Beim vergangenen Streik der GdL mussten sich die Reisenden in die S-Bahnen quetschen.
  • Beim vergangenen Streik der GdL mussten sich die Reisenden in die S-Bahnen quetschen.
  • Foto: picture alliance/dpa/Bodo Marks

„Bleiben Sie in Hamburg“ – dieses Verkehrschaos droht am Wochenende

Hamburg könnte an diesem Wochenende ein ausgewachsener Verkehrskollaps drohen. Grund: Der Streik der Gewerkschaft der Lokführer (GdL), die geplante A7-Vollsperrung und Schienenersatzverkehr auf einer U-Bahn-Linie. Die MOPO zeigt, warum die Vollsperrung aber nicht einfach so verschoben werden kann.

„Die Mobilität der Hamburger wird an diesem Wochenende sehr stark eingeschränkt sein“, warnt Christian Hieff vom ADAC Hansa. Er rät, sich am besten nicht mit dem Auto auf den Weg zur Küste zu machen, wenn es nicht notwendig ist. Denn dann würde man zwangsläufig im Stau stehen. „Das ist sehr bitter, gerade weil für dieses Wochenende endlich gutes Wetter vorhergesagt ist. Am besten ist es, innerhalb von Hamburg zu bleiben.“

Verkehrschaos in Hamburg: Der Streik der GdL

Sich alternativ mit einer der Regionalbahnen auf den Weg zum Meer zu machen, ist ebenfalls keine gute Idee. Ab Donnerstagmorgen bis Dienstagmorgen bestreikt die GdL im Tarifstreit mit der Deutschen Bahn erneut den Personenverkehr. Während die S-Bahn Hamburg einen 20-Minuten-Takt auf den Hauptlinien S3, S1 und S21 aufrecht erhalten will, sieht es bei den Regios ziemlich schlecht aus.

Verkehrschaos Hamburg: A7 Vollsperrung ab Freitagabend

Hinzu kommt: Ab Freitagabend wird der A7-Tunnel Stellingen zwischen Volkspark und Eidelstedt bis Montag 5 Uhr vollgesperrt. Grund dafür sind notwendige Asphalterneuerungen. Die geplante Umleitung soll über die A1, die A21 und die B205 laufen. Doch auch auf der A1 sind aufgrund der Sanierung des Abzweigs Veddel Staus zu erwarten. Die Fahrspuren sind hier jedoch alle geöffnet. Die Anschlussstellen auf der A21 sind zwar gesperrt, laut der Autobahn GmbH kann diese aber dadurch umso besser den überregionalen Verkehr aufnehmen.

Warum muss die A7 bei Stellingen vollgesperrt werden?

Warum kann die Sperrung nicht auf ein anderes Wochenende verschoben werden? „Wir planen seit einem Jahr für genau dieses Wochenende, weil das ein hoher logistischer Aufwand ist“, erklärt Christian Merl von der Autobahn GmbH der MOPO. „700 Lkw müssen Asphalt abtransportieren und 1000 Lkw müssen den neuen Asphalt einladen – das muss genau koordiniert werden.“

So eine riesige Menge an Asphalt steht nicht einfach zur Verfügung. Verschiedene Mischwerke in der Region hätten sich auf dieses Wochenende eingestellt, um das Mischgut zu produzieren. Dazu kommt: Der verwendete offenporige Asphalt für die A7 kann nur bei gutem Wetter eingebaut werden. Dieser soll die Lärmbelastung der Anwohner reduzieren.

Die A7 wird ab Freitagabend vollgesperrt wegen notwendigen Asphaltarbeiten. Lange Staus drohen am Wochenende.
Die A7 wird wegen notwendigen Asphaltarbeiten ab Freitagabend vollgesperrt. Am Wochenende drohen lange Staus.

„Wir wissen nicht, wie die Lage in zwei, drei oder vier Wochen sein wird“, sagt Merl. „Es könnte regnen und die Arbeiten unmöglich machen, die GdL könnte wieder streiken, die innerstädtischen Umleitungen könnten nicht mehr verfügbar sein.“ Es gebe einfach zu viele Unsicherheitsfaktoren. Außerdem erwartet die Autobahn GmbH für dieses Wochenende erheblich weniger Reiseverkehr als an den vergangenen Wochenenden. „Denn die Ferien in Bayern enden erst nächstes Wochenende.“

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Wenn der Asphalt auf der A7 nicht noch in diesem Jahr verlegt werden würde, verschöben sich die Arbeiten in Stellingen um ein ganzes Jahr. „Der Schaden für alle Nutzer wäre enorm und die Kosten lägen im zweistelligen Millionenbereich“, so Merl.

Verkehrschaos: U1 Busse statt Bahnen und gratis HVV

Bleibt noch der HVV in der Hamburger Innenstadt – denn die Busse und U-Bahnen fahren immerhin nach Plan. Ausgenommen davon ist allerdings die U1. Hier fahren von Freitagabend bis Sonntag Betriebsschluss zwischen Fuhlsbüttel Nord und Ochsenzoll Busse statt Bahnen aufgrund von Gleiserneuerungen.

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Für kommenden Sonntag hatte der Verkehrsverbund zusätzlich den ersten von vier geplanten kostenlosen Tagen im September angekündigt – passend zum verkaufsoffenen Sonntag in der City. Damit sind auch Freifahrten im Umland möglich, nämlich unter anderem in den Landkreisen Pinneberg, Segeberg, Stormarn, Herzogtum Lauenburg, Lüneburg, Harburg und Stade. So will das Unternehmen das Versprechen einlösen, die Mehrwertsteuersenkung aus dem vergangenen Jahr an die Kund:innen weiterzugeben.

Das kostenlose HVV-Ticket am Streikwochenende

Blöd nur: An diesem Sonntag werden die Fahrgäste aufgrund des GdL-Streiks von den Umlandfahrten nicht allzu viel mitnehmen können. Denn auch wenn die Bahnen der AKN und des Metronom nicht davon betroffen sind, fallen darunter die meisten Regionalzüge und S-Bahnen.

Die nächsten drei Termine für einen kostenlosen HVV-Transport innerhalb der Ringe A-F sind für den 11., 18. und 25. September vorgesehen. Bleibt zu hoffen, dass an diesen Tagen die Verkehrssituation in Hamburg eine andere sein wird – möglichst weniger chaotisch.

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