• Seit Ende August ist das 2G-Modell in Hamburg möglich.
  • Foto: Marius Röer 

2G auf Hamburger Kiez: Feierwütige ziehen durch die Kneipen

Der Hamburger Kiez pulsiert wieder. Feierwütige ziehen durch die Kneipen. Obwohl das seit drei Wochen geltende 2G-Optionsmodell großen Anklang findet, gibt es neben moralischen Zweifeln auch Anfeindungen.

Rauch steht nebelartig im Raum. Lametta funkelt an den Wänden, während der Bartresen im schummrigen Licht steht. Barchef Kevin steht am Eingang seiner vor zwei Monaten neu-eröffneten „Lucky Bar“ auf St. Pauli. „Drinnen muss man keine Maske mehr tragen, wenn man geimpft oder genesen ist. Die Atmosphäre ist gut“, meint der 23-Jährige. Seine Bar hat das seit drei Wochen geltende 2G-Optionsmodell realisiert. Demnach dürfen nur Geimpfte und Genese in der Kneipe feiern. Kevin lenkt ein: „Ich finde aber, dass auch Ungeimpfte Party machen sollten“.

2G in Hamburg: 720 Betriebe machen mit

Laut Barchef Kevin belasten die 2G Regeln nicht die gute Atmosphäre in seiner „Lucky Bar“.
Laut Barchef Kevin belasten die 2G Regeln nicht die gute Atmosphäre in seiner „Lucky Bar“.

Die Hansestadt hat Ende August als erstes Bundesland das 2G-Optionsmodell eingeführt. Demnach können Betreiber selbst entscheiden, ob sie nur Geimpfte und Genesene reinlassen, die dann von vielen Corona-Beschränkungen befreit sind. Hierfür müssen sie sich beim Senat online anmelden. Bisher hätten 720 Betriebe vom 2G-Optionsmodell Gebrauch gemacht, zudem würden 471 Anzeigen für Veranstaltungen vorliegen, teilte ein Senatssprecher mit. „Mit der 2G-Option wird dem Infektionsschutz Rechnung getragen und viele Einrichtungen erhalten überhaupt wieder die Möglichkeit, ihre Angebote zu unterbreiten“, sagte er.

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Verstöße seien bisher nur sehr wenige festgestellt worden. Wird jemand erwischt, verwirke er die Möglichkeit an 2G-Angeboten teilzunehmen, sagte der Sprecher. „Das ist eine eiserne Regel, und die setzt die Polizei auch um.“

Barchef mit 2G zufrieden: „Endlich wieder tanzen und trinken“

Die „Bergsteigerbar“ befindet sich am Hamburger Berg, der Party-Straße schlechthin mitten auf St. Pauli. Zwei Türsteher kontrollieren draußen die Impf- und Genesenennachweise. Das 3G-Modell habe sich für ihn nicht gelohnt, sagt Barchef Nio. „Pro zehn Quadratmeter eine Person – dann säßen wir hier mit fünf Leuten.“ Auch eine Außenbar sei nicht möglich, da dort Alkohol nur bis 23 Uhr ausgeschenkt werden dürfe. Mit 2G sei die Bar wieder zum Leben erwacht. „Die Stimmung ist super. Die Leute freuen sich, dass sie endlich wieder tanzen und trinken können.“

Peter Arndt von der Kneipe „Nordlicht“ führt das 2G- und 3G-Modell im Wechsel durch, um seine ungeimpften Gäste nicht zu verlieren.
Peter Arndt von der Kneipe „Nordlicht“ führt das 2G- und 3G-Modell im Wechsel durch, um seine ungeimpften Gäste nicht zu verlieren.

Peter Arndt, der mit seiner Frau zusammen die Kneipe „Nordlicht“ betreibt, hat ein Hybridmodell eingeführt. „Um unsere Gäste, die noch nicht geimpft sind, nicht zu verlieren, haben wir uns dazu entschlossen, unter der Woche das 3G- und am Wochenende das 2G-Modell zu nutzen“, sagt Arndt. „Einige mosern, aber die meisten nehmen es positiv auf.“ Ein ungeimpfter Bargast betont, dass die Freiheiten, die das 2G-Modell mit sich bringe, definitiv eine Überlegung wert seien, sich impfen zu lassen.

„Kiez Klause“ läuft weiter unter 3G – Anfeindungen gegen 2G-Betreiber

„Kiez Klause“-Barchefin Manu ist selbst auch noch nicht geimpft, ihre Bar läuft weiterhin unter 3G. „Ich finde es unfair, ich verstehe nicht, warum es nicht weiter mit Tests laufen kann.“ Es gebe auch Stammgäste, die angekündigt hätten, nicht mehr zu kommen, sollte die Kneipe das 2G-Modell übernehmen.

Auch Barchefin Manu von der „Kiez-Klause“ will in Zukunft, trotz Kritik, das 2G Modell umsetzen.
Auch Barchefin Manu von der „Kiez-Klause“ will in Zukunft, trotz Kritik, das 2G Modell umsetzen.

In den sozialen Medien gebe es Anfeindungen gegen 2G-Betreiber. In Hamburg-Ottensen hatte ein Wirt, der sofort auf 2G umstellte, sogar eine Bombendrohung erhalten. Dennoch will auch Barchefin Manu das 2G-Modell umsetzen, wenn sie denn geimpft ist.

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„Die Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger ist geimpft“, heißt es vom Senatssprecher. Und auf die Impfquote müsse der Senat reagieren, wenn er seine Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung festlege. In Hinsicht auf die Corona-Neuinfektionen habe sich die Situation in der Hansestadt zudem auf hohem Niveau stabilisiert. Auch die Lage in den Krankenhäusern sei stabil.

Hamburg war mit dem 2G-Modell bundesweit Vorreiter. Inzwischen haben andere Länder nachgezogen, etwa Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Hessen und Sachsen. (dpa/mp)

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