Verschleierte Frau – Dschihadistinnen zurück in Deutschland
  • Mit einer Chartermaschine wurden die Frauen und ihre Kinder nach Deutschland gebracht
  • Foto: picture alliance/dpa/Boris Roessler

IS-Frauen und Kinder zurückgeholt – Festnahmen am Flughafen

Das Auswärtige Amt hat acht deutsche „IS“-Frauen und ihre 23 Kinder aus einem kurdischen Gefangenenlager nach Deutschland geholt. Am Flughafen Frankfurt wurden die meisten Mütter am Abend des 6. Oktober wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland festgenommen, darunter auch eine Bremerin (33), sowie eine Frau aus Hamburg.

„Die Kinder trifft keine Schuld an ihrer Lage. Es ist richtig, dass wir alles dafür tun, ihnen ein Leben in Sicherheit und einem guten Umfeld zu ermöglichen“, erklärte Außenminister Heiko Maas (SPD) zu der seit Monaten vorbereiteten Rückholaktion. 

Im Zentrum standen Kinder, die als besonders schutzbedürftig eingestuft wurden, etwa, weil sie krank sind, und auch Kinder, die Sorgeberechtigte in Deutschland haben. Zu diesen zählt ein zehnjähriges Mädchen aus Hamburg: Der Mutter wird vorgeworfen, dass  sie 2014 mit ihrer damals dreijährigen Tochter aus Hamburg in die vom IS besetzten Gebiete gereist sei, ohne dass der Vater des Kindes etwas davon wusste. Jahrelang habe der Mann für die Rückkehr seiner Tochter gekämpft, berichtet der NDR.

Frankfurt: IS-Frau aus Bremen festgenommen

Die deutschen Dschihadistinnen waren mit ihren Kindern in einem kurdischen Gefangenenlager in Nordostsyrien untergebracht. Maas bedankte sich bei den Kurden für die Unterstützung bei der Rückholaktion.

Neben der Mitgliedschaft im „IS“ wird den Frauen auch Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht zur Last gelegt, weil sie ihre kleinen Töchter und Söhne im Sinne der Terroristen indoktriniert haben. Unter den Kindern fiel ein 12jähriger Junge als besonders radikalisiert auf.

Verschleierte Frau
Die deutschen Frauen hatten sich dem IS angeschlossen.

Die verhaftete Bremerin hat zwei Kinder, 3 und 5 Jahre alt, um die sich nun zunächst das Jugendamt Frankfurt/Main kümmert. Über die Mutter ist bekannt, dass sie am 10. April 2014 von Bremen über die Türkei nach Syrien ausgereist ist, dort einen bereits für den „Islamischen Staat“ (IS) tätigen Kämpfer nach islamischem Ritus geheiratet und sich ihrerseits dem „IS“ angeschlossen haben soll. Ungefähr seit Juni 2014 bewohnte das Dschihadisten-Paar ein Haus in der Nähe der Stadt Tal Abyad, aus dem zuvor jesidische Bewohner mit Waffengewalt vertrieben worden waren.

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Der Ehemann tötete für den „IS“ eine unbestimmte Zahl von Menschen, darunter auch Kinder, und bekam dafür 1000 US-Dollar pro Kampfeinsatz von der Terrororganisation ausgezahlt. Mit diesem Geld bestritt die Familie ihren Lebensunterhalt.

IS-Frau sah sich Bestrafungsaktionen gegen Ungläubige an

Die Bremerin soll die Taten ihres Ehemannes unterstützt haben, indem sie die Haushaltsführung übernahm und ihn in seinem Verhalten bestärkte. Gemeinsam sah sich das Paar regelmäßig die grausamen, öffentlichen Bestrafungsaktionen der Terroristen gegen „Ungläubige“ an.

Flugzeug
Mit einer Chartermaschine hat das Auswärtige Amt die Dschihadistinnen nach Deutschland geholt.

Nachdem ihr Ehemann im Kampf gefallen war, ließ sich die Bremerin in Frauenhäusern des „IS“ unterbringen und heiratete nacheinander zwei weitere Kämpfer des „IS“. Ende 2017 wurde sie bei dem Versuch, Syrien zu verlassen, festgenommen und befand sich seitdem in kurdischer Gefangenschaft.

Für die Anklage gegen die zweifache Mutter aus Bremen ist die Zentralstelle Staatsschutz der Generalstaatsanwaltschaft Hamburg zuständig, zu deren Bereich auch Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zählen.

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