NDR-Gebäude in Lokstedt
  • Am kommenden Freitag wird der NDR für Personen aus dem AfD-Umfeld eine Führung durchs Landesfunkhaus in Lokstedt veranstalten
  • Foto: dpa | Jonas Walzberg

Auschwitz-Komitee kritisiert den NDR: „Normalisierung rechten Gedankenguts!“

Auschwitz-Komitee, Omas gegen Rechts, Verdi, Deutscher Journalistenverband, Hamburger Bündnis gegen Rechts… Die Liste der Organisationen, die nicht einverstanden sind damit, wie der NDR mit der AfD umgeht, ist lang. Das Auschwitz-Komitee kritisiert den öffentlich-rechtlichen Sender scharf: Von „gefährlicher Normalisierung rechtsextremen Gedankenguts“ ist die Rede.

Am kommenden Freitag, 8. Dezember, wird vor dem Landesfunkhaus in Lokstedt eine Protestkundgebung stattfinden. Der Anlass: Trotz wochenlanger Kritik, trotz aller Proteste hält der NDR daran fest, nun schon zum zweiten Mal nach Mitte November eine Führung für 15 Personen aus dem AfD-Umfeld durchs Landesfunkhaus zu veranstalten.

Die Wut ist groß: Mitte November, beim ersten Besuch der AfD, demonstrierten 130 Personen vor dem Eingang des Senders, vor allem Mitarbeiter. Marius Röer
Rund 130 Personen - Mitarbeiter des NDR und Mitglieder des Hamburger Bündnisses gegen Rechts - demonstrierten gegen einen AfD-Besuch im Landesfunkhaus in Lokstedt.
Die Wut ist groß: Mitte November, beim ersten Besuch der AfD, demonstrierten 130 Personen vor dem Eingang des Senders, vor allem Mitarbeiter.

Nun hat sich dazu auch Sandra Goldschmidt, Landesbezirksleiterin von Verdi Hamburg und stellvertretende Chefin des NDR-Rundfunkrates, zu Wort gemeldet: „Die AfD ist eine rechtsextreme Partei, die rassistische und menschenfeindliche Positionen vertritt und überdies für arbeitnehmerfeindliche Politik steht. Das Entsetzen der NDR-Beschäftigten darüber, dass ihr Haus zum zweiten Mal Besuch von Mitgliedern und Sympathisanten dieser Partei erhält, ist nur zu verständlich. Besonders, weil die AfD regelmäßig gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk hetzt und mal mehr mal weniger direkt dessen Abschaffung fordert. Den politischen Zielen der AfD, ihren menschenverachtenden Werten und ihrem Populismus stellen wir uns klar entgegen.“

Demo am Freitag um 15 Uhr vor dem NDR in Lokstedt

Allerdings erkennt Goldschmidt die Bredouille an, in der die Verantwortlichen des NDR stecken: „Zur Wahrheit gehört auch: Als Gebührenzahler haben Personen aus dem Umfeld der AfD den gleichen Anspruch auf eine Führung wie alle anderen. Hier offenbart die Situation ein Dilemma: Die Regeln der Demokratie und ihrer Institutionen gelten auch für Feinde der Demokratie.“  Das ändere aber nichts daran: Von der Kundgebung am Freitag gehe das klare Signal aus, „dass die AfD und alle anderen, die Demokratie, Menschen- und Arbeitnehmerrechte ablehnen, mit Widerstand rechnen müssen, wo immer sie auftauchen. Dieses Engagement brauchen wir auf der Straße genauso wie im Alltag – im Gespräch mit Nachbarn, im Verein oder im Betrieb.“

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Auch das Auschwitz-Komitee hat eine Erklärung veröffentlicht: Indem er AfD-Mitgliedern eine Führung durchs Haus ermöglicht, sende der NDR „ein fatales Signal, das zur gefährlichen Normalisierung rechtsextremen Gedankenguts in unserer Gesellschaft beiträgt. Die AfD ist keine demokratische Partei! In unserer Rolle als Bewahrer der Erinnerung an die Schrecken der Shoah und als Verfechter der demokratischen Werte sehen wir uns in der Pflicht zu handeln und gegen diese bedenkliche Entwicklung ein Zeichen zu setzen.“ Daher werde sich am Freitag auch das Auschwitz-Komitee an der Protestkundgebung beteiligen. Die Demo beginnt um 15 Uhr an der Einfahrt des NDR, Hugh-Greene-Weg 1 in Lokstedt.

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