Britta Maschek hat einen Lösungsvorschlag.
  • Britta Maschek, Inhaberin eines Buchhandels, fürchtet die Schließung ihres Ladens.
  • Foto: Patrick Sun

Anlieger-Ärger in Hamburg: Straßensperrung sorgt für Existenzängste

Die Einzelhändler:innen rund um die Wellingsbütteler Landstraße bangen um ihre Existenz. Der Grund: Die Hauptstraße soll fünf Jahre lang umgebaut und voll gesperrt werden. Eine wichtige Verkehrsanbindung für den Stadtteil fiele damit weg. Jetzt haben sie eine Petition gestartet – und haben einen Vorschlag an die Verkehrsbehörde.

Ali Mohammadi gehört der Imbiss „Mein Döner“ in Klein Borstel. Er rechnet mit Einbußen von 30 Prozent, wenn die Wellingsbütteler Landstraße erstmal dicht ist. „Ich habe Angst, um mein Geschäft“, sagt Mohammadi zur MOPO. “Es wird auch für die Lieferanten schwer. Ich bestelle einmal pro Woche Ware. Nun kommt es wohl so, dass sie nur noch einmal im Monat liefern werden.“ Er habe aber gar keinen Platz für die ganzen Waren und die Kundschaft werde auch wegbleiben. „Es muss eine Alternative zu der Vollsperrung geben. Erst Corona und jetzt das“, klagt der Imbiss-Betreiber.

Klein Borstel: Kleinunternehmer bangen um Existenz

Im kommenden Frühjahr sollen die Sanierungsmaßnahmen entlang der Wellingsbütteler Landstraße beginnen. Die Leitungsarbeiten sollen, so plant es der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer, bis 2027 dauern. Fünf Jahre wird die Straße, die täglich mehr als 20.000 Fahrzeuge nutzen, dann gesperrt sein und damit wäre auch die Verbindung zu Fuhlsbütteler Straße dicht, die in die Innenstadt führt.

Anwohner:innen und Einzelhändler:innen wehren sich gegen die Sperrung, sehen ihren Stadtteil Klein Borstel durch diese Maßnahme abgeschottet. Sie setzen sich für eine für eine wechselnde Einbahnstraßenregelung statt einer Vollsperrung der Verkehrsader ein und haben die Petition „5 Jahre Vollsperrung im Alstertal – Nein, danke“ gestartet. Mehr als 2300 Menschen haben bis Montag bereits unterschrieben.

Ali Mohammadi klagt über die Sperrung der Straße.
Ali Mohammadi fordert eine Alternative zur fünfjährigen Sperrung der Wellingsbütteler Landstraße.

Hamburg: Familienbetrieb von 1948 betroffen

Auch die Inhaberin der Bäckerei Vollstädt in Klein Borstel bangt um die Existenz ihres Betriebes. „Das hier ist ein Familienbetrieb seit 1948, der Opa hat ihn gegründet. Die Kundschaft geht verloren, weil sie hier nicht mehr vorbeifahren können“, so Birgit Vollstädt, Inhaberin der Bäckerei. „Wir sind nicht gegen die Sanierung. Das gilt für alle Einzelhändler hier.“ Aber der Umgang mit den Kleinunternehmer:innen sei desaströs.

„Wir wurden nicht gehört und sind existentiell betroffen. Für Rettungskräfte und Feuerwehrleute wird es auch schwer. Wir haben hier aber viele ältere Menschen“, sagt Vollstädt.

Birgit Vollstädt
Birgit Vollstädt, Inhaberin einer Bäckerei, krisiert den Umgang mit den betroffenen Unternehmern vor Ort.


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Wechselnde Einbahnstraße soll Lösung sein

„Das Dorf stirbt“, sagt Britta Maschek, Inhaberin der Buchhandlung „Tolle Geschichten“ in Klein Borstel. „Viele kommen mit dem Auto, einige sind darauf angewiesen, zum Beispiel ältere Leute. Ein Umweg ist zwar möglich, aber der führt durch die Wohngegend.“ Maschek befürcht, dass sie ihren Laden schließen muss und das es auch vielen weiteren Einzelhändler:innen so gehen wird. „Unser Lösungsvorschlag wäre, eine wechselnde Einbahnstraße oder die Regelung mit mobilen Ampelanlagen.“

„Wir haben die Behörde schon öfter angeschrieben und gefragt, wieso die Sanierung ganze fünf Jahre dauern muss. Als Antwort kam dann, dass wir darüber froh sein können, dass es nur fünf Jahre sind“, so Maschek.

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CDU fordert Verkehrskonzept für Klein Borstel

Die CDU fordert nun ein Verkehrskonzept für Klein Borstel. „Das Rumgeeiere muss aufhören. Das geht schon viel zu lange. Es geht hier um Existenzen, um Unternehmen, die um ihr Überleben bangen“, kritisiert Martina Lütjens, CDU-Fachsprecherin im Regionalausschuss Langenhorn-Fuhlsbüttel, die Haltung von Grün-Rot zu einem Verkehrskonzept in Klein Borstel. „Wir brauchen dieses Konzept vor, während und nach der nicht nachvollziehbaren fünfjährigen Bauphase, die verbunden mit einer Komplett-Sperrung der Zufahrt zur Wellingsbütteler Landstraße ist“, fordert Lütjens.

Wellingsbütteler Landstraße wird über 5 Jahre saniert
Die Wellingsbütteler Landstraße wird über fünf Jahre saniert. Das passt den Anwohnern gar nicht.

Katrin Hofmann (Grüne), Stellvertretende Fraktionsvorsitzende des Bezirks Hamburg Nord, erkennt das Problem. „Aufgrund der besonderen Lage der Wellingsbütteler Landstraße zwischen Alstertal und Friedhof ergibt sich in der Tat eine enorme Zumutung für Anwohner:innen und Geschäftsleute“, so Hofmann. Sie hätten sich bereits dafür eingesetzt, dass die Sorgen der Betroffenen von Hamburg Wasser, das für die Umsetzung der Sanierungsarbeiten verantwortlich ist, gehört werden. „Es haben dazu bereits Gespräche stattgefunden“, sagt Hofmann. Eine wechselnde Einbahnstraßenlösung müsse geprüft werden. „Trotz allem wird es leider zu massiven Belastungen kommen, die sich aufgrund der langen Bauzeit nicht völlig vermeiden lassen“, so Hofmann.

Die Initiative möchte am Montag, den 15. November um 19 Uhr, in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule (Schluchtweg 1) über die Sperrung und die Petition dagegen informieren. Das Treffen findet auch digital statt, da lediglich 300 Menschen in die Aula dürfen.

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