Die Zentrale der „Otto Group“ in Hamburg
  • Die Zentrale der „Otto Group“ in Hamburg
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„Da trinkt man Cappuccino“: Diese Vision hat „Otto“ für die Hamburger Innenstadt

Seit Galeria Karstadt Kaufhof bundesweit zahlreiche Warenhäuser geschlossen hat, haben viele Innenstädte ein Problem. Sie drohen zu veröden. Die „Otto Group“ – Deutschlands zweitgrößter Onlinehändler – mahnt neue Ansätze in der Stadtplanung an.

Die Otto Group setzt in den Innenstädten auf grundsätzliche strukturelle Veränderungen – auch in Hamburg. „Innenstädte werden keine Orte bleiben können, wo man vor allem einkaufen kann“, sagte Multichannel-Distanzhandel-Vorstand Marcus Ackermann in Hamburg. Nötig seien neue Ansätze in der Stadtplanung, um zum Beispiel mehr Wohnraum, Kinos, mehr Kulturangebote und mehr Restaurants anzusiedeln.

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Der Aufsichtsratsvorsitzende des Konzerns und Hamburger Ehrenbürger Michael Otto habe zuletzt von einer italienischen Piazza gesprochen. „Ich glaube, das ist ein schönes Bild, weil es eigentlich das ist, was wir alle toll finden. Da trifft man Menschen, redet, trinkt Cappuccino.“

Experte in Hamburg: Mehr Druck auf kleinere Unternehmen

„Warenhäuser werden es immer schwerer haben, es wird auch mehr Druck auf kleinere Unternehmen geben“, sagte Ackermann. Für die Zukunft von Städten sei das bedauerlich, „weil das, was wir uns alle wünschen, eben interessante, spannende Innenstädte sind, wo man etwas erleben kann und es eben nicht überall gleich aussieht“. 

Doch die Stärke von Warenhäusern, an einem Ort ein großes Sortiment anzubieten, hätten diese eben nicht mehr allein. Das könnten Onlinehändler genauso. „Ich käme schon lange nicht mehr auf die Idee, in die Stadt zu fahren, um mir beispielsweise einen Kochlöffel zu kaufen.“

Auch in Hamburg: Onlinehandel bei Bedarfskauf überlegen

Das erledige er in maximal 30 Sekunden über das Handy. „Ich muss ja heutzutage nicht mal mehr meinen Computer hochfahren, mich hinsetzen und irgendwelche komplizierten Sachen machen.“ Für reine Bedarfskäufe sei der Online-Handel stationären Warenhäusern weit überlegen. Für die Geschäfte in den Innenstädten komme es daher darauf an, den Kunden nicht nur Ware, sondern auch Unterhaltung zu bieten. Bessere Chancen hätten noch Textilgeschäfte, da Kunden die Kleidung vor einem Kauf nach wie vor gerne anfassen und anprobieren, sowie Anbieter teurer Elektronik wie Fernseher oder Computer.

Große Lücke: Karstadt schließt Filialen in Hamburger Innenstadt

Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof hatte Mitte Oktober in der Mönckebergstraße gleich zwei große Kaufhäuser geschlossen und damit am Eingang der Einkaufsmeile große Lücken hinterlassen. Nach wie vor unklar ist, wie die nun leerstehenden riesigen Verkaufsflächen genutzt werden sollen. Hinzu kommt, dass etwa der Handelsverband Nord wegen der Corona-Pandemie mit weiteren Geschäftsschließungen rechnet.

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Ackermann zeigte sich überzeugt, dass die leerstehenden Kaufhäuser, „die da für das ganze Entree eine große Bedeutung haben“, nicht von einem einzigen großen Ladenmieter übernommen werden. Er gehe vielmehr davon aus, dass die oberen Etagen der Gebäude anders genutzt werden „und dort wahrscheinlich kein Einzelhandel mehr stattfindet“. (dpa/maw)

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