Carsten Tiewel (27) ist verantwortlich für die Produktion der beiden Avocado-Liköre.
  • Carsten Tiewel (27) ist verantwortlich für die Produktion der beiden Avocado-Liköre.
  • Foto: Swang GmbH

Hätten Sie das gewusst? Eierlikör ist ein Plagiat

Die Eiswürfel klirren im Glas, als der hellgrüne Cream-Likör hineingegossen wird. „Abacaty“ heißt das neue Getränk aus Hamburg, das von der Konsistenz her an Eierlikör erinnert. Es ist vegan – die Hauptzutat: Avocados. Bei „Abacaty“ handelt es sich aber nicht um noch ein veganes Ersatzprodukt, sondern um die Urform. Denn eigentlich ist der Eierlikör das Plagiat.

„Eigentlich war es Zufall, dass wir auf die Rezeptur gestoßen sind“, sagt Kim Weiswange (58), Chefin des Herstellers Swang GmbH im Gespräch mit der MOPO. „Ein großer Kunde bat uns, über die Entwicklung eines Eierlikörs nachzudenken“, sagt sie. Für Weiswange eigentlich ein No-Go, ihre Produkte sind alle vegan. Die Parfümeurin stellt nicht nur Spirituosen her, sondern auch Kosmetik und Parfüm.

Hamburgerin stellt Ur-Eierlikör aus Avocados her

„Bei unseren Recherchen nach Alternativen sind wir dann auf eine alte Überlieferung gestoßen“, sagt Weiswange. Der Eierlikör ist gar keine Erfindung der westlichen Welt – er stammt aus dem heutigen Brasilien. Die Überlieferung: Die Ureinwohner aus dem Amazonasgebiet mischten zerstampfte Avocados mit Rum und Zucker, das Getränk hieß „Abacate“, was übersetzt Avocado heißt.

Das könnte Sie auch interessieren: „Brause-Kollektiv“ – Brauen mit Hopfen, Herz und Haltung gegen Rassismus

Den europäischen Kolonialisten aus dem 17. Jahrhundert gefiel das Getränk so gut, dass sie es in ihre Heimat mitnehmen wollten. Doch weder überstanden die Avocados die lange Reise, noch gediehen Avocado-Bäume im fremden Klima. Es musste ein Ersatz her. Die Avocados wurden durch Eigelb ersetzt – beides sind fetthaltige Rohstoffe und somit Geschmacksträger.

Hamburg: „Abacaty“ spendet Teil des Umsatzes an Ureinwohner

Dass die Ureinwohner nie an den Umsätzen ihrer eigenen Idee beteiligt wurden, will Weiswange mit ihrem Team jetzt ändern. Zwei Prozent des „Abacaty“-Jahresumsatzes gehen daher an die Hilfsorganisation „Survival International“. „Sie unterstützten die Ureinwohner Brasiliens medizinisch, sorgen für mehr Bildung und rechtlichen Beistand“, sagt Weiswange.

Hamburgerin Kim Weiswange stellt Ur-Eierlikör aus Avocados her.
Hamburgerin Kim Weiswange stellt Ur-Eierlikör aus Avocados her.

Weitere zwei Prozent gehen an Natur- und Tierschutzorganisationen. „Das Faultier ist unser Maskottchen, wir haben schon viele Patenschaften übernommen“, sagt sie. Patenschaften von Tieren, die durch die starken Brände der Wälder verletzt und wieder aufgepäppelt werden.

Hamburg: Cream-Likör aus Avocados räumt Preise ab

Die gesamte Produktion wurde nachhaltig gestaltet. Die Avocados werden von einer Finca in Spanien bezogen, wo mit aufbereitetem Regenwasser bewässert wird – Avocados benötigen viel Wasser zum Reifen. Die Transportwege aller Einzelteile, vom Deckel bis zur Flasche, stammen aus einem Radius von 50 Kilometern.

Und das wichtigste: Es schmeckt! Beide Abacaty-Sorten konnten sich bei der „San Francisco World Spirits Competition“ – der Oscarverleihung der Spirituosen – durchsetzen. Doppelt Gold gab es für den Cream-Likör, der gegen die ganz großen wie Baileys und Amarula antrat. Zu kaufen gibt es beide Liköre in ausgewählten Geschäften. Der Cream-Likör kostet rund 18 Euro, der Dry Spirit rund 20 Euro.

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp