• Lange Zeit blieben Hamburgs Bars und Clubs wegen Corona leer. Hier: Die Skybar in der zweiten Etage des Molotow auf der Reeperbahn.
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Hamburgs Eventbranche in der Krise: Drama: Jeder dritte Veranstalter hat null Einnahmen

Neustadt –

Clubs, Kinos, Musicals, Konzert- und Messeveranstalter – sie alle haben unter der Corona-Krise besonders gelitten. In der Event- und Veranstaltungsbranche hat laut einer Umfrage der Handelskammer ein Drittel der Firmen in diesem Jahr noch gar kein Geld verdient. Nun traf Bürgermeister Tschentscher rund 20 Branchenvertreter zum Krisengespräch im Rathaus.

Ein Drittel der Veranstalter hat seit Corona noch gar kein Geld verdient. Weitere 42,5 Prozent gaben an, bislang höchstens ein Viertel ihrer Vorjahreserlöse erwirtschaftet zu haben. Kaum besser sehe es bei den Erwartungen für das Gesamtjahr aus. Fast zwei Drittel rechnen mit höchstens 25 Prozent ihres Vorjahresumsatzes.

„Es geht für viele Unternehmen der Branche um das wirtschaftliche Überleben“, erklärte Handelskammer-Präses Norbert Aust. Fast zwei Drittel der Befragten seien eher oder sehr unzufrieden mit der Corona-Verordnung zu Messen, Kongressen und Veranstaltungen.

Handelskammer Hamburg: Brauchen Corona Finanzhilfen

„Wir müssen von einer Verbotskultur zu einer Ermöglichungskultur kommen“, sagte Aust. Zudem forderte er „weitere, nicht rückzahlpflichtige Finanzhilfen“. Zinsgünstige Kredite reichten nicht aus, da die Betriebe nicht absehen könnten, wann sie ihr Geschäft wieder aufnehmen und die Kredite zurückzahlen könnten.

Harry Potter Musical.

Besonders schwer getroffen hat es das Harry-Potter-Musical. Die Premiere wurde mittlerweile auf April nächsten Jahre verschoben.

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Patrick Sun

Beim Gespräch im Rathaus waren neben dem Bürgermeister Peter Tschentscher auch Kultursenator Carsten Brosda und Finanzsenator Andreas Dressel dabei. Sie signalisierten Verständnis und Hilfsbereitschaft, aber verwiesen auch darauf, dass Hamburg bereits viel für die Wirtschaft tue. So nehme die Stadt drei Milliarden Euro neue Kredite auf, um der Wirtschaft zu helfen.

Abaton, Cinemaxx Clubkombinat: Hoffen auf Hilfe von der Stadt

Rund 20 Branchenvertreter kamen ins Rathaus, unter anderem vom Abaton-Kino, der Cinemaxx Holding, der Bergmanngruppe und der Clubstiftung Hamburg. Ebenfalls vertreten waren Funke Media, die FKP Scorpio Konzertproduktionen, das Nochtspeicher/Clubkombinat Hamburg, das Reeperbahn Festival und die Stage Entertainment GmbH.

Ganz besonders hart die Corona-Pandemie das Harry-Potter-Theater getroffen. Die Premiere platzte wegen Corona und musste mittlerweile auf April 2021 verschoben werden. Produzent Maik Klockow war beim Krisengespräch dabei. „Es waren zum Teil wirklich dramatische Schilderungen“, erzählt er über die Lage der Branche.

Hamburger Senat: Keine konkreten Versprechen zu Corona Hilfen

Konkrete Versprechungen sind zunächst bei den Gesprächen allerdings nicht herausgekommen. „Aber jeder konnte seine Lage schildern und es wurde wirklich 2,5 Stunden lang zugehört. Ich fühlte mich ernstgenommen.“ Thema waren etwa die Möglichkeit von Ausfall-Versicherungen und Gutschein-Lösungen.

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Vor Beginn des Treffen gab es Unstimmigkeiten über die Zusammensetzung der Teilnehmer. So beklagte der Deutsche Eventverband, nicht eingeladen worden zu sein, obwohl er doch Künstler, Eventveranstalter und -techniker, Messebauer, Gastronomen, Caterer und etliche weitere Branchen aus der Veranstaltungsindustrie in Politik und Öffentlichkeit vertrete.

Event Veranstalter waren nicht eingeladen

„Wir fragen uns, aus welchem Grund die Stimmen von tausenden Beschäftigten aus der gesamten Veranstaltungsindustrie hier nicht gehört werden“, erklärte der Vorstandsvorsitzende des Eventverbands, Borhen Azzouz.

Auf Bundesebene habe es in Berlin bereits mehrere Treffen gegeben, in Hamburg sei dies bislang nicht möglich gewesen. „Wir brauchen endlich Gespräche und Arbeitskreise mit der Stadt, damit die staatliche Hilfe auch wirklich bei denen ankommt, die sie benötigen“, betonte Azzouz. So fielen Solo-Selbstständige nach wie vor durchs Raster.

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