Handwerksmeister Steffen Wossidlo (42) weiß einfach nicht mehr, wo er seine Firmenwagen parken soll. Überall entsteht Anwohnerparken.
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Hamburger Handwerker verzweifelt: Schwer beladen: Aber wo sollen wir bloß noch parken?

Altona –

Der Senat setzt auf Anwohnerparken. Gerade sind Ende Dezember vier neue Bewohner-Parkgebiete im Raum Altona eingerichtet worden. Für Handwerker wie Steffen Wossidlo (42) sind sie ein großes Problem. Er weiß nicht mehr, wohin mit den Firmenwagen. Über den Tipp, doch aufs Lastenrad umzusteigen, kann er nur lachen. Aber: Einen Anwohnerparkausweis zu bekommen, ist für Handwerker extrem schwer.

Früh am Morgen werden in der Werkstatt der Firma Wossidlo am Fischmarkt die vier Firmenwagen für die Handwerker beladen. Dazu gehören die diversen Geräte, die beim Rausreißen oder Installieren von Bädern, Küchen oder Heizungsanlagen gebraucht werden. Außerdem Wasser- und Abwasserrohre, Ventile, Armaturen und mehr. „Wir fahren dann rund 2,8 Tonnen durch die Gegend“, sagt der Handwerksmeister und Firmenchef Steffen Wossidlo.

Steffen Wossidlo vor seinem Auto

Steffen Wossidlo hat seinen Handwerksbetrieb direkt am Fischmarkt auf St. Pauli.

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Die vollgepackten Kleintransporter ermöglichen es den Mitarbeitern, quer durch die Stadt von einem Termin zum nächsten zu fahren, ohne zwischendurch zur Werkstatt zurückkehren zu müssen um neu aufzuladen. Außerdem haben sie auf dem Rückweg, je nach Auftrag, ausgebaute Waschbecken dabei, volle Bauschutt-Eimer, Bad-Abbruch oder auch einen mal einen alten Heizkessel.

Hamburg Fischmarkt: Gebiet mit Anwohnerparken

Doch im Bereich des Fischmarktes gilt seit Ende Dezember Anwohnerparken. Das bedeutet, dass Firmenwagen dort nur auf den wenigen normalen Stellplätzen mit Parkgebühr und maximaler Parkdauer von drei Stunden stehen können. Oder sie beantragen einen Anwohnerparkausweis. Der kostet pro Auto jährlich 250 Euro, bei vier Handwerker-Fahrzeugen also 1000 Euro im Jahr. Auch andere Geschäftsleute sind davon betroffen.

Anwohnerparken St. Pauli

In immer mehr Stadtteilen Hamburgs werden Anwohnerparkzonen eingerichtet. Ein Problem für Handwerker, Kunden und Berufstätige.

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Trotzdem wollte Gas- und Wasserinstallateur Wossidlo das in Anspruch nehmen. Allerdings sind die bürokratischen Hürden der Behörde so gewaltig, dass er es nun doch lieber lässt. Denn er sollte genau auflisten, was täglich, wöchentlich und monatlich transportiert wird. Was die Transportgüter wiegen und welche Maße sie haben. Beifügen sollte er Fotos von den beladenen Wagen und schriftliche Nachweise, dass er sich um anderen Parkraum bemüht habe.

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Der Betrieb ist seit rund 90 Jahren am Fischmarkt ansässig. Wossidlo hat ihn vor 15 Jahren übernommen. „Ich habe auch schon versucht, mit einem E-Roller zum Kunden zu fahren.“ Zumindest bei kleinen Aufträgen. „Doch dann ist mal der Akku leer. Oder der Kunde hat doch noch einen weiteren Wunsch und ich habe das nötige Ersatzteil im Auto und nicht am Roller“, schildert der Handwerker.

Installateur Fahrrad

Installateur Theodor Röhm fährt in Bremen alle seine Kunden mit dem Lastenrad ab und verzichtet aufs Auto. Davon träumen auch die Grünen in Hamburg.

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dpa

Anwohnerparken: Problem für Handwerker in Hamburg

Und die zusätzliche Zeit, die benötigt wird, wenn Handwerker auf Lastenräder oder andere kleine Fahrzeuge umsteigen, die wollen natürlich auch die Kunden nicht bezahlen. „Sagen sie mal einem Kunden, dass sie das Ersatzteil jetzt mal eben vom Großhandel holen, weil sie es nicht an Bord haben.“

Parkplätze in Hamburg: Es werden immer weniger

Wossidlo: „Es ist in Ordnung, wenn Parkraum Geld kostet. Aber dann brauchen wir Handwerker schnelle praktikable Lösungen, wie wir an Parkplätze kommen.“ Etwa durch eine stadtweite Parkplatz-App, bei der die Stellplätze dann online bestellt und gezahlt werden können. Bis dahin nehmen Wossidlos Mitarbeiter jetzt die Transporter abends mit nach Hause ins Umland und parken sie dort. 

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