Bootswerft Peter Knief
  • Kämpft für seine Werft: Peter Knief (80) will das Unternehmen, das sein Vater vor 100 Jahren gründete, erhalten.
  • Foto: Patrick Sun

Hamburger Traditions-Werft droht der Abriss: Jetzt schalten sich Politiker ein

Seine Werft soll abgerissen werden, weil der Deich erhöht werden muss. Der MOPO-Bericht um den Bootsbauer Peter Knief in Harburg sorgt für Emotionen. Mehrere Bezirkspolitiker haben sich nun hinter den 80-Jährigen gestellt. Sie fordern den Erhalt der Werft am jetzigen Standort.

„Natürlich brauchen wir den Deichschutz. Das steht außer Frage“, stellt Rainer Bliefernicht, Vorsitzender des CDU-Ortsverbands Harburg Süd, fest. Doch einen Abriss der Werkshalle von Peter Knief und die Verlegung auf die andere Seite des Deiches lehnt der CDU-Politiker ab. Der Bootsbauer habe überzeugend dargelegt, dass diese Variante weder technisch noch logistisch Sinn ergebe.

CDU in Harburg spricht sich für Spundwand statt Deicherhöhung aus

Bliefernicht befürwortet den Bau einer Spundwand auf der Deichkrone, so wie Knief es sich wünscht und wie es an anderen Stellen in Hamburg bereits Realität ist. „Ich weiß, dass das dem Deichbau nicht gefällt“, sagt Bliefernicht. Doch das Argument des Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG), dass die Spundwand für die Zufahrt zur Werft mit einem Tor versehen werden müsste, das im Flut-Fall ein Risiko darstelle, lässt der Politiker nicht gelten.

„Das Tor wäre nur 80 Zentimeter hoch. Dafür braucht es keine Maschinen. Das könnte jeder händisch schließen. Entweder Herr Knief selbst oder die Feuerwehr im Binnenhafen“, so Bliefernicht. Seiner Idee nach könnte das Tor in den Alarmplan für eine Sturmflut aufgenommen werden. Dann wäre das Problem gelöst.

Bliefernicht: „Es ist nur etwas guter Wille nötig!“

Bliefernicht wittert in der Blockade-Haltung der Behörde etwas ganz anderes als die Unsicherheit des Tores und die angeblich höheren Kosten der Spundwand im Vergleich zu einem Gründeich. „Ich habe das Gefühl, nördlich der Elbe schaut man etwas neidisch auf unseren Binnenhafen, wo wir durch die Schleuse die einmalige Situation eines immer gleichen Wasserpegels haben.“ In der HafenCity dagegen kämpfe man mit dem ständigen Tidehub, was den Anleger unattraktiver macht. Und ausgerechnet dort, in diesem im Vergleich zu Harburg wohlhabenden Stadtteil, gibt es bereits Spundwände!

Nur wenige Meter hinterm Deich liegt die Werkshalle von Peter Knief. Weil der Deichfuß um sechs Meter verbreitert werden soll, müsste die Halle weichen.

Bliefernicht ist überzeugt, dass eine Spundwand gar nicht viel teuerer wäre als die Deicherhöhung mit Sand und Erde. „Es ist nur etwas guter Wille nötig“, meint der CDU-Mann. Und: „Um den Charakter des Binnenhafens zu erhalten, brauchen wir die Werften wie Jöhnk und Knief, der mit seinem Holzbau einzigartig und sehr nachgefragt ist.“

SPD in Harburg bringt dritte Lösung ins Spiel: eine Rampe

Ähnlich sieht es Frank Wiesner von der SPD in Harburg. „Wir brauchen beides: Die Deicherhöhung und die Werft!“ Wenn Peter Knief seinen Betrieb aufgrund der Abriss-Pläne schließen würde, wäre das ein „herber Verlust für den Wasserstandort Harburg“, betont Wiesner. Der SPD-Politiker plant deshalb, eine dritte Lösung ins Spiel zu bringen: Eine Rampe, die von der Straße Brücke des 17. Juni direkt runter zu der Straße führt, an der die Knief-Werft und der Harburger Seglerverein liegen.

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Möglicherweise müsse es dann zwar auch zumindest nahe der Rampe eine Spundwand geben. Aber zumindest würde sich das Tor erübrigen. „Diese Variante wurde bisher nicht geprüft“, stellt Wiesner fest. Sie sei ein guter Kompromiss im Ringen um den Erhalt der Werft. Die SPD will den Antrag am Donnerstag beschließen und anschließend in die Bezirksversammlung einbringen. Wiesner: „Wir wollen eine neue Planung, um die Werft und den Segelsportverein an Ort und Stelle zu erhalten!“

Auch die Grünen stehen hinter Knief: Die Werft sei „von herausragender Bedeutung für die maritime Wirtschaft des Bezirks Harburg und die Weiterentwicklung des Quartiers“, so der Abgeordnete Andreas Finkler. Und: „Die traditionsreiche Bootswerft Peter Knief lässt sich mit einem aufwendigeren Hochwasserschutz auch in Zeiten des Klimawandels erhalten.“  

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