• Blick in die Spitalerstraße (Symbolbild)
  • Foto: Patrick Sun

Drastisch sinkende Ladenmieten: So verändert sich die Hamburger City

Während die Mieten für Wohnraum immer weiter steigen, gibt es an anderer Stelle einen gegensätzlichen Trend: Die Ladenmieten im Einzelhandel sind in den größten deutschen Metropolen im ersten Halbjahr 2021 drastisch gesunken. Auch die Hamburger Innenstadt ist betroffen. Das führt zu Veränderungen – und könnte der Mö, Spitaler und Co. ganz neue Chancen eröffnen.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Immobilienverbandes IDV verdeutlicht, wie sehr sich die Innenstädte in Deutschland gerade verändern. Demnach fielen die Einzelhandelsmieten im ersten Halbjahr 2021 im Bundesschnitt um gut zehn Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum. In den sieben größten deutschen Städten, zu denen auch Hamburg gehört, waren es sogar 13 Prozent.

Wegen Corona: sinkende Ladenmieten in Hamburg

Die Zahlen des IDV belegen: Die Preise für Einzelhandelsimmobilien in Hamburg waren schon vor und zu Beginn der Corona-Pandemie auf dem absteigenden Ast. Bezahlte man in den Jahren 2018 und 2019 noch 145 Euro nettokalt pro Quadratmeter für einen 60 Quadratmeter großen Laden in 1a-Lage in der Innenstadt, waren es 2020 nur noch 140 Euro. Im zweiten Pandemiejahr sank die Nettokaltmiete auf einen Tiefstwert von 120 Euro pro Quadratmeter.

„Corona war nur der Brandbeschleuniger für eine Entwicklung, die schon vorher begonnen hat“, sagt Olaf Petersen, Geschäftsführer des Handelsimmobilienmaklers Comfort GmbH in Hamburg. „Durch den Trend zum Online-Shopping hat die starke Nachfrage und Dominanz der Textilbranche in den Innenstädten abgenommen“.


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Die dadurch sinkenden Preise sind laut dem Experten eine große Chance für die Innenstadt. „Dort können sich jetzt Labels ansiedeln, die es sich zuvor nicht leisten konnten“, sagt Olaf Petersen. „Das führt zu mehr Vielfalt für die Konsumenten.“

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40 Neuanmietungen habe es 2021 im Bereich der Hamburger Innenstadt gegeben. In den ehemaligen Räumlichkeiten des Modegeschäfts „S.Oliver“ befinde sich jetzt der Supermarkt Edeka. Dort, wo einmal das Modegeschäft „Koton“ in der Spitalerstraße zu finden war, könne man jetzt Deko bei „Søstrene Grene“ oder Kosmetik bei „Sephora“ kaufen. Und die Sportwarenkette „Stadium“ machte dem populären Süßwarengeschäft „Candy World“ in der Mönckebergstraße Platz.

Sinkende Mieten in der Innenstadt: Händler freuen sich

Die Betriebe freuen sich über den Trend. „Für viele Händler ist es jetzt eine Option, bestehende Mietverträge aufzukündigen und nachzuverhandeln“, sagt eine Sprecherin von „Butlers“, einer Kette für Dekoration und Wohnaccessiors, zur MOPO. Günstigere Mieten ermöglichten es dem Unternehmen, „Filialen in Lagen zu eröffnen, die wir früher vermutlich nicht in Betracht gezogen hätten.“

Die Sprecherin bestätigt: „Schon vor der Pandemie sanken die Mietpreise, was dem Umstand geschuldet ist, dass einige Innenstädte längst nicht mehr so stark frequentiert sind wie noch vor 10 Jahren. Für viele Händler lohnte es sich angesichts der hohen Mieten nicht mehr, Filialen zu eröffnen oder zu halten.“

Sie betont, dass das Unternehmen weiterhin an den stationären Handel und die Innenstädte glaube. Das tut auch Comfort-Geschäftsführer Olaf Petersen: „Die Innenstädte sind nach wie vor interessant. Die Verkaufskonzepte ändern sich nur: Stationäre Geschäfte dienen eher als Ausstellungsfläche, während der Kaufprozess online stattfindet. Oder die Geschäfte werden als Abholstellten für „Click&Collect“-Käufe genutzt. Auch als Lagerstellen sind die Räumlichkeiten in der Innenstadt weiterhin von Bedeutung.“

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Angesichts dessen werden die Mieten laut dem Experten nicht ins Bodenlose fallen. Den Trend betrachtet er deshalb als durchweg positiv – lediglich die Eigentümer würden sich darüber ärgern. „Für Labels und Konsumenten dagegen ist es eine große Chance“, so Olaf Petersen.

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