Klaus Hasselmann, Klimaforscher und Nobelpreisträger, blickt im Max-Planck-Institut für Meteorologie am Rande einer Pressekonferenz aus einem Fenster.
  • Klaus Hasselmann erhält den Nobelpreis für Physik.
  • Foto: picture alliance/dpa/Daniel Reinhardt

Hamburger Nobelpreisträger – wo er Pionierarbeit leistete

And the Nobelpreis goes to … Hamburg! Der diesjährige Physiknobelpreis wird dem Forscher Klaus Hasselmann (89) verliehen. Der Hamburger gilt als einer der einflussreichsten Klima-Forscher der Welt und bewies als erster, dass der Mensch treibenden Einfluss auf den Klimawandel hat.

Es ist wohl die größte Ehre, die einem Wissenschaftler zuteilwerden kann. Wenn das Telefon klingelt und das Nobelkomitee dran ist, dann ist man ganz oben im Forschungs-Olymp angekommen. Zum Club der Nobelpreisträger darf sich nun auch der Hamburger Klaus Hasselmann zählen. Er entwickelte ein Modell, das verdeutlichte, dass Klimamodelle verlässlich sein können, obwohl sich das Wetter selbst chaotisch verhält, schrieb das Nobelkomitee gestern in seiner Bekanntgabe. Außerdem entwickelte er Methoden, die es ermöglichten, Spuren menschlicher Aktivitäten im Klima nachzuweisen.

Hamburger Nobelpreisträger legte Grundlage für Klimaforschung

Damit legte er die Grundlage für die heutige Klimaforschung, die sich mit dem menschgemachten Klimawandel beschäftigt. Bereits in den 90er Jahren warnte er vor den Auswirkungen – heute diskutiert die ganze Welt über Klimaschutz. Wenn Hunderttausende bei „Fridays For Future“ auf die Straße gehen, Pariser Abkommen unterzeichnet werden und über die Notwendigkeit von Elektroautos gesprochen wird, dann ist Hasselmann ein entscheidender Akteur, der dafür die wissenschaftliche Grundlage geschaffen hat.

Der Klimaforscher, Meteorologe und Ozeanologe studierte von 1950 bis 1955 zunächst Physik und Mathematik an der Uni Hamburg. Von 1975 bis 1999 war er Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, von 1988 bis 1999 leitete er als wissenschaftlicher Direktor das Deutsche Klimarechenzentrum in der Hansestadt.
Nun mit 89 Jahren wird Hasselmann auch der Weltöffentlichkeit bekannt. Dabei ist er selbst ein zurückhaltender Mann. In einem Interview mit der „Welt” vor einigen Monaten darauf angesprochen, dass eigentlich nicht mehr ginge als die menschgemachte Erwärmung zu entdecken, entgegnete er trocken: „Klimaänderungen waren ein einfacheres Problem, das man lösen konnte, das habe ich dann gelöst.” Eigentlich wollte er nämlich ursprünglich das sogenannte Turbulenzproblem lösen und scheiterte.

Hasselmann total überrascht

Die Verleihung des Nobelpreises für Physik lockte aber auch ihn nun aus der Reserve. Er verstehe das noch nicht richtig, aber es sei eine fantastische Überraschung, den Nobelpreis zu bekommen, sagte der 89-Jährige der schwedischen Nachrichtenagentur TT, nachdem er unmittelbar zuvor von seiner Auszeichnung erfahren hatte.
„Ich habe das erst vor fünf Minuten gehört. Ich versuche weiterhin, das zu begreifen“, wurde Hasselmann zitiert. Wie er den Nobelpreis feiern werde, wisse er noch nicht richtig. „Zuerst muss ich Luft holen und sehen, was passiert.“

Alle Blicke auf den Nobelpreisträger: Bei der Pressekonferenz im Max-Planck-Institut gab es viel Andrang

Zahlreiche Wegbegleiter gratulierten Hasselmann. Die MOPO erreichte seinen ehemaligen Doktoranden Prof. Dr. Mojib Latif. „Ich bin überglücklich!”, sagte der renommierte Klima-Forscher zur Auszeichnung seines Doktorvaters. „Ich kenne ihn sehr gut und wir sind bis heute freundschaftlich verbunden. Er ist einer der herausragendsten Wissenschaftler, die ich je kennengelernt habe. Er hat die Klimaforschung revolutioniert.”

Weggefährten gratulieren Nobelpreisträger

Sowohl wissenschaftlich als auch menschlich sei er überragend. Man habe bei ihm nie das Gefühl gehabt, er würde sich über andere stellen, trotz seiner herausragenden Verdienste für die Wissenschaft. „Dass die Weltpolitik sich heute mit dem Klimawandel auseinandersetzt, ist auch sein Verdienst”, so Latif. Hamburgs Unipräsident Dieter Lenzen gratulierte ebenfalls.

Hasselmann ist nicht der einzige diesjährige Physiknobelpreisträger. Neben ihm wurde auch Syukuro Manabe aus den USA und der Italiener Giorgio Parisi ausgezeichnet. Manabe und Hasselmann teilen sich eine Hälfte des Preises, die andere geht an Parisi. Die drei „teilen sich den diesjährigen Nobelpreis für Physik für ihre Studien zu chaotischen und scheinbar zufälligen Phänomenen. Syukuro Manabe und Klaus Hasselmann legten den Grundstein für unser Wissen zum Klima der Erde und wie die Menschheit es beeinflusst“, hieß es zur Begründung vom Komitee. Parisi werde für seinen revolutionären Beitrag zur Theorie von ungeordneten Stoffen und zufälligen Prozessen ausgezeichnet.

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Wer für die Preise in Frage kommt, hält das zuständige Nobelkomitee vorab immer streng geheim – die Bekanntgabe ist also immer eine große Überraschung. Pro Kategorie sind die Auszeichnungen mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 980.000 Euro) dotiert. Die Verleihung erfolgt am 10. Dezember in Stockholm.

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