Mietshäuser an der Washingtonallee in Billstedt, einem der am härtesten von Corona getroffenen Stadtteile Hamburgs.
  • Mietshäuser an der Washingtonallee in Billstedt, einem der am härtesten von Corona getroffenen Stadtteile Hamburgs.
  • Foto: imago/Lars Berg

Arm gegen Reich: Wo sich der Kampf gegen Corona in Hamburg entscheidet

KOMMENTAR –

In Harvestehude und Rotherbaum wohnt viel Geld. Auch beim Thema Corona ist man gesegnet: Kein einziger Bewohner des Postleitzahlengebiets 20148 musste wegen einer Infektion zwischen November und April ins Krankenhaus. Was für ein Glück! Und was für ein Pech für die Bewohner der Veddel und Wilhelmsburgs.

Sie haben nicht nur weniger Bildung, weniger Geld und kleinere Wohnungen. Sie landen auch am häufigsten im Krankenhaus, mehr als 200 zwischen November und April. Dutzende starben dort. Das hat viele Gründe.

Corona in Hamburg: Impft die Armen!

Unter anderem: Wenn die Harvestehuder aus dem Homeoffice den Lieferdienst rufen, bringt meist jemand aus einem armen Viertel das Essen, das jemand aus einem armen Viertel zubereitet hat. Vielleicht ist diese Person zuvor aus ihrer zu kleinen Wohnung, in der sie im Wohnzimmer schläft, damit die Kinder ein eigenes Zimmer haben, in der überfüllten S3 zur Arbeit gefahren, wo sie mit anderen in einem engen Raum ackert.

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Corona ist vor allem ein Armutsproblem. Es befällt die Putzkräfte, die Bau- und Fabrikarbeiter, die Dienstleister und Paketpacker eher als Anwälte und Fondsmanager. Wenn die Devise weiter gilt, dass besonders gefährdete Gruppen prioritär geimpft werden, kann die Antwort nur lauten: Wir brauchen eine Impfoffensive in armen Stadtteilen, mit mobilen Impfteams oder lokalen Zentren. Denn ausgerechnet in diesen Stadtteilen gibt es kaum Ärzte, hinzu kommen Sprachbarrieren und Mythen. Der Kampf gegen Corona entscheidet sich in Billstedt, nicht in Blankenese.

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