• Proppevoll und maskenfrei: Die Schanze am vergangenen Wochenende.
  • Foto: Röer

Alkoholverbot in Hamburgs Corner-Hotspots: Lasst die Leute feiern – aber kontrolliert!

Der Senat hat beschlossen, das Cornern und die damit einhergehenden Verstöße gegen die Corona-Bestimmungen zu unterbinden – mit einer neuen Allgemeinverfügung zur Einschränkung des Außer-Haus-Verkaufs von Alkohol an Kiosken und in Lokalen. MOPO-Lokal-Chef Mathis Neuburger hat Verständnis für die Maßnahme, fordert aber eine Alternative.

Lange hat der Senat gerungen, jetzt geht’s los: Alkoholverbote sollen die Corner-Hotspots Kiez und Schanze austrocknen. Das ist angesichts der Menschenmassen, die sich dort regelmäßig treffen, verständlich – aber als einzelne Maßnahme wenig sinnvoll.

Kiez und Schanze: Alkoholverbot in Hamburg kommt

Die jungen Leute werden ja nicht zu Hause auf dem Sofa bleiben, sondern sich Alternativen suchen. Und die sind allesamt problematischer als das Freiluft-Feiern in der Schanze.

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Option 1: Die Leute gehen massenhaft in Bars: Nun, jeder Virologe sagt, draußen ist die Ansteckungsgefahr viel geringer als drinnen. Und jeder weiß: Fließt Alkohol, fallen die Hemmungen – das Ansteckungsrisiko steigt in Bars und Clubs massiv. Und: Eine Stichprobe auf dem Kiez hat gerade erst ergeben, dass sich offenbar kaum ein Laden an die Corona-Vorgaben hält.

Corner-Hotspots werden sich nur verlagern

Option 2: Die Leute treffen sich zu Hause: Statt Schanzen-Cornern gibt’s WG-Party – also viele Leute auf sehr engem Raum. Ist dann zwar verboten, wird aber trotzdem gemacht. Ohne Liste, ohne Desinfektionsmittel und damit die Nachbarn nichts mitkriegen, vielleicht auch noch mit geschlossenen Fenstern. Gerade erst wurde bekannt, dass sich mehrere Hamburger auf einer Privat-Party ansteckten.

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Option 3: Die Leute weichen auf alternative Corner-Hotspots in Parks und auf Flächen in der ganzen Stadt aus. Das ist noch schwerer zu kontrollieren, verursacht die bekannten Müll- und Lärm-Probleme und gewonnen wäre nichts.

Die Gefahr besteht also, dass die Bekämpfung des Freiluft-Cornerns, die immerhin bis heute keine nachgewiesene Infektion verursacht hat, die Situation sogar verschlimmert. Sie sollte daher unbedingt mit einem alternativen Angebot verknüpft werden: Lasst die Leute feiern – aber kontrolliert.

Corona: Erlaubt Open-Air-Partys mit klaren Regeln in Hamburg

In Hamburg gab es vor Corona eine lebendige Open-Air-Party-Szene mit vielen Flächen, die groß sind und deren Zugang kontrolliert werden kann. Diese sollten wieder geöffnet werden – mit klarer Maximal-Personenzahl, Zugang nur mit Ausweis und geprüfter Handynummer für die Nachverfolgung, dazu Maskenpflicht in engen Bereichen wie Toiletten, Bar etc. Wenn viele solcher Flächen erlaubt werden, entzerrt das die Szene, gibt jungen Hamburgern eine legale Alternative und verschafft Hamburgs gebeutelter Eventszene wieder Einnahmen.

Natürlich wäre es aus Corona-Sicht besser, keiner würde feiern. Aber realistisch, das zeigen viele Vorfälle in anderen Städten und Ländern, ist das eben nicht. Lenken wir es also in halbwegs sichere Bahnen, anstatt nur die Verbots-Keule zu schwingen.

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