Der Bahnhof Altona (Symbolfoto).
  • Am Bahnhof Altona gibt es immer wieder Ärger, bisher hat die Politik noch keine Lösung gefunden (Symbolfoto).
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Gewalt, Suff und Kot: Hamburger Bahnhof verkommt – Kaufhaus zieht Konsequenzen

Kothaufen in Ein- und Ausgängen, schlafende Betrunkene, Schlägereien und immer wieder Blaulicht: Der Bahnhof Altona verkommt immer mehr. Und das nicht erst seit gestern. Doch trotz politischer Bemühungen scheinen sich die Zustände dort nicht zu verbessern. „Media Markt“ hat wegen der mangelnden Hygiene jetzt das Parkhaus gewechselt.

„Bitte entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten“, steht auf den Flyern, die an jeder Kasse des Elektromarkts ausliegen. Kunden werden gebeten, künftig nur noch das Parkhaus im Mercado-Center zu nutzen. „Aufgrund der Zustände haben wir die Zusammenarbeit mit dem Parkhausbetreiber im Bahnhof-Altona beendet.“

Bahnhof Altona: Kot, Schlägereien und Alkohol

Laut Sozialbehörde mache am Bahnhof Altona eine „kleine, aber stabile“ Gruppe Wohnungsloser Platte. Außerdem halte sich dort auch eine „eher lockere“ Szene von Punks regelmäßig vor oder im Bahnhof auf. „Da es sich um einen Bahnhof handelt, gesellen sich ortsüblich teilweise auch Menschen aus der Trinkerszene oder Jugendliche hinzu, die jedoch überwiegend nicht der Zielgruppe der Obdachlosen zuzurechnen sind“, heißt es in einer Stellungnahme an den Bezirk, die der MOPO vorliegt.

Diese Flyer liegen momentan bei „Media Markt“ im Bahnhof Altona aus.
Diese Flyer liegen momentan bei „Media Markt“ im Bahnhof Altona aus.

Diese Gruppen seien „schwer erreichbar“, und werden offenkundig auch von freiwilligen Helfern mit „niedrigschwelligen Hilfen“ versorgt. „Die Motivation zur Inanspruchnahme einrichtungsgebundener Angebote und damit ggf. auch zur Annahme von Sozialberatung ist kaum vorhanden und der Standort bleibt bisher attraktiv zum Verweilen“, so das Fazit der Sozialbehörde.

Der Umweltbehörde sind dagegen nach eigenen Aussagen die Hände gebunden: Sie sei zwar bemüht, neue Toilettenstandorte zu ermöglichen. In einer Stellungnahme der Behörde klingt das dann so: „Aufgrund des sinkenden Steuertrends und der damit einhergehenden Eckwerteabsenkung ab 2022 wird es nach derzeitigem Stand nicht möglich sein, zusätzliche Mittel für weitere Toiletten im Bezirk Altona in den nächsten Jahren zu generieren.“

Bezirksamt Altona: „Es ist richtig, dass hier grundsätzlich etwas getan werden muss“

Sehr zum Leidwesen des Bezirksamts: „Es ist richtig, dass hier grundsätzlich etwas getan werden muss“, so ein Sprecher zur MOPO. „Das haben wir erkannt und aus diesem Grund auch einen Runden Tisch initiiert, der bereits mehrfach getagt hat“. Mit am Tisch säßen neben Vertretern des Bezirksamtes unter anderem die Stadtreinigung Hamburg, die Polizei, die Bezirkspolitik sowie die Deutsche Bahn. “Gemeinsam versuchen wir aktuell Maßnahmen zur Verbesserung der Situation vor Ort zu entwickeln“, so der Sprecher.

Dabei spiele vor allem Sauberkeit im öffentlichen Raum eine besondere Rolle. Es gehe aber auch darum, die Situation „in einem Gesamtkontext zu betrachten und die sozialräumlichen Strukturen vor Ort zu verbessern“. Das Bezirksamt sei aus diesem Grund auch für Anfragen und Hinweise von Bürgern dankbar. „Sie fließen in unseren Austausch mit ein“, erklärt der Sprecher. „Wir alle möchten, dass sich die Menschen rund um den Altonaer Bahnhof wohlfühlen. Wir sind zuversichtlich, dass wir annehmbare Lösungen finden werden.“ Festzuhalten sei aber auch, dass soziale, gesundheitliche und Armutsthemen gesamtstädtische gesellschaftliche Themen seien, „die über die Bezirksebene hinausgehend gelöst werden müssen“.

Bundespolizei: Bahnhof Altona einer der Einsatzschwerpunkte

Auch für die Bundespolizei gilt der Altonaer Bahnhof als einer ihrer Einsatzschwerpunkte. „Wegen der oftmals alkoholisierten Klientel, kommt es häufig zu Reibereien mit Sicherheitskräften der Bahn und der im Bahnhof befindlichen Geschäfte“, so Polizeioberkommissar Rüdiger Carstens. Fast wöchentlich haben die Beamten mit Betrunkenen und „Aggressoren“ zu tun. „Die zunehmenden Corona-Lockerungen zeigen aber auch, dass die Delikte Trickbetrug und Taschendiebstahl wieder zunehmen.“

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