Dreharbeiten in der ehemaligen MOPO-Redaktion
  • Dreharbeiten im Konferenzraum der MOPO-Redaktion, damals noch in der Griegstraße in Bahrenfeld.
  • Foto: Against-Reality-Pictures

Film „Gasmann“ hat Premiere: Die MOPO kommt ins Kino

Eins ist schon jetzt klar: Ein Kassenmagnet wird „Gasmann“ nicht. Dazu ist dieser Kinofilm nicht Mainstream genug, viel zu schräg, zu schrill und bisweilen sogar verstörend. Echte Filmfans aber werden auf ihre Kosten kommen: Dem 35-jährigen Hamburger Regisseur Arne Körner ist wieder mal ein echtes Meisterwerk gelungen. Ein ironischer Coming-of-Age-Film, der vor schwarzem Humor nur so strotzt.

Ein bisschen zum Erfolg beitragen durfte auch die MOPO. Denn einer der Orte, an denen die Dreharbeiten im Herbst/Winter 2017/2018 stattfanden, war die Redaktion – wohlgemerkt die alte. Inzwischen sind wir umgezogen.
Und so wird für unsere Redakteure der Kinobesuch zum Wiedersehen mit ihrem ehemaligen Arbeitsplatz im Pressehaus an der Griegstraße in Bahrenfeld. Eine Szene spielt im Konferenzraum unterm Dach. Genau das findet im Film dort statt, was sich auch in Wirklichkeit darin ereignete, viele Jahre lang, jeden Tag: In der Morgenkonferenz besprechen der Chefredakteur und die Ressortleiter die Themen des Tages. Im Film ruft der cholerische Chef am Ende der Sitzung einen seiner Reporter zurück und faltet ihn zusammen: Dass er endlich mal wieder Leistung bringen soll, ansonsten, so droht er, habe bald die junge Volontärin dessen Job…

Vor ehemaligem Redaktionsgebäude
Vor dem damaligen MOPO-Redaktionsgebäude: Arne Körner (l.) gibt Regieanweisungen.

„Gasmann“ kommt am 22. Juli bundesweit in die Kinos, nachdem er bereits auf etlichen Internationalen Filmfestivals vorgestellt wurde. Die Hamburg-Premiere findet am 21. Juli um 19.30 Uhr im Metropolis-Kino statt, und zwar ganz analog von der 35-Millimeter-Kopie. Natürlich werden dann auch Arne Körner und einige der Darsteller dabei sein – insbesondere Hauptdarsteller Rafael Stachowiak.

Abstraktion und Theaterkunst

Der Hamburger (Mitglied im Thalia-Ensemble) spielt im Film den erfolglosen Bühnenschauspieler Bernd, der am St. Pauli-Theater arbeitet, es bisher aber nicht über Nebenrollen hinausgebracht hat. Jetzt scheint sein Moment gekommen zu sein. Der Theaterdirektor bietet ihm eine Hauptrolle an: Bernd soll in dem Stück „Der Gasmann“ einen von zwei SS-Offizieren spielen, die mit ihrem mobilen KZ im Land unterwegs sind, um „Unerwünschte“ einzusammeln und sofort zu liquidieren.

Bernd hasst das Stück, hat überhaupt keine Lust, macht widerwillig und lustlos mit. Es kommt während der Proben zum Eklat. Der Regisseur Frank ist ein Despot und Bernds Partner Mathis – der zweite SS-Offizier – ein unterwürfiger Karrierist, der Bernd auf dem Kieker hat. Kein Wunder, dass die Premiere zur Katastrophe wird.

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Im Privatleben läuft es für Bernd auch nicht besser als am Theater: Seine Ex-Frau hasst ihn und interessiert sich nur für sein Geld. Seinen kleinen Sohn sieht er nur selten – und kann mit ihm auch nicht viel anfangen. Der einzige Lichtblick in Bernds Existenz ist seine neue, ziemlich geheimnisvolle Freundin. Es gibt einige sehr romantische Szenen im Film: etwa als die beiden gemeinsam die Ruhe im Hafen genießen oder sich nackt im Bett gegenüberliegen.

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Dann ist da noch Bernds Männerclique. Eine Gruppe von gescheiterten Intellektuellen, so absurd, komisch und grotesk wie der ganze Film. Die Runde trifft sich regelmäßig im „Silbersack“ auf dem Kiez, um schräg-intellektuelle Debatten zu führen. Und dabei gibt der alte verbitterte Uli den Ton an, der als Kind zur Hitler-Jugend gehörte, wie er gerne betont. Schließlich bricht diese Truppe auf, um ein Wochenende in einer Waldhütte zu verbringen. Unterwegs im Auto finden die besten Szenen des Films statt – ohne dass ein Wort gesprochen wird. Am Ziel angekommen, kommt der Alkohol auf den Tisch. Als Uli bei einem dieser Besäufnisse meint, eine Platte mit einer Goebbels-Rede auflegen zu müssen, kommt es zum Showdown…

Männerclique des Hauptcharakters
Zentrale Figuren des Films: Diese exzentrische Männerclique trifft sich regelmäßig im „Silbersack“.

„Gasmann“ ist irgendwie alles: ein Politdrama, das den Nazi-Wahnsinn thematisiert, aber auch eine Satire, die sich mit der deutschen Kunst- und Kulturszene auseinandersetzt. Und eine Komödie, wobei einem das Lachen bisweilen im Halse stecken bleibt.

Multitasking in der MOPO-Redaktion

Gedreht wurde „Gasmann“ an 44 Drehtagen in Hamburg und im Wendland. Lange suchte Arne Körper nach Räumen, die sich eignen, um darin eine Redaktionskonferenz zu drehen. Dass dann die Wahl auf die MOPO-Redaktion fiel, hatte mit Verbindungen zu tun, die Filmproduzent Konstantin von zur Mühlen schon seit langem zu unserem Haus unterhält. Und so nahm das Filmteam die Redaktion an einem Sonntag im Herbst 2017 in Beschlag – übrigens bei gleichzeitig laufender Zeitungsproduktion. Während die Zeitungsredakteure an ihren Texten für den folgenden Tag arbeiteten, entstand gleich neben ihnen ein Kinofilm. Ein außergewöhnliches Erlebnis.

Filmplakat "Gasmann"
Kommt am 22. Juli bundesweit in die Kinos: „Gasmann“. Ein Film des Hamburger Regisseurs Arne Körner.

„Gasmann“ ist Arne Körners zweites abendfüllendes Werk. Der Zuschauer merke Körner die Leidenschaft fürs Kino an, auch den Willen und das Talent, die ausgetretenen Pfade des filmischen Erzählens zu verlassen, so schrieb die MOPO 2015, als Körners preisgekröntes Roadmovie „The Bicycle“ in die Kinos kam. Das gilt umso mehr für den neuen Film.
Regisseur Arne Körner hat den „Gasmann“ zusammen mit Konstantin von zur Mühlen und Uwe Zimmermann produziert, während Martin Proth und Akin Sipals als Koproduzenten fungierten. Körner selbst hat den Film geschnitten. Die Produktionsfirmen Against Reality Pictures, Belvedere und Kronos Media sind an dem Film beteiligt.

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