplatzte Finanzierungen: 2020 ein schlechtes Jahr für Start-ups

Im vergangenen Jahr hatte die Corona-Pandemie den Aufschwung vieler Start-ups gebremst: Geldgeber hielten sich zurück, Finanzierungen platzten, die Geschäfte junger Firmen wurden mühsamer. Das große befürchtete Gründersterben blieb jedoch aus. (mp/dpa)

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