Nick Zippel (l.) und Henning Behn sind zwei der drei Gründer – und spielen privat in einer Band.
  • Nick Zippel (l.) und Henning Behn sind zwei der drei Gründer – und spielen privat in einer Band.
  • Foto: Patrick Sun

Bullis unter Strom: Diese Hamburger machen alte VW-Busse klimafreundlich

Das Lebens- und Freiheitsgefühl eines alten VW-Bullis, aber ohne die Luft zu verpesten? Das wird dank eines Hamburger Start-ups jetzt möglich: „Naext Automotive“ baut gebrauchte Bullis in Elektroautos um – und gibt ihnen damit ein zweites, umweltfreundlicheres Leben.

Bei Flugzeugen ist das längst gang und gäbe: Nach rund 15 Jahren im Einsatz werden die Maschinen nahezu komplett überholt, nur der Rumpf bleibt. „Refurbishment“ nennt sich diese Sanierung. Bei Autos passiert das bislang aber kaum.

Hamburger Start-Up: Auch neue E-Autos sind Teil des Problems

Dabei werden für die Herstellung eines gut zwei Tonnen schweren Autos rund 50 Tonnen Ressourcen verbraucht und fünf bis zehn Tonnen CO₂ ausgestoßen, erklärt Henning Behn, einer der „Naext“-Gründer der MOPO. Und das auch bei Elektroautos: Wenn ein neues die Werkstatt verlasse, seien schon 20.000 Kilowatt-Stunden Energie verwendet worden – fast so viel, wie eine vierköpfige Familie in vier Jahren verbraucht. „Auch neue Elektroautos sind deshalb Teil des Problems“, sagt der Co-Gründer Nick Zippel. „Wir müssen davon wegkommen, immer alles neu haben zu wollen.“

Das Hamburger Start-up „Naext” gibt alten Bullis ein grünes, neues Leben.
Das Hamburger Start-up „Naext” gibt alten Bullis ein grünes, neues Leben.

Das könnte Sie auch interessieren: Immer mehr Radfahrer in Hamburg – doch es gibt Probleme

Die Lösung: Alte Autos mit umweltfreundlicherer Technologie ausstatten, den Rest aber so lange wie möglich weiternutzen. Für die VW Busse T5 und T6 haben der Umweltingenieur, der Fahrzeug- und der Flugzeugbauer ein eigenes System entwickelt. Verbrennungsmotor, Tank und Auspuff kommen raus, Elektromotor und Akkus rein, das Getriebe bleibt drin. Rund 80 Prozent des Fahrzeugs bleiben erhalten.


„MOPOP – Der Kultur-Newsletter“ bringt Ihnen jeden Donnerstag gute Nachrichten frei Haus. Ob auf, vor und hinter den Bühnen – wir sind für Sie dabei und sprechen mit den spannendsten Menschen. Dazu gibt’s Tipps zu Veranstaltungen und Neuerscheinungen und vieles mehr. Wir freuen uns auf Sie! Hier klicken und anmelden.


Die Verbindungsstücke haben die drei Tüftler selbst entwickelt. Der Clou: Sie sind passgenau für die ohnehin schon im Bulli vorhandenen Halterungslöcher. So wird weder gebohrt noch geschweißt, die Umbauten dauern nur wenige Tage und die Sicherheit der Karosserie wird nicht gefährdet.

Teure Gebrauchtwagen: „Naext” will günstiger werden

Bleibt noch ein Problem: Der Preis. Rund 34.000 Euro kostet das „Naext“-Umbaukit mit Akkus und Elektromotor. Dazu noch die Arbeiten in einer Werkstatt und für einige der Bulli selbst. Ganz schön happig für einen Gebrauchtwagen. Einen neuen Renault Zoe E-Tech bekommt man dank Umweltprämie schon ab rund 20.000 Euro.

In der „Naext”-Werkstatt wird noch am zweiten Prototypen getüftelt. Die Akku-Module sind unten am Auto.
In der „Naext”-Werkstatt wird noch am zweiten Prototypen getüftelt. Die Akku-Module sind unten am Auto.

Ist die Idee also nur etwas für Liebhaber? „Es gibt für den VW-Bulli eine große Fangemeinde, aber keine passenden E-Alternativen auf dem Markt“, sagt Behn. „Deshalb glauben wir, dass einige den Weg mitgehen.“ Aber es ist auch erklärtes Ziel, das Kit nächstes Jahr für unter 20.000 Euro anzubieten – und ebenfalls per Subventionen gefördert zu werden.

Die „neuen” E-Bullis fahren je nach Ausstattung mit Strom aus der Steckdose bis zu 350 Kilometer weit.
Die „neuen” E-Bullis fahren je nach Ausstattung mit Strom aus der Steckdose bis zu 350 Kilometer weit.

Das könnte Sie auch interessieren: Debatte um E-Scooter: So wollen die Anbieter Kritiker besänftigen

Besonders charmant: Weil die Akkus bei 80 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit ersetzt werden müssen, dann aber noch für vieles andere gut funktionieren, hat „Naext“ gleich noch einen Energiespeicher fürs Haus entwickelt, in den sie einfach eingesetzt werden können. Wer eine Solaranlage hat, kann den eigenen, grünen Strom so speichern und für Fernseher oder Waschmaschine nutzen – oder eben den umgebauten E-Bulli aufladen.

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp