Intensivmediziner auf einer Corona-Station
  • Corona-Intensivstation (Symbolbild)
  • Foto: picture alliance/dpa/DOCDAYS/rbb | Carl Gierstorfer

Zahlen in Wahrheit viel höher: Das Problem der neuen Corona-Werte

Es ist der neue Leitindikator, wenn es darum geht, die Corona-Lage der Nation abzuschätzen: die Hospitalisierungsrate, also die Zahl der Neueinweisungen in Krankenhäuser pro 100.000 Einwohner. Die Daten des RKI liegen jedoch weit unter den tatsächlichen Zahlen, besonders weit klafft die Schere in Hamburg auseinander. Kann das zum Problem werden?

Ein Beispiel nennt der NDR: Am 8. September gab das RKI 1,8 Neuaufnahmen wegen Covid-19 pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen an. Tatsächlich lag der Wert aber bei 3,6. Wie kann das sein? Der Grund ist das umständliche Meldeverfahren: Bis das RKI erfährt, wie viele Patienten genau an einem Tag bundesweit in Krankenhäuser eingeliefert worden sind, vergehen rund drei Wochen, wie der NDR errechnet hat. Die Folge: Der Leitindex zeigt eine Situation in den Krankenhäusern an, die sich vielleicht schon verschärft hat, was man aber erst Wochen später feststellt.

Hospitalisierungsrate zu niedrig angegeben

Die Hamburger Daten, so die NDR-Recherchen, hinken sogar einen ganzen Monat hinterher, so lange braucht kein anderes Bundesland für seine Nachmeldungen. Wie kann das sein? Martin Helfrich, Sprecher der Hamburger Sozialbehörde, erklärt den langen Meldeweg: „Die Kliniken melden die Einlieferungsdaten an die Gesundheitsämter an den Wohnorten der Patienten, dann folgen weitere Stationen und dann landen die Daten erst in Berlin beim RKI.“

Und da es in Hamburger Kliniken viele Covid-Patienten aus dem Umland gibt, dauern die Meldungen unterschiedlich lang. Abhilfe könnte ein System schaffen, in dem die Kliniken alle Neupatienten eintragen, samt Wohnort, und auf das das RKI direkt zugreifen könnte. Das gibt es aber noch nicht, schließlich hat die Politik erst kürzlich entschieden, nicht mehr die Neuinfektionen, sondern die Krankenhauseinlieferungen zum Leitindex zu machen.

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Sorgen mache man sich in Hamburg über die verzögerten Meldungen der Klinikaufnahmen aber nicht, so der Behördensprecher. Die „Hospitalisierungsinzidenz“ diene der Politik dazu, im Blick zu behalten, wie stark sich Corona verbreite: „Man sieht daran, ob bei steigenden Inzidenzen auch mehr Menschen im Krankenhaus landen.“ Wenn etwa, wie derzeit, die Inzidenzen unter den regelmäßig getesteten Schülern bei 150 liege, hat das auf die Krankenhauseinweisungen keinen Einfluss. Jugendliche landen mit Corona sehr, sehr selten in Kliniken.

Covid-Patienten: Daten fließen langsam

„Bei der Hospitalisierungsinzidenz geht es darum, die Richtung der Kurve zu erkennen, nicht darum, tagesaktuell zu wissen, wie es auf den Intensivstationen aussieht, dafür haben wir andere Daten“, so Helfrich. Diese Daten werden täglich vom DIVI-Intensivregister gemeldet. Alle Krankenhäuser melden dort, wie viele freie Intensivbetten sie haben. Und diese Zahlen, betont der Behördensprecher, geben derzeit in Hamburg keinen Anlass zur Sorge: „Die Gesamtsituation ist entspannt.“


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Am Freitag lagen 36 Menschen wegen Covid auf Hamburger Intensivstationen, das sind 7,2 Prozent der Intensivpatienten. Aber auch wenn die reinen Zahlen „entspannt“ wirken, die Situation der Beschäftigten ist es nicht. Erst vor wenigen Tagen hatten UKE-Pfleger einen dramatischen Brandbrief geschrieben: Teilweise muss ein Pfleger vier Intensivpatienten versorgen, obwohl der Personalschlüssel eine Kraft für zwei Patienten vorschreibt.

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