Eine Taube sitzt auf einem mit Kot überhäuften Fahrrad.
  • Eine Taube sitzt auf einem mit Kot überhäuften Fahrrad.
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Gewalt, Suff und Dreck: Das sagt die Bahn zu den Zuständen in Altona

Schlägereien und Ärger mit Betrunkenen, Müll, Dreck und Kot in den Ein- und Ausgängen: Die Zustände am Altonaer Bahnhof am Paul-Nevermann-Platz sind für viele unzumutbar. Die MOPO berichtete bereits mehrfach darüber. Doch wer ist für das Areal eigentlich verantwortlich? Die Deutsche Bahn jedenfalls streitet mögliche Versäumnisse ab – und behauptet, ihre Bereiche stets sauber zu halten.

„Rund um den Bahnhof gibt es viele Eigentümer“, so eine Sprecherin zur MOPO. „Die Bahn ist aber nur zuständig für die Bahnsteige, den Querbahnsteig, den Zugangsbereich zur sogenannten Verteilerebene, die Verteilerebene und den Bereich des Foodcourts sowie des darüber aufsteigenden Gebäudes.“


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Vorwürfe, dass die Bahn die Instandhaltung der oberirdischen Anlagen eingestellt habe, wie beispielsweise die Bürgerinitiative Prellbock Altona behauptet, werden abgewehrt: „Das können wir in keiner Weise nachvollziehen. Das macht auch gar keinen Sinn.“

Gewalt und Kot: Das sagt die Bahn zu den Zuständen in Altona

Der Bahnhof werde, das versichert die Bahnsprecherin auf Nachfrage, „ordentlich gesäubert und zwar täglich“. Hinweise zur fehlenden Sauberkeit nehme die Zentrale auf, und die schicke bei Bedarf auch kurzfristig einen Reiniger – das gehe auch per WhatsApp. „Wir können bei den Meldungen in der Zentrale keine Auffälligkeiten verzeichnen.“ Die Situation am Bahnhof Altona, vor allem in Bezug auf das Thema Hygiene, bewerte die Bahn als „gut“. Auch das Fazit des Runden Tisches – mit Vertretern des Bezirksamtes, der Stadtreinigung, der Polizei, der Politik und eben der Bahn, der Maßnahmen zur Verbesserung der Situation entwickeln soll – habe „keine speziellen Kritikpunkte bezüglich der Sauberkeit und Hygiene des Bahnhofs beinhaltet“. Das dürfte für viele Pendler und Anwohner schwer zu verstehen sein.

Mit Kot überhäufte Fahrräder – am Bahnhof Altona Alltag.
Mit Taubenkot bekleckerte Schrottfahrräder – ein gewohntes Bild am Bahnhof Altona

Die Zugänge zum Parkhaus und das Gebäude selber sind extrem verdreckt, oft auch durch Fäkalien. „MediaMarkt“, auch im Bahnhof ansässig, hat erst vor Kurzem den Vertrag für das Parkhaus gekündigt – aufgrund der „Zustände“. Selbst der Betreiber „Apcoa“ spricht von katastrophalen Zuständen am Bahnhof Altona. „Obdachlosigkeit, Drogenkonsum sowie Vandalismus und leider auch der Gestank von Fäkalien gehören dazu“, so ein Sprecher zur MOPO. „Unser Arbeitsalltag, der eigentlich der Betrieb eines Parkhauses ist, wird hierdurch massiv erschwert. Ohne eine grundlegende Lösung der Problematik ist das Parkhaus nur eine Art ,Auffangbecken‘, mit dem wir als Betreiber allein gelassen werden.“

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Das Parkhaus werde täglich mehrmals gereinigt, „aber eine 24-Stunden-Bewachung wäre nötig“. Die Konsequenz: Seit einigen Tagen hat der Betreiber einen Sicherheitsdienst für die Abend- und Nachtstunden organisiert. Das Parkhaus müsse mit Türen und Zäunen versperrt werden: „Dies erschwert den Personen den Zutritt, die im Parkhaus nichts zu suchen haben,“ so der „Apcoa“-Sprecher. Kostenpunkt: ein laut „Apcoca“ hoher sechsstelliger Betrag.

Mit Müll gefüllte „Big-Bags“. Sie stehen schon seit Monaten am Bahnhof.
Mit Müll gefüllte „Big Bags“ stehen schon seit Monaten am Bahnhof.

Durch den Neubau des Fernbahnhofs am Diebsteich haben viele das Gefühl, dass Stadt und Deutsche Bahn Geld – satte 584 Millionen Euro – nur noch in ihr Prestigeprojekt stecken, statt die Zustände am alten Bahnhof zu verbessern. Auf dessen Gelände soll langfristig ein neues Wohnquartier entstehen, der Bahnhof soll lediglich ein S-Bahn-Haltepunkt sein. „Es werden nicht einmal Kleinstreparaturen erledigt oder lose Gehwegplatten wieder eingesetzt“, so ein Sprecher der Bürgerinitiative Prellbock Altona. Volle „Big Bags“ mit Müll würden nicht beseitigt, genauso wenig wie die rund um den Bahnhof abgestellten zugekoteten Schrottfahrräder. „Die Verantwortung tragen Stadt und Bahn, die sich dieser aber entziehen.“

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