Ranger mit Senator
  • Umweltsenator Jens Kerstan (2,v.l.) mit acht neuen Rangern.
  • Foto: picture alliance / dpa/Marcus Brandt

Hamburgs neue Ranger: Sie bewachen unsere grünen Schätze

Ob nasses Moor oder Kalkmagerrasen, ob verträumte Auenlandschaft, hohe Dünen oder weite Heideflächen – Hamburgs grüne Schätze bekommen neue Aufpasser: Zehn Ranger sollen in Zukunft darüber wachen, dass die Hamburger ihre Naturschutzgebiete nicht „zu Tode lieben“. Einen Teil des neuen Teams stellte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) gestern in den Boberger Dünen vor.

In der Pandemie übten sie einer geradezu magnetische Wirkung auf die vom Lockdown geplagten Städter aus: die 36 großen und kleinen Hamburger Naturschutzgebiete, die fast zehn Prozent der Landesfläche umfassen. Zehn Männer und Frauen werden jedes von ihnen nun regelmäßig, aber zu unterschiedlichen Zeiten, durchstreifen und ein Auge darauf haben, dass Erholungssuchende, Gassigeher und Naturliebhaber Freude haben an Flora und Fauna, ohne der Natur allzu dicht auf die Pelle zu rücken.

Zehn neue Ranger für Hamburg

„Ranger“ und „Rangerin“ steht in weißen Lettern auf ihren Hamburg-blauen Polohemden. Die deutsche Bezeichnung „geprüfte Natur- und Landschaftspflegerin“ würde da auch kaum draufpassen. Schon die allerersten Ranger im Wilden Westen haben sich um den Schutz der Natur gekümmert und Ausschau nach Wilderern gehalten. Das Augenmerk der Hamburger Ranger liegt aber eher auf freilaufenden Hunden.

Rangerinnen
Rangerinnen Anne Jüngst (41, l.) und Sandra Fischer (28)

Zur Vorstellung der ersten acht Männer und Frauen hatte der Umweltsenator in das Naturschutzgebiet Boberger Niederungen geladen, zufällig sein persönliches Lieblingsparadies: „Ich bin Bergedorfer und hier habe ich mit meiner Naturschutzarbeit angefangen“, sagt Jens Kerstan und schwärmt von Arbeitseinsätzen während des Studiums: „Nichtheimische Bäume fällen, Trockenwiesen schaffen, Heideflächen freihalten, solche Sachen.“

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Rangerin Anne Jüngst (41) hat keinen Favoriten unter ihren vielfältigen Einsatzgebieten: „Sobald ich dort hinkomme, verbinde ich mich mit der Natur und denke: Jedes der 36 Naturschutzgebiete ist einzigartig und wunderschön.“ Arbeiten mit der Natur, das war schon immer die Leidenschaft der gelernten Wildtierpflegerin, die sich auch schon um mutterlose Seehundbabys in der Auffangsstation Norddeich gekümmert hat.

36 Hamburger Naturschutzgebiete

Unter den neuen Kollegen und Kolleginnen sind auch Landwirte, Tischler, Biologinnen. Wer seine Arbeitstage gerne warm und trocken vor einem Bildschirm verbringt, für den ist der Job nichts: „Man muss richtig Lust haben, jeden Tag bei Wind und Wetter draußen zu sein“, sagt Christian Walte (52), Leiter des Rangerdienstes: „Und man muss gerne auf Menschen zugehen.“

Umweltsenator mit Rangern
Umweltsenator Jens Kerstan begrüßt das neue Team.

Auch die Arbeitszeiten muss man mögen: Am Wochenenden und nach Feierabend, eben dann, wenn es viele Menschen zum Durchatmen ans Feuchtbiotop und zum röhrenden Hirsch zieht. „Wir sind draußen, wenn die anderen frei haben“, fasst Ranger-Chef Walte es zusammen.

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Ihre Hauptaufgabe beschreibt Rangerin Jüngst so: „Menschen die Natur nahebringen und ihnen zeigen, was für tolle Naturschutzgebiete wir in Hamburg haben.“ Manchmal muss sie auch eingreifen, ermahnen, die Wege nicht zu verlassen, die hübschen Blumen und dekorativen Gräser auf den Wiesen stehen zu lassen, Fifi an der Leine zu führen.

Besucheransturm auf Hamburgs Naturschutzgebiete

Bei hartnäckigen Verstößen, etwa gegen die Leinenpflicht, können die Ranger sogar Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten, aber: „Die meisten Menschen sind einsichtig“, sagt Anne Jüngst, „die meisten Fehler passieren unbedacht und nicht absichtlich.“ Der Senator drückt es etwas rustikaler aus: „An besonders schönen Sommerwochenenden haben wir festgestellt, dass einige Besucher mit wenig Sensibilität querfeldein durch unsere Naturschutzgebiete pflügen“, so Jens Kerstan.

Dass es die hochmotivierte Truppe gibt, ist ein Zugeständnis der Stadt an die Volksinitiative „Hamburgs Grün erhalten“. 2019 hat der NABU mit den Regierungsfraktionen der Bürgerschaft den „Vertrag für Hamburgs Stadtgrün“ ausgehandelt, der auch den Einsatz von Rangern vorsieht.

Kerstan mit dem Leiter der Ranger
Der Umweltsenator lässt sich von Christian Walte, Leiter des Rangerdienstes, erklären, was die Ranger so alles im Kofferraum haben.

Was die Ranger stets dabei haben: Mülltüten, wenn die Besucher vor lauter Naturbegeisterung mal wieder vergessen haben, ihren Abfall wieder mit nach Hause zu nehmen. Ein Maßband, um zu kontrollieren, wann Bewuchs gestutzt werden muss, weil die Wege zu schmal werden. Klebetape und ein Mehrzweckwerkzeug für die Hosentasche, falls mal ein Schild oder eine Absperrung notdürftig gesichert werden muss, bevor die Profis von der Stadt mit richtigem Werkzeug anrücken.

Interessiert lässt Kerstan sich zeigen, was so alles im Kofferraum der elektrischen Ranger-Mobile liegt. „Viel Spaß bei Ihrer zukünftigen Arbeit wünsche ich“, sagt der Senator zum Schluss zu den neuen Rangern – und klingt fast ein bisschen neidisch.

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