Elen Jakob erkannte den Schwindel. Sie sucht weiter eine Wohnung in Hamburg.
  • Elen Jakob erkannte den Schwindel. Sie sucht weiter eine Wohnung in Hamburg.
  • Foto: Marius Roeer

Ärger bei Wohnungssuche: Hamburgerin soll negativen Schwangerschaftstest vorweisen

Eimsbüttel –

Ein Zimmer in Eimsbüttel, 31 Quadratmeter, 500 Euro warm – ein günstiges Angebot, aber nicht verdächtig günstig, fand Elen Jakob und bewarb sich um die Wohnung in Hamburg. Es war der Anfang zweier turbulenter Tage – inklusive der Forderung eines negativen Schwangerschaftstests.

Die 25-Jährige lebt seit sechs Jahren in Hamburg, arbeitet in der Hotelbranche. Weil der Vertrag ihrer Wohnung auf St. Pauli ausläuft, braucht sie eine neue. Angebote gibt es viele – darunter auch besagte Wohnung in Eimsbüttel.

Hamburg: „Vermieterin“ verlangt negativen Schwangerschaftstest

„Normalerweise erkennt man ja schnell, was unrealistisch ist. Diese Wohnung war nicht direkt verdächtig“, sagt sie. „Manchmal hat man doch Glück, dachte ich, also habe ich die Vermieterin einfach mal direkt kontaktiert.“

In diesem Wohnhaus sollte sich das angebotene Apartment befinden.

In diesem Wohnhaus sollte sich das angebotene Apartment befinden.

Foto:

Röer

Zunächst sei auch nichts Auffälliges gewesen. Man hätte ihr gesagt, dass man sich bei ihr melde und dass es andere Interessenten geben würde.

Doch dann wurde die Sache sonderbar: „Die Vermieterin sagte, sie musste die Anzeige rausnehmen, weil sie wegen Fake-Anfragen blockiert wurde. Jetzt müsste sie angeblich einen Makler beauftragen. Das habe ich tatsächlich noch nachvollziehen können: Wegen der Menge an Anfragen wäre ein Makler da sicherlich viel bequemer.“

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Dann wurde es aber abstrus: Die Vermieterin verlangt von Jakob entweder eine Schufa-Auskunft – oder alternativ ein Skype-Interview, in dem sie sich der Tochter der Vermieterin, angeblich Frauenärztin, „vorstellen müsste“. Es könnten Fragen dabei sein, „die privater werden“. Gesprächstermin: 23.30 Uhr.

Hamburg: Mietinteressentin soll sich einer Frauenärztin „vorstellen“

„Da gingen bei mir dann die Alarmsirenen an“, gesteht Jakob. Sie hätte dann das Spiel mitgespielt, um zu sehen, was noch folgen würde. Im Vorfeld des Interviews, zu dem es nie kam, sollte Jakob der „Tochter“ versichern, dass sie keine Schwangerschaft plane und sie ihr das auch beweisen solle. „Erst war sie Ärztin, dann angehende Ärztin, dann Gynäkologin. Schon das Profilbild sah komisch und geklaut aus.“

Nur eine der zahlreichen Mails zwischen Elen Jakob und der „Vermieterin“.

Nur eine der zahlreichen Mails zwischen Elen Jakob und der „Vermieterin“.

Foto:

Privat/Hfr

Unseriöses Mietangebot in Hamburg: Firma existiert wohl nicht 

Elen Jakob spielte das Spiel jetzt nicht mehr mit. Damit konfrontiert, zogen sich „Mutter und Tochter“ zurück, drohten sogar mit einer Unterlassungsklage. Der Brief der Anwaltskanzlei – gefälscht. Ihre „Firma“ – nicht im Handelsregister gelistet. Ihr Name – offenbar ausgedacht.

Für die MOPO ist die vermeintliche Vermieterin nicht zu erreichen – weder per Mail, noch per Telefon, noch „zu Hause“ in der Tresckowstraße in Eimsbüttel, in der von ihr angebotenen Mietwohnung, die sie selber bewohnen soll. Entsprechende Anfragen blieben ebenfalls unbeantwortet. 

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Unklar ist und bleibt, welches Ziel das Mutter-Tochter-Gespann verfolgte. Elen Jakob: „Ich weiß es nicht. Es bleibt einfach ein Rätsel.“

Doch egal, ob miese Masche, falsche oder echte Firma – darf ein Vermieter überhaupt einen negativen Schwangerschaftstest verlangen?

Mieterverein zu Hamburg rät Opfern: Erstatten Sie Anzeige!

„Nein, eine solche Vorgehensweise ist unzulässig“, sagt Siegmund Chychla, Geschäftsführer und Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg. „Das ist sittenwidrig und diskriminierend gegenüber Menschen, die Kinder haben oder bekommen wollen.“  Er rate Anzeige zu erstatten. „Außerdem darf man bei solchen Fragen flunkern – ohne, dass das später Folgen hat.“

Elen Jakob will sich von dieser negativen Erfahrung jedenfalls nicht runterziehen lassen: „Ich weiß, dass ich was Geeignetes finden werde, werde dabei aber einfach nur vorsichtiger sein.“ Kurz darauf meldet sich die 25-Jährige bei der MOPO erneut: „Ich habe eben die Zusage für meine Traumwohnung auf dem Kiez erhalten!“

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