Coronavirus (Illustration)
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Auch in Hamburg auf dem Vormarsch: Was Sie über Delta wissen müssen

Die Delta-Variante des Coronavirus ist in einigen Ländern bereits auf dem Vormarsch – und bremst möglicherweise den durch die Impfungen erzielten Fortschritt. Doch was ist bisher überhaupt über die Mutation bekannt und wie gefährlich ist sie? Die MOPO macht den Fakten-Check.

1. Delta wird zu steigenden Infektionszahlen führen

Das Robert-Koch-Institut (RKI) geht derzeit davon aus, dass die Delta-Variante für wieder steigende Infektionszahlen hierzulande sorgen wird. Die Mutation sei noch ansteckender als Alpha, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Freitag. „Delta verbreitet sich also noch schneller, vor allem natürlich in der ungeimpften Bevölkerung.“ Nach den jüngsten Daten des RKI lag der Anteil der Delta-Variante in Deutschland zuletzt bei 15 Prozent. Gleichzeitig bleibt die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz (6,2) bisher weiterhin niedrig.

2. Delta wird andere Varianten verdrängen

Für das RKI ist klar: Die Delta-Variante wird auch in Deutschland andere Mutationen verdrängen. Laut Virologe Christian Drosten werde sie sicherlich bis zum Herbst „hier auch das Feld dominieren“, sagte er im Podcast „Coronavirus-Update“.  Wenn man sich die aktuellen RKI-Zahlen ansieht, könnte das aber schon weit früher – und vielleicht sogar schon jetzt der Fall sein.

Laut den jüngsten Daten vom 7. bis 13. Juni hat sich der Anteil der Delta-Variante an den Neuinfektionen im Vergleich zur Vorwoche verdoppelt – zum dritten Mal in Folge. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, dürfte die Delta-Variante mittlerweile über die Hälfte der Corona-Neuinfektionen bundesweit ausmachen. In Großbritannien ist die Mutation mit rund 95 Prozent bereits für fast alle neuen Fälle verantwortlich. Doch auch in anderen Ländern wie Portugal verbreitet sich die Delta-Variante.

3. Virologe: „Delta hat keine dramatischen Auswirkungen“

Laut dem Virologen Klaus Stöhr gibt es keinen Grund zur Sorge, wenn die Delta-Variante die Oberhand gewinnt. Mit Blick auf die derzeit sinkende Inzidenz und die sinkende Sterberate trotz höherem Anteil der Delta-Variante, sieht der ehemalige WHO-Forschungskoordinator für SARS-Viren keine dramatischeren Auswirkungen durch die neue Mutation. Stöhr rechnet langfristig eher damit, dass Corona endemisch wird: also wie die Grippe immer wieder, dafür aber räumlich begrenzt auftauchen.

4. Klinik-Behandlungen haben sich verdoppelt

Die Delta-Variante scheint nach ersten Erkenntnissen des RKI zu einer höheren Rate von Klinik-Behandlungen zu führen. „Wir haben noch nicht genügend Daten, um wirklich klar zu sagen, wie gefährlich oder ungefährlich (…) sie ist“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. Allerdings deuteten die jüngsten Daten auf eine rund doppelt so hohe Rate von Krankenhauseinweisungen hin, verglichen mit der bislang dominierenden Alpha-Variante. Demnach würden elf Prozent der Delta-Infizierten in Kliniken behandelt, verglichen mit fünf Prozent bei Alpha.

5. Die Impfkampagne ist entscheidend

Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern setzten beim Kampf gegen die Delta-Variante neben der Masken- und Testpflicht vor allem aufs Impfen, um eine Herdenimmunität zu erreichen. Das erklärte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig am Donnerstag. Einen weiteren Lockdown wollen die fünf norddeutschen Bundesländer möglichst vermeiden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) riet dazu, die Impfung zu vervollständigen, da eine zweite Dosis vor der Delta-Variante deutlich besser schütze. Daher gibt es derzeit auch eine neue Diskussion um die Verkürzung der Impfabstände: Bei AstraZeneca gilt mittlerweile, dass es Impfwilligen freisteht, den Abstand zwischen der Erst- und Zweitimpfung individuell mit Ärzten im Rahmen des zugelassenen Zeitraums (vier bis zwölf Wochen) zu vereinbaren.

6. Impfung schützt nicht vollständig vor Delta

Dass eine Durchimpfung der Bevölkerung kein Garant für Immunität sein muss, zeigt sich derzeit in Israel: Seitdem die Delta-Variante dort auf dem Vormarsch ist, sind die Neuinfektionen wieder angestiegen. Unter den Neuinfizierten sind vor allem jüngere Menschen und Geimpfte. Israel hat darauf mit verschärften Maßnahmen reagiert und erneut eine Maskenpflicht in geschlossenen Räumen verhängt, die das Land erst Mitte des Monats fast komplett aufgehoben hatte.

7. Vor allem die Jüngeren stecken sich an

Die meisten Fälle bei der Delta-Variante treten zurzeit bei den Ungeimpften auf – dementsprechend sind Kinder und Jugendliche am stärksten betroffen. Eine schnelle Umsetzung der Impfkampagne für Schüler könnte diese Entwicklung verhindern.


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Doch es herrscht Uneinigkeit darüber, wie die Jüngeren alternativ geschützt werden sollen: RKI-Präsident Lothar Wieler hat am Freitag eine Masken- und Testpflicht in Schulen bis Frühjahr 2022 empfohlen. Peter Albrecht, Sprecher der Hamburger Schulbehörde, will sich dem nicht anschließen. „Derart weit in die Zukunft reichende Prognosen und darauf aufbauende Forderungen sind wohl nicht sehr seriös und wirken zudem verunsichernd. Vielleicht ist bis dahin auch ein Großteil der Schülerschaft geimpft“, sagte er auf MOPO-Nachfrage.

8. So ist die Situation in Hamburg

In Hamburg bleibt die Alpha-Variante vorerst die häufigste Corona-Mutation. Die Delta-Variante wurde laut jüngsten Zahlen in insgesamt 27 Fällen festgestellt, was einem Anstieg von neun Fällen seit letzter Woche entspricht. Zudem bestehen drei Verdachtsfälle.

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Nachdem Hamburg zunächst mit die niedrigste Inzidenz in Deutschland hatte, bildet die Hansestadt nun das Schlusslicht: Sie hat laut RKI die höchste Inzidenz in Deutschland und als einziges Bundesland einen zweistelligen Wert (10,1). Zum Vergleich: Andere Großstädte wie München (8,4), Berlin (7,1) oder Köln (9,4) weisen niedrigere Inzidenzen auf.

9. In Indien beruhigt sich die Lage

In Indien, wo die Delta-Variante zuerst erkannt wurde, gehen die Corona-Zahlen weiter zurück. Innerhalb von 24 Stunden wurden etwa 70.000 neue Infektionen im Zusammenhang mit der Pandemie gemeldet – die niedrigste Zahl seit Anfang April. In den vergangenen beiden Monaten hatte es an manchen Tagen mehr als 400.000 neue Fälle gegeben. Inzwischen werden Schutzmaßnahmen wieder gelockert.

10. Die Mutation „Delta Plus“ verbreitet sich

Das indische Gesundheitsministerium ist besorgt über die neu entdeckte „Delta Plus“-Variante und will sie genauer untersuchen lassen. Diese Corona-Variante soll sich besonders gut verbreiten, hieß es in einer Pressemitteilung. Wissenschaftler sagen allerdings, dass es bisher noch zu wenig Daten gebe.

Inzwischen seien rund 40 „Delta Plus“-Fälle in drei indischen Bundesstaaten sowie weitere Fälle in neun anderen Ländern erfasst worden, teilte der Gesundheitsminister mit. Genannt wurden unter anderem die USA, China und Russland sowie die Schweiz, Polen, Portugal und Großbritannien. Deutschland gehört bislang nicht dazu.

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