In Deutschland wird wohl Ende Dezember der erste Corona-Impfstoff zugelassen.
  • In Deutschland wird wohl Ende Dezember der erste Corona-Impfstoff zugelassen.
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Andere Länder schneller: Darum dauert es in Deutschland länger mit der Corona-Impfung

Der Corona-Impfstoff von Biontech wurde in Deutschland entwickelt – und trotzdem bislang nicht hierzulande zugelassen. Warum haben andere Länder die Nase vorn und schon mit dem wichtigen Pieksen begonnen? Die MOPO erklärt die wichtigsten Fakten zur Impfstoffzulassung.

In welchen Ländern ist der Corona-Impfstoff bereits zugelassen?

Der von Biontech entwickelte Corona-Impfstoff wurde bislang in Großbritannien, USA, Kanada, Bahrain und Saudi-Arabien zugelassen. In China soll bereits der heimisch entwickelte Impfstoff von Sinovac und Sinopharm bei mehr als einer Million Menschen verwendet worden sein. Auch Russland hat mit einem eigenen Vakzin „Sputnik V“ mit Impfungen begonnen, allerdings bevor die letzte Phase der Impfstoffüberprüfung abgeschlossen wurde.

Warum wird in Deutschland noch nicht geimpft? 

Anders als in anderen Ländern hat Deutschland auf ein nationales Verfahren wie in den USA oder Großbritannien verzichtet – und nutzt keine Notfallzulassung. Die Überprüfung übernimmt die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) in enger Kooperation mit den EU-Ländern. Deshalb dauert die Zulassung ein bisschen länger. Im Gegensatz zu Behauptungen von britischen Politikern, der Brexit habe die Zulassung beschleunigt, hat die EU-Mitgliedschaft Deutschlands aber theoretisch erst einmal nichts mit der längeren Wartezeit zu tun. Auch Deutschland hätte auf eine nationale Zulassung pochen und sie so beschleunigen können.

Die gemeinsame Zulassungsstrategie der EU-Länder hat aber unter anderem den Vorteil, dass sie die Impfstoffe von den Entwicklerfirmen zu besseren Konditionen erhalten. Nationale Notfallzulassungen arbeiten zudem mit weniger Forschungsergebnissen. Sie sind dazu gedacht, Medikamente, deren Wirksamkeit und Nebenwirkungen noch nicht gänzlich erforscht sind und deshalb unter normalen Umständen nicht zugelassen werden würden, trotzdem zuzulassen. Beispielsweise um akut medizinische Katastrophenfälle abzuwenden.

Wie läuft der Impfzulassungsprozess in Deutschland?

Die Impfzulassung in Deutschland ist direkt an die EU gekoppelt. Die EMA arbeitet gemeinsam mit den nationalen Arzneimittelbehörden zusammen und prüft die Forschungsergebnisse der Impfstoff-Hersteller. Am 29. Dezember soll die Entscheidung der EU fallen. Sollte der Biontech-Impfstoff dann zugelassen werden, wovon auszugehen ist, wäre es eine „bedingte Zulassung“, die für ein Jahr gültig ist.

Wie kann die Zulassung so schnell erfolgen?

Auch, wenn in anderen Ländern bereits geimpft wird, ist das EU-Zulassungsverfahren trotzdem nicht langsam. Das funktioniert nur, weil das übliche Prozedere deutlich beschleunigt, aber nicht unsauberer gemacht wurde. Entscheidend hierbei ist das sogenannte „Rolling Review“-Verfahren.

Normalerweise müssen Impfstoffhersteller erst alle drei Studienphasen ihrer Forschung abschließen und reichen diese dann zur Prüfung ein. Im Fall der Covid-19-Impfstoffe begutachtete die EMA aber schon vor der offiziellen Beantragung auf Zulassung durch die Hersteller die Daten der verschiedenen Forschungsstufen. Laut Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe man sich bewusst für den etwas längeren Weg bei der Zulassung entschieden, um größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten und Vertrauen der Bevölkerung zu fördern.

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Wie viele Dosen bekommt Deutschland?

Deutschland hat sich in Kombination mit den EU-Verträgen und selbst getroffenen Vereinbarungen mit Herstellern rund 300 Millionen Impfdosen fürs Erste gesichert. Ganz vorne mit dabei ist Biontech, das Deutschland rund 69 Millionen Dosen liefern soll. Weitere Hersteller: Curevac (60 Millionen), AstraZeneca (56 Millionen), Sanofi-GSK (56 Millionen), Johnson & Johnson (37 Millionen), Moderna (15 Millionen und IDT Biologika (fünf Millionen). Allerdings sind zu Beginn des Jahres nicht einmal annähernd so viele Impfdosen für Deutschland verfügbar. Biontech wird mit großer Wahrscheinlichkeit die erste Firma sein, die zugelassen wird – allerdings werden wohl bis Ende Januar nur 4 Millionen Impfdosen in Deutschland zur Verfügung stehen. Das reicht für zwei Millionen Menschen (jeder muss zwei Mal geimpft werden).

Und wie läuft es dann in Hamburg?

Hamburg hat den großen Vorteil als Stadtstaat auf ein zentrales Impfzentrum setzen zu können. In anderen Bundesländern, wo für jeden Landkreis zumindest eine Impfstelle geschaffen werden muss, können die Wege dementsprechend länger ausfallen als bei uns.

Das Impfzentrum in den Messehallen soll am Dienstag planmäßig fertiggestellt werden, wenngleich die MOPO auf Nachfrage nur eine verklausulierte Antwort auf den Zwischenstand bekam. „Sie können davon ausgehen, dass wir den avisierten Zeitplan weiterhin einhalten“, so Sprecherin Anja Segert. Sollte es aber keine ungeahnten Komplikationen geben, wird Hamburg sobald ein Impfstoff verfügbar ist, mit dem Impfen loslegen können – 7000 Menschen können in den Messehallen täglich versorgt werden. Die Impfstoffausgabe wird zunächst national geregelt und jedes Bundesland anteilig zur Bevölkerungszahl bedacht. Allerdings ist noch nicht ganz klar, wie viele Dosen Hamburg am Anfang bekommt. „Weitere Details dazu hängen zunächst von der Zulassung eines Impfstoffes ab“, so Segert.

Wie sieht es mit der Impfbereitschaft in Deutschland aus?

Impf-Fans sind die Deutschen nicht. Rund die Hälfte würde sich bislang zur Impfung bereit erklären. Ein weiterer Teil weiß es noch nicht genau und rund 10 Prozent lehnen sie ab. Allerdings dürfte die Hemmschwelle mit der Zeit abnehmen, viele Menschen wollen vermutlich einfach nicht die ersten sein, die den Stoff gespritzt bekommen.

Interessant ist jedoch, dass gerade medizinisches Personal der Impfung kritisch gegenübersteht. So sind im Vergleich zur durchschnittlichen Bevölkerung weniger Menschen in medizinischen Berufen derzeit bereit sich gegen Corona impfen zu lassen. Grund dafür könnte sein, dass sich viele nicht zur Hochrisikogruppe zählen und sich ohnehin durch die hohen Sicherheitsvorkehrungen zum Beispiel im Krankenhaus sicher fühlen. (fkm)

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