• Ein E-Auto wird an einer städtischen Ladestation in Hamburg aufgeladen. Mittlerweile gibt es etwa 500 Stationen mit je zwei Ladepunkten.
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1000 neue Ladepunkte: Kaum genutzt! Sind die Hamburger E-Auto-Muffel?

Hamburg ist bundesweit Vorreiter in Sachen E-Mobilität und die Stadt will diesen Vorsprung weiter ausbauen. Seit Kurzem gibt es mehr als 1000 städtische Ladepunkte für E-Autos. Der Senat will in den nächsten fünf Jahren weitere 1000 Ladepunkte bauen. Es gibt nur einen Wehrmutstropfen: Die Zahl der E-Autos steigt bisher deutlich langsamer als erwartet.

Derzeit gibt es in der Stadt 1000 Ladepunkte an 500 Ladestationen. Damit ist die Hansestadt bundesweit Spitzenreiter. Es handelt sich aber in erster Linie immer noch um die langsamere Variante, Schnelllader sind nur an 70 Stationen installiert. Außerdem sind laut Stromnetz Hamburg auch neun Power-Lader in Planung, die Standorte stehen aber noch nicht fest. An allen städtischen von Stromnetz Hamburg betriebenen Ladepunkten bekommen die Kunden ausschließlich Grünstrom.

Ladesäule

Eine Ladesäule mit verschiedenen Ladeschnittstellen (CCS, AC, Chademo).

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imago

Mittlerweile steigen auch mehr und mehr Privatanbieter ins Geschäft ein, wie NewMotion und Allego. Sie installieren ihre Ladestationen auf privaten Firmengeländen. Auch Discounter wie Lidl haben das Geschäft erkannt. Dort können Kunden in Hamburg an drei Standorten auf dem Parkplatz aufladen, während sie einkaufen. Im Bau befinden sich sechs neue Schnellladestationen bei Lidl (z.B. Behringstraße, Bahrenfelder Chaussee). Der Discounter will deutschlandweit bis Ende 2021 rund 400 Ladestationen installieren. Aber Achtung: Wer Wert auf Grünstrom legt, sollte genau hinsehen, was er bei den privaten Anbietern lädt!

Hamburg: Weitere 1000 Ladestationen für E-Autos

Wo die Stadt ihre weiteren 1000 Ladepunkte errichten will, steht noch nicht fest. Bisher befindet sich die große Mehrheit in dem Dreieck Altona, Hauptbahnhof und Winterhude. Christian Füldner, Sprecher der Wirtschaftsbehörde: „Am höchsten ist die Nachfrage in Vierteln, in denen Wohnen, Gastronomie und Einzelhandel nebeneinander existieren oder in der City mit hoher Büro- und Kulturdichte.“ Dort werde weiter ausgebaut.

Ladestation auf dem Parkplatz Garten von Ehren.

Das Gartencenter von Ehren in Harburg hat eine „Allego“ -Ladesäule installiert. Diese Hochleistungssäule kann in weniger als fünf Minuten für 100 Kilometer Reichweite laden.

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dpa

Liegt es am Preis? Oder an der fehlenden Lade-Infrastruktur? Die Hamburger kaufen sich deutlich weniger E-Autos als gehofft. Füldner: „Frühere Prognosen haben sich nicht bewahrheitet, weil weniger E-Autos auf den Markt kamen, als erwartet.“ Hinzu komme, dass coronabedingt im ersten Halbjahr 2020 weniger E-Autos verkauft worden seien.

E-Autos in Hamburg: Nicht mal ein Prozent der PKW

Laut Senat waren im September von den 798.350 Pkw auf Hamburgs Straßen nur 5305 E-Autos. Also noch deutlich unter einem Prozent. Trotzdem ist die Hansestadt sebst mit diesem Mini-Wert Spitzenreiter im Bund. Erstaunlich: Dahinter folgen nicht die anderen Stadtstaaten, sondern Bayern und Baden-Württemberg. Deutlich besser sieht die Lage bei Hybriden aus: Im September gab es laut Senat 14.364 PKW mit Hybrid-Elektroantrieb und 4405 von außen aufladbare Hybrid-Elektrofahrzeuge in Hamburg.

Karte E-Autos

Auf dieser Karte ist zu sehen, wie viele E-Autos auf 1000 PKW im jeweiligen Bundesland fahren. Der Stand ist 2019, die Quote in HH ist mittlerweile etwas besser.

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Agentur Erneuerbare Energien

Bei der bisher eher bescheidenen Anzahl von E-Autos verwundert auch die mäßige Auslastung der Ladestationen nicht: Im Jahr 2019 lag sie bei 220.000 Ladevorgängen insgesamt. Die Wirtschaftsbehörde geht davon aus, dass sie trotz Corona Ende dieses Jahres bei deutlich über 300.000 liegt. Bei 1000 Ladepunkten in der Stadt bedeutet das 300 Ladevorgänge pro Steckdose im Jahr. Pro Tag und somit im Schnitt nicht mal eine Ladung pro Ladepunkt.

Nutzung Ladestation Hamburg: 300.000 Ladevorgänge

Allerdings hat Hamburg im Rahmen seiner Klimabeschlüsse Ende 2019 prognostiziert, dass in dem für die Klimabilanz relevanten Jahr 2030 der E-Anteil im Fahrzeugbestand sämtlicher Autos in Hamburg bei bis zu 20 Prozent liegen wird. Lässt sich der Anteil innerhalb von nur zehn Jahren derart steigern? Füldner zeigt sich optimistisch. „Jetzt im zweiten Halbjahr sieht es schon anders aus, weil die erhöhte Umweltprämie zu steigenden Zulassungszahlen führt.“

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Tatsächlich steigt durch das Corona-Programm der Bundesregierung die Nachfrage nach E-Autos. Bis zum Ende nächsten Jahres gibt es 9000 Euro Förderprämie für ein angeschafftes E-Auto plus 900 Euro für den Bau einer privaten Ladestation an Wohngebäuden. Weitere Vorteile: E-Autos sind die ersten zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit und parken in Hamburg kostenlos auf öffentlichen Parkplätzen.

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Gerade in Großstädten wie Hamburg können E-Autos viel dazu beitragen, dass weniger Stickoxid, Feinstaub und Lärm produziert werden. Und wenn wie in Hamburg Grünstrom geladen wird, ist die CO2-Einsparung auch erheblich.

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