Testzentrum an der Shanghaiallee in der HafenCity
  • Testzentrum an der Shanghaiallee in der HafenCity
  • Foto: Quandt

„Festgestellte Mängel“: Behörde geht gegen Skandal-Testzentrum in Hamburg vor

HafenCity –

Die Sozialbehörde hat am Freitagnachmittag das Testzentrum „Corona Checkpoint“ in der HafenCity vorübergehend geschlossen. Grund seien „festgestellte Mängel“. Unter anderem wurden nach MOPO-Informationen positive Tests nicht an das Gesundheitsamt gemeldet. Zu Ostern hatten zahlreiche Kunden des Unternehmens über verspätete Testergebnisse geklagt, teilweise platzten deshalb Urlaubspläne.

„Corona Checkpoint in der Shanghaiallee wurde wegen festgestellter Mängel seitens der Behörden vorübergehend geschlossen“, bestätigt Behördensprecher Martin Helfrich der MOPO. Die Verfügung erging am Freitag. Das Unternehmen erklärt per Mail, dass das Testzentrum inzwischen wieder geöffnet sei. Es habe sich nur um „eine kleine Änderung“ gehandelt.

Was eine Leserin schildert, klingt etwas anders. 

Behörde schließt Testzentrum „Corona Checkpoint“ in Hamburg

Eine Kundin schildert gegenüber der MOPO fassungslos ihre Erfahrungen mit dem Testzentrum an der Shanghaiallee. Nachdem sowohl sie als auch ihr Mann durch andere Einrichtungen positiv auf Corona getestet worden waren, sollte ihr vierjähriger Sohn per Speicheltest überprüft werden: „Für diesen Test erhielt mein Mann die Erlaubnis des Gesundheitsamtes, unsere Wohnung zu verlassen“, so die Mutter. Der Junge wurde am 16. April im „Corona-Checkpoint“ getestet, seine Eltern zahlten 70 Euro.

Am 17. April kam per Telefon das Ergebnis: positiv. Eigentlich hätte nun die Kita-Gruppe des Kleinen in Quarantäne geschickt werden müssen – aber dafür muss der Amtsarzt eine Anordnung schicken. „Das Test-Ergebnis unseres Sohnes wurde aber nicht an das Gesundheitsamt weitergeleitet“, so die Mutter.

Positiver Corona-Test: Mutter muss Befund hinterhertelefonieren

Auch als sie dem schriftlichen Befund immer wieder hinterher telefonierte, habe sie die Corona-Checkpoint-Mitarbeiter als „sehr genervt und unkooperativ“ erlebt: „Die schoben alles auf das Labor.“

Es ist der Hartnäckigkeit der Mutter zu verdanken, dass der Coronafall überhaupt offiziell registriert wurde: „Nachdem ich das Gesundheitsamt am Telefon drei Mal auf das positive Ergebnis unseres Sohnes hingewiesen hatte, sprach ich schließlich mit einer freundlichen Ärztin, die den Befund im System registrierte. Die Kita-Gruppe unseres Sohnes wurde anschließend in Quarantäne gesetzt – mit acht Tagen Verzögerung.“

Testzentrum „Corona Checkpoint“ leitet Ergebnisse nicht weiter

Das Unternehmen habe das positive Testergebnis des Kindes bis heute nicht an das Gesundheitsamt weitergeleitet. Wegen desselben Vorwurfs wurden vor wenigen Wochen auch die sechs Corona-Schnelltestzentren des früheren Fußball-Profis Benedikt Pliquett behördlich geschlossen. 

Zahlreiche Beschwerden über „Corona Checkpoint“ in Hamburg

Bereits zu Ostern hatten sich zahlreiche Kunden über „Corona Checkpoint“ beschwert: Weil die Testergebnisse nicht wie angekündigt binnen 24 Stunden vorlagen, sondern teilweise erst nach mehreren Tagen, verpassten viele Hamburger ihre Flüge in den Osterurlaub. Wer nachfragen wollte, stellte fest: Die angegebenen Telefonnummern waren nicht zu erreichen. Das Unternehmen schob die Verantwortung für die tagelangen Verzögerungen auf das Labor.

Nach eigenen Angaben führt  „Corona Checkpoint“ täglich 300 Tests durch. Geschäftsführer ist Maximilian Witkowski, der unter dem Firmensitz am Neuen Wall auch eine Firma für häusliche Altenpflege betreibt. In Hamburg gibt es mehr als 200 private Testzentren, die die Gesundheitsbehörde regelmäßig stichprobenartig kontrolliert.

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