Rissen Milchhof Jaacks
  • Der Milchhof der Familie Jaacks steht vor dem Aus – 340 Tiere könnten ihr Zuhause verlieren. (Archivbild)
  • Foto: Florian Quandt

Der verzweifelte Kampf eines Hamburger Bauern um seinen Hof

Für Hauke Jaacks steht viel auf dem Spiel. Der Milchbauer aus Rissen bewirtschaftet mit seiner Familie einen großen Hof mit 340 Kühen und Rindern. Doch Jaacks ist nur Pächter – der neue Eigentümer will das Grundstück künftig anders nutzen. Auf dem Hof fiel jetzt der Startschuss für eine bundesweite Protestaktion.

Nach aktuellem Stand ist für Hauke Jaacks zum Jahresende Schluss. Zum 1. Januar 2022 müsste der Milchbauer mit seiner Familie und den Tieren den Hof in Rissen verlassen. Vor zwei Jahren hatte Jaacks das Grundstück kaufen wollen, zog aber gegen einen Investor den kürzeren. Der will auf dem Gelände einen Reiterhof errichten. Auch das sei landwirtschaftliche Nutzung, hatte die Wirtschaftsbehörde festgestellt – und den Deal durchgewunken.

Verzweifelter Kampf: Kein Plan B für Rissener Milchhof

Dass Familie Jaacks mit dem gesamten Hof an einen neuen Standort zieht, scheint schon jetzt ausgeschlossen. „Wenn es bei dieser Entscheidung bleibt und die Hamburger Politik sich nicht für uns einsetzt, dann werden wir diesen Bauernhof aufgeben müssen und unsere landwirtschaftliche Existenz wäre damit vernichtet“, sagte Hauke Jaacks.

Hauke Jaacks AbL Rissen
Am Freitag startete die Protestaktion „Jeder Hof zählt! Bauernhof vor Immobilienmakler“ auf dem Hof der Jaacks‘.

Am Freitag startete auf dem Milchhof die bundesweite Aktionswoche „Jeder Hof zählt! Bauernhof vor Immobilienmakler“ der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Ziel sei, „die vielen Bauernhöfe in Deutschland sichtbar“ zu machen, sagte Claudia Schievelbein, Mitglied im AbL-Bundesvorstand. „Hamburg ist kein Einzelfall – viele Höfe deutschlandweit sind von Sorgen und Existenzängsten geplagt. Wir brauchen eine vielfältige Agrarstruktur, um die Landwirtschaft mit Klimaschutz, Artenvielfalt und Tierwohl weiterzuentwickeln“

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Allein der Hof der Familie Jaacks sei „für mehr als ein Zehntel der Hamburger Milchversorgung verantwortlich“, sagte die Hamburger AbL-Geschäftsführerin Berit Thomsen. Sie erwarte, dass sich der Hamburger Senat für das Fortbestehen des Milchhofs einsetzt.

Die Forderungen der AbL an Rot-Grün sind jedenfalls klar: „Um das Höfesterben und den Ausverkauf an außerlandwirtschaftliche Investoren zu stoppen, brauchen wir außerdem eine Bodenmarktreform in Hamburg. Die Anzeigepflicht bei Pachtverträgen und die Genehmigung bei Landkäufen sind rechtssicher und transparent umzusetzen. Bei Umgehung muss sanktioniert werden“, erklärte Thomsen.

Rissen: Hauke Jaacks bleibt kämpferisch

In Hamburg gebe es immer weniger Milchhöfe, sagte Hauke Jaacks. Seine Familie betreibe einen der letzten in der Stadt, Anfang des Jahrtausends seien es noch doppelt so viele gewesen. Aufgeben kommt für den Rissener aber noch nicht in Frage: „Wir wollen bleiben und wir werden uns für unsere Rechte einsetzen.“

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