Inga Kabus und ihre Meute.
  • Seit 16 Jahren führt Inga Kabus professionell Hunde aus – ihr absoluter Traumberuf.
  • Foto: Bettina Blumenthal

Gassigehen mit elf Tieren ohne Leine: Wie geht das, Frau Hundesitterin?

Inga Kabus hat eine ganz besondere Gabe: Ihr folgen täglich mindestens 44 Hundepfoten. Und das oft ohne Leine. Wie macht sie das? Die MOPO hat die Hundesitterin und ihre Meute auf einer Runde begleitet.

Wir treffen Inga Kabus (51) und elf Hunde am Kupferteich in Tonndorf. Ein Boxer und ein Labrador begrüßen uns, drei Hunde sehen neugierig hoch, der Rest der Meute beachtet uns gar nicht. Was sofort auffällt: Alle Hunde laufen ohne Leine und behalten Inga Kabus dabei immer im Blick. „Leine schafft in so einer großen Gruppe nur Konflikte.“ Und da keiner die Gruppe verlieren möchte, wird Inga Kabus immer gesucht. Sie ist die Rudelführerin.

Inga Kabus mit einem Hund.
Inga Kabus führt seit 16 Jahren hauptberuflich Hunde aus – ihr Traumberuf.

„Nur ängstliche oder die älteren Hunde, die nicht mehr so gut hören können, kommen je nach Bedarf auf den Wegen kurz an die Leine“, sagt Kabus. Auch auffällig: Sie hat kein Spielzeug dabei. „Das gibt nur Stress, weil jeder den Ball haben will.“ Während wir um den Kupferteich wandern, suchen alle Hunde immer wieder den Blickkontakt zu Kabus. Sie führt die Meute ganz problemlos mit wenigen Worten.

Von der Zahnarzthelferin zur Hundesitterin

Die gelernte Zahnarzthelferin aus Lokstedt hat ihre Führungsqualitäten erst spät entdeckt. Denn Führen können ist die Voraussetzung in ihrem Beruf. „Seitdem ich denken kann, habe ich immer Hunde gehabt. Ohne kann ich gar nicht.“ Es gebe verschiedene Ausbildungen zum Hundetrainer. Das sei aber keine Garantie, eine Meute führen zu können. Das sei eine Gabe. „Entweder man kann das oder nicht.“


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Eine weitere Voraussetzung: Man müsse Hunde lesen können, die Hundesprache verstehen. „Wenn mir ein Hund entgegen kommt, sehe ich sofort, ob der ängstlich, dominant oder aggressiv ist. Je nachdem, stelle ich dann sofort meine Meute darauf ein. So kommen wir immer stressfrei aneinander vorbei.“ Gab es nie einen Kampf? „Ich hatte in den 16 Jahren einen Kampf unter zwei Hunden, und zwar in meiner Meute. Das ging glimpflich aus. Die beiden passten einfach nicht zusammen. Mit fremden Hunden gab es noch nie Probleme“, sagt Kabus. 

Kabus Meute tobt entspannt durcheinander. „Bei mir kann der Hund richtig Hund sein, und Abenteuer mit seinen Artgenossen erleben. Sie lernen Sozialverhalten einfach am besten voneinander.“ 18 Hunde in einer Meute war ihr bisheriger Rekord, zwölf Hunde sind optimal, sagt sie. Wenn sie eine Meute zusammenstellt, kann es durchaus passieren, dass ein Hund nach einer Proberunde nicht dazu passt. „Ich sprenge dann nicht ein Team für einen Hund. Ich kann ihn dann leider nicht nehmen.“

Treffen sich zwei Hundesitterinnen, kommen schnell 20 bis 25 Hunde zusammen. Aber bei den Profis läuft das erstaunlich ruhig ab.
Treffen sich zwei Hundesitterinnen, kommen schnell 20 bis 25 Hunde zusammen. Aber bei den Profis läuft das erstaunlich ruhig ab.

Hunde werden oft vermenschlicht

Richtig voll wird es, wenn sich Hundesitter begegnen. Schnell kommen dann 25 Hunde zusammen. Das geht überraschend geräuschfrei ab. Profis unter sich eben. Da ist das Spektakel unter zwei Hundebesitzern oft größer. Ganz wichtig: „Leine immer locker lassen. Hunde nicht vermenschlichen und ihnen Raum geben“, erklärt Kabus. Ein  großes Problem sei, dass die Besitzer ihre Hunde nicht lesen können, der Hund nicht verstanden wird. Ist die Rute hoch, ist der Hund angespannt. Entsprechend muss reagiert werden, nicht erst wenn er in die Leine läuft. Generell gilt, immer vorausschauend zu gehen und nicht auf das Handy zu starren.

Zu ihrem Traumberuf kam Inga Kabus aus einer Notlage heraus. Nach der Trennung von ihrem Mann stellte sich die Frage, wie bekomme ich Kind, Arbeit und Hund unter einen Hut. „Ich habe nach einem Hundesitter gesucht. Freunde ermutigten mich dann, das doch selbst mal auszuprobieren. Schließlich hatte ich schon immer Nachbarschaftshunde zum Gassi gehen und auch Urlaubshunde aufgenommen.“ Sie druckte Flyer, machte den gewerblichen Hundeführerschein, um eine Meute führen zu dürfen, und legte los. Nach einem Monat hatte sie schon zehn Hunde. Ihre erste Meute.

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Anfangs drehte sie ihre Gassi-Runden um die Alster. „Da war ich der bunte Hund. Viele sprachen mich an.“ Schnell hatte sie eine zweite Meute und wich auf andere Gelände aus, etwa in Tonndorf oder Allermöhe. Nun hat sie eine 35 Stunden Woche – und ihr Hobby zum Beruf gemacht.

Hundeauslaufwiesen sind nicht optimal

Für die Zukunft wünscht Kabus sich mehr Hundetrails und dafür einen Hundeführerschein für alle. Denn die Gelände für freies Gehen mit ihrer Meute sind rar. Nur Hundeauslaufwiesen sind aus ihrer Sicht nicht optimal, da sich ältere Hunde schnell langweilen. Für diese sei es wichtig, in Bewegung zu sein, sagt sie. So wie heute. Ein Hund springt nach dem anderen in den VW-Bus. In aller Ruhe. Kabus schließt zufrieden die Tür. Ausflug beendet.

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