Der Verein „Lärm- und Umweltschutz Wandsbek-Marienthal“ will die Baumfällungen im Wandsbeker Gehölz verhindern.
  • Der Verein „Lärm- und Umweltschutz Wandsbek-Marienthal“ will die Baumfällungen im Wandsbeker Gehölz verhindern.
  • Foto: Patrick Sun

Anwohner wehren sich: Den Bäumen im Wandsbeker Gehölz geht’s an den Kragen

Wandsbek –

„Ich soll demnächst gefällt werden!“ oder „Ich will noch weiterleben!“: Diese Sätze stehen auf weißen Schildern mit einem dicken schwarzen Kreuz, die an den Bäumen im Wandsbeker Gehölz hängen. Der Verein „Lärm- und Umweltschutz Wandsbek-Marienthal“ will mit der emotionalen Aktion verhindern, dass 30 Bäume dem S-Bahn-Bau weichen müssen.

Direkt hinter dem Bahnhof Wandsbek, wo jetzt noch die Bäume stehen, sollen eine Baustellen-Zufahrt und ein Materiallager für den Ausbau der geplanten S4 entstehen. Gleichzeitig soll der Bahnhof Wandsbek stillgelegt und durch zwei neue Bahnstationen ersetzt werden. Die Anwohner fürchten um ihre Ruhe.

Wandsbeker Gehölz: Den Bäumen droht die Abholzung

„Es ist unglaublich, dass 200 Jahre alte Bäume für eine Zufahrt gerodet werden können“, empört sich Peter Heinzel, 2. Vorsitzender des Vereins gegenüber der MOPO: „Wir sind für den Bau der S4, aber der geplante Güterverkehr aus Skandinavien hat nichts mit dem Nahverkehr in Hamburg zu tun und wird unter dessen Deckmantel ausgebaut.“

Rohdung im Wandsbeker Gehölz: Deutsche Bahn äußert sich

Der Behauptung des heimlichen Ausbaus der Güterzug-Strecke stellt sich Deutsche-Bahn Sprecher Peter Mantik entgegen: „Die zwei Gleise, die hier ausgebaut werden, sind nur für die S4“, betont er im Gespräch mit der MOPO. „Hier wird nichts für den Güterverkehr ausgebaut, der verkehrt schon seit 150 Jahren auf diesen Gleisen — und das ohne Lärmschutz.“ Nur aufgrund der S4 würden die Anwohner jetzt Lärmschutzwände bekommen.

Das könnte Sie auch interessieren: Stadt will über 100 Jahre alte Bäume fällen — Hamburger Anwohnerin bindet sich an Linde

Die Vereinsmitglieder argwöhnen dennoch, dass der Güterverkehr zukünftig im Minutentakt direkt an ihren Häusern hinter dem Wandsbeker Gehölz vorbeirattern soll. „Wir werden auf jeden Fall eine Klage einreichen, um diese Baumfällungen zu verhindern!“, kündigt Vereinsmitglied Oda Baerwind an. „Das ist einfach hirnrissig“, schimpft Anwohnerin Raphaele Brüske: „Eine deutliche Verschlechterung der Wohnsituation hier in Wandsbek! Und für die Umwelt ist es sowieso eine Schande.“

Neuer Inhalt (31)

Der Verein hat an allen Bäumen im Wandsbeker Gehölz Mahn-Schilder angebracht.

Foto:

Patrick Sun

Baumfällungen im Wandsbeker Gehölz: Das sagt das Bezirksamt

Das Bezirksamt versichert gegenüber der MOPO, dass alles unternommen wurde, um die Auswirkungen auf das Wandsbeker Gehölz zu minimieren.

Im Video: Die S4 kommt – Bahnlinie in Hamburgs Osten wird gebaut

Allerdings setze sich der Bezirk Wandbek ebenfalls seit Langem für den Bau der S4 ein. „Bei so einem großen Projekt liegt es in der Natur der Sache, dass Güterabwägungen auch dazu führen können, dass sich nicht an allen Stellen schmerzhafte Maßnahmen verhindern lassen“, so der Sprecher des Bezirksamtes.

Neuer Inhalt (31)

Wollen die Baumfällungen im Wandsbeker Gehölz verhindern: Oda Baerwind und Peter Heinzel

Foto:

Patrick Sun

Das könnte Sie auch interessieren: Protest in Blankenese — Auto-Blockade wegen Asylheim-Bau

Insgesamt 30 Bäume sollen laut Bahnsprecher Mantik im Wandsbeker Gehölz für die Baustellenzufahrt gefällt werden. „Und wenn die Baustelle fertig ist, werden innerhalb von drei Monaten so nah wie möglich am Wandsbeker Gehölz neue Bäume auf einer 1800 Quadratmeter Fläche gepflanzt“, fährt er fort.

Der Bahnhof Wandsbek werde tatsächlich stillgelegt, das liege aber daran, dass viel zu wenig Fahrgäste den Bahnhof nutzten. Am 1. Oktober soll es mit bauvorbereitenden Maßnahmen losgehen — das betreffe aber noch keine Baumfällungen.

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp