• Christiane F. in der Kiez-WG, wo sie mit vier Künstlern zusammenlebte. Zu ihren Füßen liegen ein Walkman und Musikkassetten. Das Foto ist 1983 entstanden. 
  • Foto: imago/Ilse Ruppert

Drogen-Drama „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“: Christiane F.: Ihre wilden Jahre in Hamburg

St. Pauli –

Ihre Geschichte kennt in Deutschland jeder. Christiane F. (58) war die berühmteste Fixerin des Landes, ihr Schicksal wurde als Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ zum Bestseller, der Film ein Kassenschlager. Am Freitag ist auf Amazon Prime die gleichnamige Serie angelaufen. Was viele nicht wissen: Auch in Hamburg hat Christiane Felscherinow, wie sie richtig heißt, eine wilde Zeit verbracht. 

In der Hansestadt ist sie 1962 auch zur Welt gekommen, ihre ersten Lebensjahre verbringt sie im ländlichen Nützen (Kreis Segeberg) nördlich von Hamburg. Als sie sechs Jahre alt ist, zieht sie mit Eltern und Schwester nach Berlin. Plan des Vaters: dort eine Heiratsvermittlung aufmachen. Doch aus dem Traum wird nichts, die Familie muss aus der großen Wohnung in Kreuzberg ausziehen – und landet in zweieinhalb Zimmern im elften Stock in der Gropiusstadt, einer Hochhaussiedlung in Neukölln.

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Das berühmte Buch erschien 1978. 

Foto:

hfr

Christiane F. stürzt ab, mit 14 Jahren ist sie heroinabhängig, sie geht auf den Strich. 1978 erscheint das Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Die Leute sind geschockt und fasziniert zugleich, das drogensüchtige Mädchen mit den faszinierend grünen Augen wird eine Berühmtheit. 

Serie auf Amazon Prime: „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“

Ihre Mutter schickt sie zum Entgiften zur Oma nach Kaltenkirchen (Kreis Segeberg). Dort geht es ihr langsam besser. Sie macht ihren Hauptschulabschluss nach und beginnt eine Lehre als Buchhändlerin.

Doch im ländlichen Idyll fühlt sie sich eingeengt. Sie lernt einen Jugendlichen kennen, mit dem sie oft nach Hamburg fährt. In der Markthalle entdeckt sie Punk-Musik. 

Christiane F. in Hamburg

Christiane F. auf einer Matratze in der Kiez-WG. 

Foto:

Imago/Ilse Ruppert

1980, als sie 18 Jahre alt ist, zieht sie ganz nach Hamburg – in eine Künstler-WG in der Hein-Hoyer-Straße auf dem Kiez, die ehemaligen Redaktionsräume der „St. Pauli Nachrichten“.  Mit ihr wohnten dort Film- und Musik-Produzent Klaus Maeck, die Punkmusiker FM Einheit („Einstürzende Neubauten“) und Jochen Hildisch („Jäki Eldorado“) sowie Frank Ziegert, Sänger der Punkband „Abwärts“. Geldprobleme hat sie in der Zeit nicht: 400.000 Mark sind durch den Verkauf des Buchs zusammengekommen. 

Christiane F.: Sie lebte in Hamburg auf dem Kiez

Christiane Felscherinow in Hamburg

Die junge Frau liegt auf ihrer Matratze, vor ihr jede Menge leere Cola-Flaschen. 

Foto:

Imago/Ilse Ruppert

„Kein normaler Vermieter hatte uns einen Mietvertrag geben wollen, weil wir alle irgendwie berüchtigt waren“, so erinnerte sie sich 2015 in einem Interview an die WG-Zeit.

Dort ging es hoch her. In einem Gemeinschaftsraum der WG hausten ständig irgendwelche Künstler, die zwar angesagt waren, aber noch keine Kohle hatte. Auch Campino, der heutige Frontmann der Toten Hosen, wohnte zeitweise dort. Damals sang er noch für die Punk-Truppe ZK. 

Christiane Felscherinow: Mit Campino in einer WG

In Hamburg hilft sie in einem Plattenladen aus, musiziert mit ihren WG-Kollegen und dreht mit ihnen Filme. Und vor allem taucht sie tief in das Hamburger Nachtleben ein. Als berühmteste Fixerin des Landes ist sie so etwas wie ein Promi, sie lernt viele Musiker und Bands kennen – und entdeckt Kokain für sich.

Serie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“

Eine Szene aus der neuen Serie: Christiane (Jana McKinnon, v.l.) mit ihren Freundinnen Babsi (Lea Drinda) und Stella (Lena Urzendowsky). 

Foto:

Mike Kraus/Constantin Television

Im Dezember 1980 verliebt sie sich in Alexander Hacke, den Bassisten der „Einstürzenden Neubauten“, den sie nach einem Konzert der Band in der Markthalle kennenlernt. Sie ist zwei Jahre mit ihm zusammen, ihre Drogensucht ist der Grund, warum er sich schließlich von ihr trennt.

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Durch den Film, der 1981 erscheint, wird sie noch berühmter. Sie tourt durch die USA, lebt später in Griechenland, Berlin und Amsterdam. Rückfälle und Entzüge wechseln sich ab. Der Sohn, den sie 1996 bekommt, wächst in einer Pflegefamilie auf. 

Christiane Felscherinow heute

Christiane Felscherinow 2013 bei der Präsentation ihres Buches „Mein zweites Leben“ auf der Frankfurter Buchmesse. 

Foto:

imago/STAR-MEDIA

Buch „Mein zweites Leben“: So geht es Christiane F. heute

Ende 2013 erscheint ihr Buch „Mein zweites Leben“, in dem sie erzählt, wie es nach dem ersten Buch weiterging. 2014 hat sie sich endgültig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, die emotionale und körperliche Belastung war zu viel für sie. „Ich bin eine kranke Frau“, sagte sie damals.

Heute lebt sie in Berlin. Ihre jahrelange Drogensucht hat schwere gesundheitliche Folgen, sie leidet unter anderem an der Leberkrankheit Hepatitis C und hat Schmerzen. Zumindest finanziell muss sie sich keine Sorgen machen – noch immer verdient sie am Erfolg ihrer Geschichte. 

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