Tibestisches Zentrum in Rahlstedt
  • Tibestisches Zentrum in Rahlstedt – hier wurde 2017 ein Brandanschlag verübt.
  • Foto: Anne Starken, Google Street View

Warum ein Flüchtling das Tibetische Zentrum anzündete

Über vier Jahre ist die Tat her, die gestern am Amtsgericht Hamburg-Wandsbek verhandelt wurde. Auf der Anklagebank saß Mohammad S., sein Alter ist unklar. Er soll im Spätsommer 2017 versucht haben, das Tibetische Zentrum in Rahlstedt in Brand zu setzen, die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen versuchter schwerer Brandstiftung. Gestern wurde das Urteil gefällt.

Die Brandattacke ereignete sich in der Nacht des 4. September 2017, von Sonntag auf Montag. Mohammad S. war betrunken. Er machte sich auf dem Weg zum Tibetischen Zentrum in der Hermann-Balk-Straße in Rahlstedt. Bunte Gebetsfahnen hingen an zwei Balkonen, am Dach und an Bäumen. Sie machten deutlich: Es handelt sich hier um ein buddhistisches Gebetshaus. Mohammad S. legte einen in Brandbeschleuniger getränkten Lappen vor die hölzerne Fassade des Gebäudes und zündete ihn an.

Hamburg: Anschlag auf Tibetisches Zentrum schlug fehl

Das Feuer war klein, breitete sich nicht aus. Es erlosch nach kurzer Zeit von selbst. Die Lache einer brennenden Flüssigkeit führte zu einem Auto, das vor dem Tibetischen Zentrum parkte. Offenbar sollte es ebenfalls in Flammen aufgehen. Adelheid B., Nonne und Bewohnerin des buddhistischen Gebetshauses, bemerkte, dass etwas nicht stimmt und alarmierte die Polizei.

„Mein Fenster ist genau dort, wo der Brand gelegt wurde. Ich habe komische Geräusche gehört, zuerst dachte ich, ich hätte meine Elektrogeräte nicht ausgemacht, dann sah ich das Feuer“, so B. bei ihrer Vernehmung vor Gericht. „Mittlerweile ist das vier Jahre her, aber anfangs hatte ich ganz schön daran zu knabbern. Ich habe micht ständig gefragt, was passiert wäre, wenn es geklappt hätte und das Feuer ausgebrochen wäre“, sagt sie.

Angeklagter bekennt sich schuldig und bereut die Tat

Mohammad S. sitzt ruhig auf der Anklagebank, tauscht sich mit seinem Dolmetscher aus. Er wirkt wie ein gepflegter, junger Mann. Der gebürtige Pakistaner, der 2013 ohne persönliche Domukente nach Deutschland kam, bereut die Tat. Er bezieht sich auf eine frühere Aussage, die der Richter vorliest. Dem jungen Mann, der sein genaues Alter nicht kenne, tue es sehr Leid, die Tat begannen zu haben. Froh sei er, dass nichts schlimmeres passiert ist. Er sei betrunken gewesen und minderjährig.


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Ein Unbekannter aus einem Flüchtlingsheim habe ihm damals erzählt, dass Buddhisten einen Krieg gegen Muslime führen. Aus Hass, den angeblichen Gewalttaten gegenüber, fuhr er zum Tibetischen Zentrum und legte das Feuer. Mohammad S. habe mittlerweile verstanden, dass das Tibetische Zentrum in Rahlstedt keine Muslime hinrichtet, so sein Anwalt vor Gericht.

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Nach über vier Jahren wurde nun ein Urteil ausgesprochen. Da das Gericht davon ausgeht, dass der Angeklagte Mohammad S. zum Tatzeitpunkt noch nicht volljährig war, wird er wegen versuchter schwerer Brandstiftung als Jugendlicher zu zehn Arbeitsstunden verurteilt.

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