Alte Bauernhaus
  • Das Fachwerkhaus mit der urigen Gaststube ist über 300 Jahre alt und wirbt mit der Spezialität Schinkenbrot.
  • Foto: Florian Quandt

Traditionslokal: Der Bratkartoffel-Hotspot der Promis verfällt

Für die Bratkartoffeln im Hittfelder Traditionslokal „Zum 100-Jährigen“ reisten Fans deutscher Hausmannskost sogar aus München an. Dieter Bohlen hatte es nicht ganz so weit, schwärmte aber auch für die handfesten norddeutschen Gerichte. Vorbei! Seit Jahren gammelt das denkmalgeschützte Ensemble im Hittfelder Ortskern vor sich hin. Doch nun ist ein Ende des Verfalls in Sicht.

Gaststätte, Destille, Scheune – um diese drei Gebäude geht es hauptsächlich. An diesem traditionsreichen Ort ist bereits seit dem 15. Jahrhundert eine Schankwirtschaft beurkundet. Seit 1814 betrieb die Familie Steinwehe den „Hundertjährigen“. Benannt ist das urige Lokal übrigens nach dem Hittfelder Korn, der hier in der Destille hinterm Lokal seit 1816 gebrannt wurde.

Alte Holztür einer Scheune
Diese kunstvoll gearbeitete Tür führt in die Scheune.

Heute ist von der alten Gastlichkeit nicht mehr viel zu sehen. Die Reetdächer sind vermoost, die schönen Holztüren vermodert und selbst das neuzeitliche Hinweisschild „Parken nur für Gäste“ ist verblichen. Dabei parken hier erst seit acht Jahren keine Gäste mehr. Davor kamen sie zuhauf, selbst Hamburger Sterneköche machten sich auf den Weg vor die Tore der Hansestadt, um die legendären Bratkartoffelgerichte in Hittfeld zu kosten und frisch gezapftes Bier zu genießen.


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Doch der Familie Steinwehe wurde offenbar der Erhalt der Immobilie zu teuer. Sie verkaufte das Grundstück an die May-Gruppe in Itzehoe.

Projektentwickler investiert Millionen

Die Projektentwickler haben Großes vor, wollen Millionen investieren, um die denkmalgeschützten Gebäude zu retten. Ende des Jahres wird die Baugenehmigung erwartet. Anfang 2022 soll es losgehen.

Das Lokal wird aufwendig saniert. Mit einem erfahrenen Gastronomen, der künftig den „100-Jährigen“ betreiben will, gibt es bereits intensive Verhandlungen. In die Scheune daneben, in der sich aktuell Hunderte leere große Weinflaschen stapeln und ein Sportboot auf einem Anhänger untergestellt ist, soll nach der Sanierung eine Bäckerei einziehen. Auch hier hat der Projektentwickler schon einen Mieter. Nicht denkmalgeschützte Nebengebäude werden abgerissen.

Verwitterter Stuhl vor der Tür
Holzsitz am Eingang des Lokals mit Ablage – vermutlich für Bier und Korn

Der angrenzende Edeka-Markt wird um 1000 Quadratmeter erweitert, gleichzeitig wird ein 1300 Quadratmeter großer Aldi-Markt entstehen. Das soll in „architektonisch sehr anspruchsvoller Form“ geschehen, verspricht Projektentwickler May. Über dem Discounter sollen zehn Wohnungen errichtet werden.

2024 soll eröffnet werden

Jörg Ruschmeyer, der bei May für das Projekt verantwortlich ist, sagte der MOPO: „Wir sind auf einem guten Weg und freuen uns auf die Aufgabe. Wir haben schon historische Backsteine erworben, um denkmalgerecht sanieren zu können.“

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Vermutlich 2024 wird der „100-Jährige“ wieder eröffnen. Fehlt dann nur noch ein Koch, der die Tradition der Zubereitung der angeblich „weltbesten“ Bratkartoffeln wiederbeleben kann.

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