Der Hamburger Ruderer Tim Ole Naske (24), seit Februar Schlagmann im deutschen Doppelvierer.
  • Der Hamburger Ruderer Tim Ole Naske (24), seit Februar Schlagmann im deutschen Doppelvierer.
  • Foto: WITTERS

Wieder alle im Boot: Hamburger Ruder-Ass Naske: Corona hat Olympia-Traum nur verschoben

Olympia ist ins Wasser gefallen und auf 2021 verschoben, sein großes Ziel für diesen Sommer abgesoffen. Insgesamt sieben Wochen saß Tim Ole Naske im Zuge der Corona-Pandemie auf dem Trockenen. Jetzt ist Hamburgs Ruder-Ass auf das nasse Element zurückgekehrt und genießt die schweißtreibende Schufterei im Boot – Schlag um Schlag. Die Gold-Mission ist nur aufgeschoben.

„Alles gut soweit“, vermeldet ein fröhlicher Naske im Gespräch mit der MOPO am Sonntag aus dem Trainingslager am Olympiastützpunkt in Ratzeburg. „Man kann wieder von einer gewissen Normalität sprechen. Die Negativ-Phase ist vorbei.“

Seit Dienstag ackert die Ruder-Elite an der idyllisch auf der Domhalbinsel am großen Ratzeburger See gelegenen Akademie.

Deutsche Ruderer trainieren wieder in Ratzeburg

Die Einschränkungen für die Athleten sind spürbar, aber nicht lästig. Die vorgeschriebene Unterbringung in Einzelzimmern ist vielmehr Luxus. In den Kraftraum dürfen nur Klein-Gruppen und zu den Mahlzeiten gibt es nicht wie sonst immer ein Buffet, sondern Tabletts mit abgepacktem Essen. Auf dem Wasser ist dagegen alles beim Alten.

In den vergangenen Tagen pflügte Naske erstmals wieder gemeinsam mit seinem Teamkollegen kraftvoll, einem Uhrwerk gleich durchs kühle, trübe Nass. Zuvor hatte er auf der Ruderstrecke in Hamburg-Allermöhe nur im Einer trainieren dürfen, erstmals wieder am 4. Mai, nach sieben Wochen Ruder-Pause, in der er seinem zweitliebsten Sport gefrönt hat: dem Rennradfahren.

Tim Ole Naske sieben Wochen nicht im Boot

„Ich genieße es, wieder im Mannschaftsboot zu sitzen“, sagt der Modellathlet (1,84 Meter, 90 Kilo). „Ich mag es zwar auch total gerne, für mich alleine zu trainieren“, bekennt der langjährige Einer-Spezialist, „aber es ist schon echt geil, im Team Gas zu geben.“

Seit Februar ist Naske der neue Schlagmann im Doppelvierer, einem der Paradeboote des Deutschen Ruder Verbandes (DRV), das als heißer Gold-Anwärter für die Olympischen Spiele in Tokio im Sommer galt. Ein Karriere-Schub, nachdem es für das Kraftpaket von der RG Hansa im Vorjahr im Doppelzweier nicht gut gelaufen war. Dann kam Corona und schließlich folgte die Olympia-Verschiebung um ein Jahr.

Naske neuer Schlagmann im Doppelvierer für Olympia 

Ein schwerer Schlag? Naske geht gelassen damit um. „Die Tokio-Absage war für mich kein Weltuntergang“, sagt der Jura-Student. „Ich bin ja noch jung. Schlimmer ist es für Athleten, die eigentlich nach den Spielen in diesem Sommer ihre Karriere beenden wollten und schon ihr Leben danach geplant haben.“

Die erste Olympiateilnahme und der Gewinn der Gold-Medaille bleiben Naskes „großes und geniales Ziel. Dafür gebe ich alles. Es ist ja nur aufgeschoben.“ Er räumt jedoch ein, dass man als Athlet auch kurzfristige Ziele brauche. Deshalb hofft er, dass die bereits von Juni auf Oktober verschobene EM in Poznan (Polen) stattfindet. Darauf möchte er hinarbeiten, täglich.

Ruder-EM in Poznan: Naske hofft auf Durchführung

In der kommenden Woche trainiert das Kraftpaket wieder auf der Regattastrecke in Allermöhe, dann steht erneut ein Lehrgang in Ratzeburg an. Es geht wieder Schlag auf Schlag im Leben von Tim Ole Naske.

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