Suraya Pakzad mit Schauspielerin Martin Gedeck
  • Suraya Pakzad, Gründerin der afghanischen Frauenrechtsorganisation „Voice of Women“, und die Schauspielerin Martina Gedeck 2012 bei der Verleihung des „Female Leader of the Year Awards“.
  • Foto: picture alliance / Jörg Carstensen/dpa

Taliban-Killer bereits im Nachbarhaus: Hamburger Anwalt will Afghanin retten

Sie wurde 2012 in Berlin als „Female Leader of the year“ ausgezeichnet, posierte mit Schauspielerin Martina Gedeck, war zu Gast im Weißen Haus – jetzt schwebt die afghanische Frauenrechtlerin Suraya Pakzad (46) in höchster Lebensgefahr. Aus einem Versteck heraus erreichen ihren Hamburger Anwalt Abbas Taheri dramatische Sprachnachrichten: Die Taliban durchsuchen bereits die Nachbargebäude. Seit Wochen versucht er seine prominente Mandantin in Sicherheit zu bringen, erhält vom Auswärtigen Amt aber nur bürokratische Antworten.

Suraya Pakzad, Gründerin der Organisation „Voice of women“, steht auf der Todesliste der Taliban. Der Grund: Seit 1998 setzt sie sich für die Rechte afghanischer Frauen ein – auf der internationalen Bühne, aber auch im eigenen Land: „Suraya Pakzad hat viele Frauen, die vor den Taliban geflüchtet waren, über die Jahre in den von ihr aufgebauten Frauenhäusern Schutz gewährt und Mädchen und Frauen in teilweise geheimen Schulen unterrichtet“, sagt ihr Anwalt Taheri. „Außerdem hat sie viele Taliban wegen der von ihnen begangenen Verbrechen, auch an Frauen, einer Verurteilung zugeführt.“ Es gibt eine Einheit der Taliban, deren Aufgabe nur darin besteht, Suraya Pakzad aufzuspüren. „Die Truppe hat einzig das Ziel, sie zu finden und medienwirksam zu töten“, so ihr Anwalt.

Suraya Pakzad mit Preis
Suraya Pakzad mit ihrem Preis, dem „Female Leader of the Year Award“ 2012 in Berlin.

Seit dem 22. Juli versucht Abbas Taheri, deutsche Behörden wachzurütteln, schickt Dokumente: Die Hohe Kommissarin der UN in Afghanistan bescheinigt Suraya Pakzad, dass sie in Lebensgefahr schwebt, das damals noch amtierende afghanische Innenministerium bestätigt, dass man ihre Sicherheit nicht gewährleisten kann.

Hamburger Anwalt: „Sie soll medienwirksam getötet werden“

Am 5. August, nach mehreren Nachfragen, eine kühle Mitteilung des Auswärtigen Amtes: Die Möglichkeiten einer politischen Aufnahme seien „grundsätzlich begrenzt“, man müsse das Anliegen der Mandantin „detailliert prüfen“. Bitte um Verständnis. An jenem Tag gibt die EU eine Pressemitteilung heraus: In den von den Taliban kontrollierten gebieten seien Frauen ausgepeitscht worden.

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Anfang der Woche, am 16. August, ein Hoffnungsschimmer: Taheri gelingt es, Suraya Pakzad auf die Liste der zu evakuierenden Personen setzen zu lassen. Sie möchte nach Hamburg, wo einer ihrer Söhne bereits bei Verwandten lebt. Zur Verwunderung des Anwaltes nimmt das Auswärtige Amt keinerlei Kontaktdaten auf, er schickt ungefragt ihre Nummer und Emailadresse weiter. Drei Tage später hat sich die Situation dramatisch zugespitzt, Suraya Pakzad schickt alarmierende Sprachnachrichten aus dem Versteck: „Es hat sie niemand kontaktiert“, sagt Taheri zur MOPO. „Sie ist verzweifelt, weiß nicht mehr weiter. Und die Taliban durchsuchen bereits die Nachbarhäuser.“

Der Anwalt ist fassungslos: „Das Auswärtige Amt ist nicht einmal in der Lage, sie anzurufen. Wir erleben ein riesiges Unvermögen der politischen Entscheider.“ Jetzt, so hofft er, kann nur noch die öffentliche Aufmerksamkeit seine Mandantin retten.

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