Hamburger Theaterschauspieler Rolf E. Schenker in seinem Garten
  • Rolf E. Schenker beim MOPO-Besuch auf seiner Terrasse.
  • Foto: Olaf Wunder

„Er hat wacker gekämpft!“ Hamburger Schauspieler Schenker gestorben

Bis zuletzt war er noch umtriebig, nahm Podcasts auf, saß gerne im Garten seines Hauses im Hamburger Süden: Rolf E. Schenker. Nun ist der bekannte Schauspieler im Alter von 95 Jahren gestorben, wie seine Tochter der MOPO bestätigte. Viele Hamburger werden den Mann, der Adolf Hitler einst die Hand im Atlantic schütteln musste, vor allem wegen seiner markanten Stimme kennen.

Schenker gehörte zu den größten Hamburger Schauspielern – auch wenn man ihn selten in Filmen oder Serien gesehen hat. Dort spielte er eher kleinere Rollen. Seine Welt war die Bühne. St. Pauli-Theater, Schauspielhaus, Ohnsorg – Schenker wurde für seine Interpretation von Charakterrollen geschätzt. 23 Jahre wirkte er zudem als Darsteller bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg mit.

Mönkedieck Schenker (l.) mit Schauspielkollege Wolf Pahlke bei einer Aufführung im Theater in der Basilika, das mittlerweile geschlossen wurde
Schenker (l.) und Pahlke auf der Bühne
Schenker (l.) mit Schauspielkollege Wolf Pahlke bei einer Aufführung im Theater in der Basilika, das mittlerweile geschlossen wurde

Schenker sprach Rollen bei „Die drei ???“

Hörspiel-Liebhaber werden sich jedoch vor allem an seine Stimme erinnern. Bis vor wenigen Jahren sprach er regelmäßig in Produktionen von Europa mit (TKKG, Fünf Freunde, Die drei ???). Außerdem war Schenker als Synchronsprecher in zahlreichen Asterix-Trickfilmen zu hören, lieh Julius Ceasar seine unverwechselbare Stimme.

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Die MOPO traf Schenker vor ein paar Jahren für eine Recherche über Hamburgs Zeit unterm Hakenkreuz. Er war einer der Zeitzeugen und erinnerte sich im Gespräch mit MOPO-Chefreporter Olaf Wunder an eine Geburtstagsfeier vor einigen Jahren im Hotel Atlantic. Er war als Gast einer Kollegin eingeladen. Schenker: „Ich stand da im Foyer, und schaute zum Lift, und mit einem Mal vergaß ich all die Leute um mich herum, und vor meinem geistigen Auge spielten sich Szenen ab, die lange tief in meinem Gedächtnis vergraben waren.“

Im Atlantic traf Schenker auf Adolf Hitler

Schenker, der 1927 in Hamburg geboren wurde, erinnert sich zurück an seine Kindheit. Er war ein kleiner Junge, sechs oder sieben Jahre alt. Seine Tante arbeitete damals in dem Nobelhotel an der Alster. Sie schärfte ihm ein, was er zu tun hatte, wenn gleich ein „wichtiger Mann“ aus eben jenem Aufzug komme. „Dann ist plötzlich der Aufzug da. Ich reiche einen Blumenstrauß und sage mein Sprüchlein auf: ‚Meinem lieben Führer, Sieg und Heil!’“

Adolf Hitler lächelte, streichelte Schenker über den Kopf und trat vor das Atlantic, wo Menschenmassen auf ihn warteten und jubelten.

Tochter Nadine: „Für uns wird er immer unsterblich bleiben“

Am 21. Oktober ist Schenker im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen. Seine beiden Töchter und eine Enkelin waren bei ihm. Seine Stieftochter Nadine Schenker (44) zur MOPO: „In den letzten Stunden hat unser geliebter Opa und Vater wacker gekämpft. Nun ist er mit seinen Freunden wieder vereint und spielt die bekannten Stücke auf der Bühne. Wir werden ihn als einen liebevollen, hilfsbereiten und auch meinungsstarken Menschen in Erinnerung behalten. Für uns wird er immer unsterblich bleiben. Er fehlt uns schon jetzt.“

An Halloween will die ganze Nachbarschaft zusammenkommen und an Schenker gedenken. Denn der Tag war dem Bühnenschauspieler wichtig. Da kamen die Kinder zusammen und er hat ihnen immer ein gruseliges Schauspiel vorgeführt.

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