Nathalie Kuklis (29) zusammen mit ihrem Hund Stitch – er könnte einmal ein Assistenzhund werden.
  • Nathalie Kuklis (29) zusammen mit ihrem Hund Stitch – er könnte einmal ein Assistenzhund werden.
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Depressionen, Trauma, Borderline – Hund könnte Nathalies Rettung sein

Wenn Nathalie Kuklis morgens aufwacht, fühlt sie bereits eine innere Nervosität, die sie den ganzen Tag über nicht loslässt. Die 29-Jährige aus Hamm leidet an mehreren psychischen Krankheiten sowie einer Autoimmunerkrankung und ist seit vielen Jahren arbeitsunfähig. Großpudel Stitch soll ihr als zukünftiger Assistenzhund helfen, den Alltag zu bestreiten. Der Knackpunkt: Die Ausbildung ist sehr teuer. Dafür sammelt die Hamburgerin jetzt Spenden.

Seit ihrer frühen Jugend hat Kuklis mit Krankheiten zu kämpfen und war bereits in vielen Kliniken und Therapien. „Ich leide an Depressionen, einer Posttraumatische Belastungsstörung, Magersucht und Borderline“, erzählt die 29-Jährige im Gespräch mit der MOPO. „Mit 12 fing die Essstörung an. Borderline darf man erst ab dem 18. Lebensjahr überhaupt diagnostizieren. So soll sichergestellt werden, dass es sich nicht um pubertäre Ausfallerscheinungen handelt“, sagt sie. Dabei sei ihr schon früh klar gewesen, dass es bei ihr Borderline ist.

Hamburgerin kämpft gegen psychische Krankheiten

Dabei handelt es sich um eine nicht heilbare Persönlichkeitsstörung, die von Instabilität und Impulsivität gekennzeichnet ist. Es ist die Unfähigkeit, extreme innere Zustände zu kontrollieren. „Ich konnte jahrelang gar nichts fühlen und hatte ständig ein Gefühl von Leere“, berichtet Kuklis, „und auf einmal spürte ich eine geballte Ladung an Gefühlen, mit denen ich niemals gelernt hatte umzugehen.“

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Mit 16 Jahren zog sie mit anderen Jugendlichen, die ebenfalls an Essstörungen litten, in eine WG. „Zu Hause hätte ich nicht mehr überlebt“, ist sie sich sicher. An die Zeit in der WG erinnert sie sich positiv. „Das war fast wie ein normales Leben. Die Voraussetzung war dort unter anderem, dass wir ein bestimmtes Gewicht haben, Ess-Protokolle führen und zu den Essenszeiten anwesend sind.“

Großpudel Stitch könnte ihr im alltäglichen Leben helfen

Ihr Abi wollte sie eigentlich absolvieren, eine stark depressive Phase machte ihr das allerdings unmöglich. Kuklis fing eine Ausbildung zur Bürokauffrau an, die sie nach zwei Monaten aber abbrach, als sie mit einer Essstörung zurück in die Klinik musste. Seit zehn Jahren ist sie jetzt arbeitsunfähig geschrieben. Ihr größter Wunsch ist es, eines Tages wieder arbeiten zu können, am liebsten als Fotografin.


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Da kommt er ins Spiel: Großpudel Stitch, 14 Wochen alt, schwarz und flauschig, der seit ein paar Tagen bei der 29-Jährigen lebt. „Wenn ich mit Tieren zusammen bin, geht es mir besser und ich bin weniger nervös“, sagt sie. Stitch sei bis jetzt sehr anhänglich, verschmust, aufgeweckt und quirlig.

Ausbildung zum Assistenzhund ist sehr teuer

Ein fertig ausgebildeter Assistenzhund kann zwischen 20.000 und 35.000 Euro kosten, was für sie unmöglich zu finanzieren ist. Deswegen will sie mit Stitch zusammen die zweijährige Ausbildung machen. Aber auch hier kommen Summen von mindestens 10.000 Euro auf die Hamburgerin zu. „Von der Krankenkasse wird das nicht übernommen, sondern muss privat finanziert werden“, sagt sie. „Deswegen habe ich eine Kampagne gestartet, um vielleicht über diesen Weg das Geld zusammenzubekommen.“

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Wie könnte Stitch ihr helfen? „Mich aus einer Dissoziation holen“, antwortet Kuklis. Dieser Zustand ist für sie sehr schwer zu beschreiben. „Es ist, als würde ich aus meinem Körper austreten und alles wie durch einen Schleier wahrnehmen“, sagt sie. „Ich bin einfach erstarrt. Man könnte mich teilweise kneifen und ich würde es nicht mitbekommen.“ Der schwarze Großpudel könnte in Zukunft versuchen, sie wieder in die Realität zurückzuholen. „Außerdem könnte er sicherstellen, dass ich nach draußen gehe, soziale Kontakte pflege, mich aus Flashbacks holen und auch das ich regelmäßig esse .“ Und am Wichtigsten: Ihr die Anspannung nehmen.

Assistenzhund: Hamburgerin startet „GoFundMe“

Die Hamburgerin hofft nichts mehr, als eines Tages wieder am alltäglichen Leben teilnehmen zu können. „Ich will mich nicht mehr nur über meine psychischen Krankheiten identifizieren.“ Doch bis dahin ist noch ein langer Weg – auf dem Stitch sie begleiten könnte.

Wer möchte, kann Nathalie Kuklis dabei unterstützen und über ihre „GoFundMe“-Kampagne spenden.

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